Vorstellungsgespräche online und vor Ort führen – Ein Leitfaden für Landwirte

Vorstellungsgespräche führt man doch nur vor Ort, denken Sie? Die Zeiten haben sich geändert. Digitale Technik macht es möglich! Hybride Vorstellungsgespräche finden mehr und mehr Zuspruch – auch bei Landwirten.

Einige wenige Agrarunternehmen haben es bereits vor der Corona-Krise genutzt, aber mit ihr hat das hybride Vorstellungsgespräch deutlich mehr an Zuspruch gefunden – und das nicht nur bei großen Agrararbeitgeber*innen, sondern auch bei kleineren Agrarbetrieben und Landwirt*innen. Aber auch nach der Pandemie wird es nicht an Beliebtheit verlieren. So berichtet uns Melanie Komossa, Leiterin des Kompetenzcenters für Recruiting bei der Agravis Raiffeisen AG in unserer Agrar-Karrierestunde: „Wir nutzen bereits hybride Vorstellungsgespräche und werden sie auch nach der Krise als festen Bestandteil unseres Einstellungsprozesses einbinden“. Nur was genau versteckt sich hinter dem Begriff „hybrid“? Wie führen Sie ein hybrides Vorstellungsgespräch durch? Und was bringt es für Ihren Agrarbetrieb?

Was versteht man unter „hybrid“?

Hinter dem Begriff „hybrides Vorstellungsgespräch“ verbirgt sich ein zweiphasiges Bewerbungsgespräch zwischen Kandidat*innen und potenziellen Arbeitgeber*innen. Der erste Teil besteht aus einem virtuellen oder telefonischen Bewerbungsgespräch. Dieses können Sie mithilfe von Tools wie Skype, Zoom oder Microsoft Teams durchführen. Der zweite Teil beruht auf einem persönlichen Bewerbungsgespräch, welches vor Ort im Agrarbetrieb stattfindet. Vom Aufbau her laufen beide, sowohl das virtuelle als auch das persönliche Vorstellungsgespräch, sehr ähnlich ab. Allerdings benötigt die virtuelle Kommunikation eine besondere Herangehensweise, da Körpersprache und Mimik der Gesprächspartner nur eingeschränkt wahrgenommen werden können.

Wo genau liegen die Vorteile eines hybriden Vorstellungsgesprächs?

Insbesondere zur Pandemiezeit, in der persönliche Kontakte reduziert werden sollen, bringt das hybride Vorstellungsgespräch wahre Vorteile mit sich. Zum einen kann weiterhin ein Einstellungsprozess stattfinden, da er virtuell abgehalten werden kann. Zum anderen können sich Arbeitgeber*in und Arbeitnehmer*in über den zweiteiligen Bewerbungsprozess hinweg deutlich besser kennenlernen. Insbesondere landwirtschaftliche Betriebe, die im ländlichen Raum auch mal etwas abgeschiedener liegen oder die Entfernungen für eine Anreise recht groß sind, profitieren vom virtuellen Erstkontakt per Video. Gefällt ein*e Kandidat*in, dann kommt es zum persönlichen Kennenlernen vor Ort.

Wie läuft das virtuelle Vorstellungsgespräch ab?

In der Regel kann das Erstgespräch ca. 45 bis 60 Minuten dauern. Ziel des Erstgespräches ist es herauszufinden, ob Sie als Arbeitgeber*in mit den Bewerber*innen sympathisieren und ob die Qualifikationen Ihrer Vorstellung entsprechen. Insbesondere wenn Sie sich für ein Bewerbungsgespräch per Videokonferenz entscheiden, sollten Sie Ihre Technik gut vorbereiten. Im Video-Vorstellungsgespräch sollten neben Kandidat*in nicht mehr als zwei Personen seitens Arbeitgeber*in dabei sein. Das ist auf landwirtschaftlichen Betrieben oftmals die Geschäftsführung, welche auch für die Personalauswahl verantwortlich ist. Je mehr Teilnehmer*innen anwesend sind, desto schwieriger wird der Austausch untereinander.

Die folgenden Schritte stellen einen typischen Ablauf dar:

  1. Smalltalk: Beginnen Sie mit einer simplen Frage
  2. Vorstellungsrunde: Stellen Sie sich und Ihren Betrieb vor
  3. Jobbeschreibung: Erläutern Sie den Agrar Job
  4. Bewerberpräsentation: Lassen Sie den*die Kandidat*in sich vorstellen
  5. Fragerunde: Stellen Sie notwendige Filterfragen und lassen Sie den*die Bewerber*in Fragen stellen
  6. Abschluss: Erklären Sie das weitere Vorgehen

Wo liegt der Unterschied zum Zweitgespräch? Was sollten Sie hier beachten?

Der Unterschied zwischen virtuellem und persönlichem Vorstellungsgespräch ist nicht nur der Ort, sondern oftmals auch die Anzahl und Funktion der anwesenden Personen seitens Arbeitgeber*in. Hierbei sind neben der Führungskraft auch Fachkräfte, also Kolleg*innen aus dem potenziell neuen Team dabei. So können fachliche Fragen geklärt werden. Nicht nur erhält der*die Kandidat*in einen intensiveren Eindruck von der neuen Agrar Tätigkeit, sondern auch die zukünftigen Kolleg*innen einen persönlichen Eindruck. Ziel des zweiten Teils ist es, den*die Bewerber*in noch besser persönlich, aber auch fachlich kennenzulernen. Das virtuelle Erstgespräch vermittelt zwar schon einen ersten Eindruck, aber letztendlich geht nichts über ein persönliches Kennenlernen vor Ort.

Mit neuen Ansätzen in eine gezieltere Kandidatenwahl

Ob virtuell oder persönlich, Bewerbungsgespräche sind für Kandidat*innen und Arbeitgeber*innen eine Herausforderung. Sie als Personalentscheider*in müssen nicht nur eine große Masse an Bewerber*innen filtern, sondern sich am Ende auch für eine*n entscheiden – und das normalerweise in nur 60 Minuten. Denn das ist die durchschnittliche Dauer eines Bewerbungsgesprächs vor Ort. Wir hoffen also, dass wir Ihnen mit dem Modell des hybriden Vorstellungsgesprächs einen neuen Ansatz mit an die Hand geben konnten. Einen Ansatz, mit dem Sie mehr Zeit für das Kennenlernen potenzieller Kandidat*innen gewinnen können.

Mehr zum Thema Vorstellungsgespräch:

Wer mehr zur Vorbereitung von Bewerbungsgesprächen erfahren möchte, der wird hier fündig: Vorstellungsgespräch richtig vorbereiten – Tipps für Arbeitgeber

Wer mehr zur technischen Umsetzung wissen möchte, der findet ausführliche Tipps in diesem Artikel: Mitarbeiter finden per Videochat – 10 Tipps für das Video-Interview

DAS INTERESSIERT SIE SICHER AUCH

Stellenanzeige schalten

Platzieren Sie Ihre Stellenanzeige einfach und schnell in unserem Stellenmarkt speziell für die Agrarbranche.

Kandidatenpool

Wir bieten Ihnen eine unkomplizierte, schnelle und präzise Suche nach Kandidaten mit Agrarfokus.

Arbeitgebermarke stärken

Mit uns setzen Sie Ihr Unternehmen in den Fokus für Agrarkandidaten und gewinnen mehr Mitarbeiter.