Floskeln im Bewerbungsverfahren vermeiden

Ob in Bewerbungsschreiben oder im Vorstellungsgespräch, man liest und hört sie immer wieder:

  • Ich bin flexibel und belastbar
  • Ich bin neuen Herausforderungen gegenüber stets aufgeschlossen
  • Ich bin kommunikationsstark, flexibel und initiativ
  • Ich bin hochmotiviert und teamfähig
  • Ein freundlicher, kollegialer Umgang miteinander ist für mich selbstverständlich etc.
Jeder Personaler wälzt unzählige Bewerbungen. Immer dieselben Adjektive zu lesen wirkt abgedroschen und langweilig.

Jeder Personaler wälzt unzählige Bewerbungen im Laufe seiner Karriere, dazu kommen zahlreiche Vorstellungsgespräche. Stellt man sich vor, dass alle dieselben abgedroschenen Adjektive wie z.B. „teamfähig“, „dynamisch“ oder „erfahren“ benutzen, führt das auf der Gegenseite nur zu höchster Langeweile und großem Desinteresse. Der Bewerber offenbart kaum intellektuellen Mehrwert für die Firma. Er hinterlässt allenfalls den Eindruck, dass er sich nicht mit den speziellen Anforderungen des Unternehmens beschäftigt hat. Die Bewerbung wirkt beliebig und austauschbar. Job Ade.

„Ich bin ehrlich, pünktlich und motiviert“ – Ok und was noch?!

Viele Eigenschaften sind Grundvoraussetzung und keine Besonderheit. Im gesamten Bewerbungsprozess sollten Phrasen daher tunlichst vermieden werden. Da jeder dieselben Ausdrücke benutzt, kann man sich so nicht von der Masse abheben und keinen Arbeitgeber beeindrucken. Ein Personaler darf erwarten, dass Kandidaten Eigenschaften wie Motivation, Freundlichkeit oder Effizienz mitbringen – eben weil sie selbstverständlich sind. Wer das Selbstverständliche betont, birgt eher den Zweifel, dass da sonst nicht mehr viel ist.

Selbiges gilt, wenn im Vorstellungsgespräch nach den Stärken und Schwächen gefragt werden. Ehrlichkeit und Pünktlichkeit sind keine Stärken! Schuhe oder Männer, als Antwort nach den Schwächen mögen wohl im ersten Moment witzig klingen, helfen dem Personaler aber auch nicht weiter, den Bewerber kennenzulernen. Solche Aussagen wirken schnell oberflächlich und überheblich bzw. lassen auf mangelnde Selbstreflexion und -kritik schließen.

Vorstellungsgespräche sollten ehrlich und authentisch sein, sodass das Unternehmen ein klares Bild vom Bewerber erhält.

„Storytelling“ heißt das Stichwort!

Bewerbungen sollten die Persönlichkeit des Bewerbers widerspiegeln. Vorstellungsgespräche sollten ehrlich und authentisch sein, sodass das Unternehmen am Ende des Prozesses ein klares Bild vom Bewerber erhält. Wie bist du also zum „Teamplayer“ geworden? Was sind das für „umfangreiche Erfahrungen“, die du gemacht hast? Storytelling ist das Schlüsselwort. Führe Belege an, am besten aus deinem Lebenslauf, die deine Eigenschaften hervorbringen und glaubhaft unterstreichen. Dies können Verweise auf Referenzen sein „wie Sie meinem letzten Arbeitszeugnis entnehmen können (…)“ oder auch Projekte in denen man eigeninitiativ, flexibel oder unter hoher Belastung erfolgreich gearbeitet hat. Aber nicht nur Belege aus dem Arbeitsumfeld zählen: Auch Hobbies, soziales Engagement oder Auslandsaufenthalte können zahlreiche Adjektive belegen.

Synonyme statt abgedroschener Begriffe wählen

Eine Alternative zu den altbekannten Formulierungen können zudem treffendere und präzisere Synonyme sein, die noch nicht so abgedroschen sind und ehrlicher klingen. Anstatt „ehrgeizig“ könnte man z.B. auch „strebsam“ sein. Wer nicht schreiben möchte, dass er sich für kreativ hält, kann etwa anführen, dass er mit großer Freude „unkonventionelle Lösungen“ sucht. Dennoch sollten auch hier Belege nicht fehlen!

Tipp: Oft hat man viele Stärken, denen man sich aber nicht bewusst ist. Es kann helfen Listen von Persönlichkeitsmerkmalen zu wälzen und wenige treffende herauszufiltern. Fällt es schwer den Fokus auf die wichtigsten Eigenschaften zu legen, hilft ein Wechsel des Blickwinkels: Was ist relevant fürs Unternehmen und die vakante Position?

„Hiermit bewerbe ich mich auf…“ war gestern!

Wusstest du, dass das Wort „Betreff“ in einer Bewerbung veraltet ist? Aber nicht nur das. Auch steifes Formeldeutsch, wie zum Beispiel „Mit großem Interesse“ oder „Hiermit bewerbe ich mich auf“, ermüden den Leser. Vielmehr ist die eigene kreative und persönliche Note gefragt. Warum legt ihr also nicht als ersten Satz eure Berufserfahrung in die Waagschale? „Seit über drei Jahren arbeite ich erfolgreich als Vertriebsleiterin bei…“ Direkt mit einem guten Informationsfluss starten: Fulminant! Ich habe, ich kann, ich möchte – schnell wird man in der eigenen Kurzbiographie zum Ich-Erzähler. Warum nicht mal aus einer anderen Perspektive schreiben? „Sie suchen nach…“ oder „Ihr Unternehmen hat…“. Verleiht der Bewerbung mehr Ausdruck und zeigt, dass man auch die Bedürfnisse des Unternehmens verstanden hat.

Für unentschlossene Bewerber hier ein weiterer Tipp: Streicht den Konjunktiv! Hätte-Würde-Könnte funktionieren nicht in einer Bewerbung. Falsche Zurückhaltung lässt die Bewerbung schwach wirken. Hier ein Beispiel: Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen. Besser: Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freue ich mich.

Und weil wir gerade bei „schwachen“ Formulierungen sind: Lückenfüller wie, eigentlich, vielleicht, möglichst oder eventuell zählen ebenfalls dazu. Brust raus! Aber bitte ohne Superlative.

Schnell gelesen: 

 Schlechter, als mit leeren Worthülsen und Phrasen kann man im Anschreiben nicht starten. Also beginnt gleich mit Daten und Fakten.

 Ein Bewerber, der die Entscheidungsträger von seinen Vorzügen überzeugen möchte, muss seine Stärken gekonnt formulieren – und das ohne Konjunktiv und Superlativ.

 Steifes Formeldeutsch und abgegriffene Floskeln war einmal – die eigene kreative Note ist gefragt (Stichwort: „Storytelling“)

Häufig verwendet:Alternative Synonyme:
ehrgeizigbeweglich, engagiert, emsig, arbeitswillig
kreativgestalterisch, ideenreich, erfindungsreich
selbstbewussterfolgssicher, gefestigt, selbstsicher
flexibelzugänglich, beweglich, weltoffen, aufgeweckt
freundlichkollegial, anständig
kommunikationsstarksprachgewandt, wortgewandt, beredet
 motivierteifrig, bemüht, strebsam