Zu viel Gras, zu wenig Kühe

Der Trend der letzten Tage deutet daraufhin, dass wir immer noch zu viel Gras in den Paddocks haben. Um der Grassituation Herr zu werden, beschlossen wir die 40 Färsen, welche derzeit noch auf dem anderen Teil der Farm grasen, zur Hauptfarm zu treiben und diese auf den restlichen Kuh-Paddocks weiden zu lassen. Da die Farm durch eine öffentliche Straße in zwei Areale getrennt wird, mussten wir also die Färsen über die Straße, durch den kleinen Bach und den anschließenden Hohlweg treiben, um zur Hauptfarm zu gelangen. Bei der Vorstellung musste ich direkt an den wilden Westen denken und Tom meinte, dass in jedem irischen Milchbauer auch ein kleiner Cowboy steckt ;-)! Ich freute mich schon riesig auf den Tag, da ich das von Deutschland gar nicht kannte.

Wir machten uns also mit der ganzen Familie auf und jeder bekam eine Aufgabe zugewiesen. Die Mutter und die Kinder standen an der Straßenkreuzung, wo die Färsen in den Bach geleitet werden müssen. Tom stand am anderen Ende der Straße am Ausgang des Separationsgatters und ich sollte mit dem Quad hinter den Färsen fahren und diese vorantreiben. Da ich also quasi den Hauptjob hatte und auf dem Quad saß, konnte ich kaum Bilder machen. Viel wichtiger war es, die Situation unter Kontrolle zu behalten und die Tiere gut von A nach B zu bekommen. Der ganze Umtrieb dauerte nur 30 Minuten und verlief zum Glück einwandfrei. Es war schon toll zu sehen, wie die Färsen durch den Bach und den Hohlweg hoch liefen – so ganz frei und unkontrolliert. Ich kann mir gut vorstellen, dass das in den weiten Ebenen Amerikas mit den schweren Fleischrindern über Stock und Stein auf einem Pferd reitend sicherlich was ganz anderes ist. Ein Gefühl dafür konnte ich allerdings jetzt schon bekommen und kann sagen, dass das richtig Spaß macht.

Nun haben wir also – bis auf die kleinen Kälber von diesem Jahr – alle Tiere auf der Hauptfarm. Mal sehen, wie lange die Tiere noch draußen weiden können. Wenn alle Paddocks abgegrast sind, werden wir die Färsen, Kühe und Kälber in den Stall holen. Vorher müssen aber noch circa 20 Tiere verkauft werden, weil der Platz im Stall nicht ausreicht. Vom Einstallen werde ich separat berichten und schicke mit diesem Bericht die wohl wirklich letzten schönen Bilder von der irischen Weidesaison nach Deutschland.