Die Klauenpfleger kommen

Die Klauenpflege wird hier in Kanada, wie auch auf den meisten deutschen Betrieben, regelmäßig durchgeführt. Je nach Betrieb und Notwendigkeit wird der Service zwei bis drei Mal im Jahr genutzt. In der vergangenen Woche war es dann auch auf meinem Betrieb wieder soweit.

Die Klauenpflege im Anbindestall ist sehr viel aufwändiger als in Boxenlaufställen. Der Vorgang an sich ist zwar recht identisch; 2 Männer arbeiteten gleichzeitig an einem Tier und werden im Bereich Vorderbeine und Hinterbeine aufgeteilt. Das Heranführen an den Pflegestand ist dann jedoch gewöhnungsbedürftig, aber leider nicht anders regelbar. Kuh für Kuh wird hierfür von ihrem Platz geholt. Hierbei werden die Seile, die die Schwanzquasten der Tiere hochhalten, zum ersten Mal lästig.

Etwa 60 Kühe haben ein Schwanz-Seil, diese müssen folglich 120 Mal entfernt bzw. wieder angebracht werden. Also, Reihenfolge einhalten; Seile entfernen, hochhängen, Kettenteil von der Halskette lösen, Kuh zum Klauenstand nach draußen treiben, die fertige Kuh wieder hereinbringen… und dann hoffen, dass die zurück auf ihren Platz geht! Denn da die Kühe die freie Bewegung nicht gewohnt sind, nutzen sie diese voll aus und veranstalten ein wahres Wettrennen durch den Stall. Und, natürlich, sie rennen dann auch gerne mal an ihrem Platz vorbei. Dann heißt es, nur nicht aufregen, sind doch unsere Lieblinge. Manchmal scheint es aber, dass sie einen einfach nur ärgern und um den Verstand bringen wollen. Da sind wohl die Kühe auf der ganzen Welt gleich, so etwas kenne ich auch noch von Zuhause 😉

Ein sehr großes Problem für die meisten Kühe ist, dass sie den Weg über das Gatter nicht zu sehr mögen. Dieses ist etwa 30 cm breit und tief und befindet sich am Ende des Liegebereichs. Hierin landet der Kot, die Papiertücher vom Melken und Sägemehl bzw. Stroh und werden 2 mal täglich aus dem Stall befördert. Um nicht mit einem Bein im Gatter zu landen, wird dann jedoch nicht ein langsamer Schritt nach dem anderen gemacht sondern kurz Anlauf geholt und in die Box gesprungen. Nicht zuletzt deswegen haben mich die Kühe an diesem Tag ständig an Springpferde erinnert.

Das häufigste Gesundheitsproblem war Mortellaro. Genannt wird es hier, wie auch weitläufig in Deutschland bekannt, ganz einfach „Strawberry“ (Erdbeere). Zur Behandlungsvorbereitung wurde der Wulst an den Rändern abgeschnitten und gesäubert. Dann wurde etwas Peroxid auf die Wunde gesprüht, Tetracyclin-Pulver darauf verteilt und mit einem Verband fixiert. Nach 1 1/2 Tagen wurden insgesamt 114 Tiere behandelt. Hierzu zählten neben den 94 melkenden Kühen auch die trockenen Tiere und einige lahmende Rinder. Vor etwa 2 Wochen haben wir mit den Vorbereitungen für ein Meeting am 1. Dezember begonnen.

Da die Schwänze schon seit fast einem halben Jahr nicht mehr gereinigt wurden, hat die erste Grundreinigung einige Tage gedauert. Damit einmal anzufangen, kostet beim Anblick der mit Kot und vielen Kladden bestückten Schwänze sehr viel Überwindung. Alles in allem ging dies dann aber doch leichter, als gedacht. Hierzu genügte ein Eimer mit etwas Peroxid, ein Messer und eine Kladden- Bürste. Zuerst werden die Haare in dem Wasser aufgeweicht, die ersten groben Teile entfernt, wieder eintauchen, wieder etwas Schmutz herausnehmen und dieser Vorgang wird dann solange wiederholt, bis der Schwanz weiß und meist auch schön flauschig ist. Bei zu viel Dreck wird dann ansonsten einfach die Bürste zur Hand genommen, die Klumpen ausgebürstet und wieder im Wasser-Peroxid gereinigt. Mit dem Messer muss dann nur noch ein Stück der Haare vom Ende des Schwanzes (viele Haare hingen bis auf den Boden) abgeschnitten werden. Danach wurde das Schwanzteil wieder am Seil befestigt.

Seitdem gehe ich jeden Tag durch die Reihen, säubere die schmutzigen Schwänze und sorge vor allem dafür, dass zerrissene Seile schnellstmöglich ersetzt werden um die Haare in der Luft zu halten. Die restliche Zeit dieser Tage habe ich mit dem Anfertigen neuer Kuh-Karten verbracht. Hierzu musste ich erst einmal die alten, verstaubten Karten im Schrank finden, säubern und trocknen. Danach konnte ich mit dem Schreiben beginnen. Auf den Karten befinden sich nun der Name, die Stallnummer, Geburtsdatum, die aktuelle Klassifizierung sowie Vater und Mutter der jeweiligen Kuh.

In der letzten Woche haben dann auch Mike und Steve mit den Vorbereitungen begonnen. Um die Kühe bestmöglich zu präsentieren, werden sowohl ihre Körper als auch die Euter komplett geschoren. Ich kümmere mich zurzeit um die letzten zu scherenden Kühe und Louie´s Söhne haben mittlerweile schon gut 3/4 der Euter geschafft. Für den letzten Tag vor dem Meeting ist das Reinigen des Stalles und der Schwänze, das Bürsten der Kühe und das Aufhängen der Kuh- Karten geplant.