Die Stallsaison hat begonnen…

Nun ist es also soweit: Aufgrund des Wetters mussten wir die Milchkühe und Färsen letzte Woche in den Stall holen, wovon diese so gar nicht begeistert waren. Den Stall hatten wir bereits eine Woche zuvor vorbereitet, da wir die Herde zweimal über Nacht kurzfristig im Stall lassen mussten wegen heftigem Regen. Das Wetter ist die letzten Tage sehr stabil und es regnet nur gelegentlich, so dass die Tiere vielleicht wieder für einen Tag zwischen der Morgen- und Abendmelkung rausgehen können. Bezüglich der Grassituation haben die Färsen alle Arbeit geleistet: die restlichen Paddocks sind abgegrast und wir konnten unser Ziel einhalten die Farm im November „zu schließen“ sprich die Weidesaison zu beenden. Wir haben nun noch einen „Reserve-Paddock“ für die Milchkühe übrig. Dieser dient als Stallalternative für besonders schöne, trockene Wintertage.

Generell gehen die Kühe aber jetzt nicht mehr raus und bleiben fortan bis zum Start der neuen Weidesaison im Stall. Da wir im Stall aber nicht ausreichend Platz für alle Tiere haben, mussten wir vor dem Aufstallen 20 Kühe verkaufen. Die Auswahl traf Tom an Hand verschiedener Parameter wie Trächtigkeit, Alter und Milchleistung und schnell stand fest, welche Kühe den Betrieb in den nächsten Tagen verlassen würden: alle 14 nicht tragenden Kühe (darunter auch leider meine Lieblingskuh) + 6 tragende Kühe, welche sich im nächsten Jahr in der 2. oder 3. Laktation mit guter Milchleistung befinden. Wir separierten diese Kühe nach dem Melken in eine Gruppe und trieben sie zurück in den Paddock damit wir sie für einen potentiellen Verkauf in den nächsten Tagen schnell zur Verfügung haben. Tom wollte sie möglichst als Gruppe verkaufen und rief zwei Landwirte an, die er von vorherigen Kontrakten kannte und die daran interessiert sind mehrere Tiere in einer geschlossenen Gruppe zu kaufen.

Drei Tage später war es dann soweit: Ein Landwirt hatte zugesagt sich die Gruppe anzusehen. Die Herren marschierten über den Paddock und jede Kuh wurde inspiziert. Schnell stand fest, dass die Kühe an diesen Farmer verkauft werden. Dies sorgte für ein zufrieden stellendes Ergebnis, da Tom den Betrieb gut kennt und weiß, dass seine Tiere dort gut aufgehoben sind.

Da dieser Landwirt keine saisonale Abkalbung betreibt, wird er versuchen, die nicht tragenden Kühe bei der nächsten Brunst zu besamen. Hoffentlich wird meine Lieblingskuh dann trächtig. Andernfalls könnte ihr ein schnelles Ende drohen, da die Rindfleischpreise in den letzten Wochen enorm gestiegen sind und dieser Betrieb auch Rinder mästet.

Wir verkauften daraufhin noch fünf weitere Altkühe und zwei nicht tragende Färsen. Das Schicksal der Altkühe war diesmal eindeutig klar: sie würden auf einen Mastbetrieb verkauft und wahrscheinlich nächsten März geschlachtet. Da diese Kühe 8 bis 10 Jahre alt sind und dementsprechend lange auf dem Betrieb lebten, wurde die Stimmung etwas gedrückt als der Viehtransporter auf dem Hof stand. Und ehe wir lange nachdenken konnten, waren die Kühe zum Glück auch schon verladen.

Auch wenn der Stall nun mit 75 Kühen und 70 Liegeboxen auf der rechten Seite immer noch etwas überbelegt ist, kann die Herde so durchaus gut den Winter überstehen. Da im hiesigen Graslandsystem der Stall nur in den Monaten Dezember bis Februar genutzt wird, handelt es sich dabei meist um sehr einfach gehaltene Stallgebäude. So verfügt unser Stall, der 1990 gebaut wurde, über 105 Liegeboxen für die Kühe und Färsen, sowie 18 Liegeboxen für die Kälber. Die Liegeboxen der Kühe sind als Dreireiher angeordnet und befinden sich auf der rechten Seite des Stalls. 30 der Liegeboxen wurden vor drei Jahren erneuert und heben sich mit dem neuen Design deutlich von den älteren Liegeboxen ab.

Die als Zweireiher angeordneten Liegeboxen der Färsen und Kälber befinden sich auf der linken Seite. Mittig angelegt ist der 32 m lange, befahrbare Futtertisch. Als Abtrennung dienen einfache Nackenriegel, die im Kälberbereich etwas niedriger montiert sind. Die Entmistung der Laufwege erfolgt vollautomatisch durch ein 5-teiliges Schiebersystem. Einzig im Bereich der 30 neuen Liegeboxen wurde Spaltenboden mit Gummiauflage verlegt, da dort in den 90’er Jahren Mastvieh gehalten wurde.

Erstaunlicherweise bevorzugen die Kühe jedoch eindeutig die alten Liegeboxen. Wir haben schon überlegt, ob die neuen Liegeboxen vielleicht nicht ausreichend dimensioniert sind und wollen in den nächsten Wochen einmal genau nachmessen, um die Nackenriegel evtl. zu verstellen. Komischerweise halten sich dennoch in diesem Bereich des Stalls die meisten Kühe auf, da sie den Gummiboden dem Betonboden vorziehen. Zum Glück kommen sie aber nicht auf die Idee sich auf den Gummiboden zu legen.

Die Tränken befinden sich in den Passagen zwischen den Laufgängen, die meiner Meinung nach viel zu eng sind, wo man jedoch drüber weg sehen kann, wenn man weiß, dass der Stall nur wenige Monate genutzt wird. Im hiesigen Low-Cost-System wird der Stallplatz eben so knapp wie möglich bemessen. Der Stall lässt sich beliebig in verschiedene Areale einteilen, so dass wir in den nächsten Tagen die trocken gestellten Kühe von den noch melkenden Kühen separieren können. Auf der Ostseite des Stalls grenzt der Wartebereich des Melkhauses an, von dem die Kühe die restliche Zeit des Jahres zu den Gras-Paddocks gelangen. Auf der Westseite des Stalls schließt sich das Fahrsilo an (30 x 25 m, ca. 1000 Tonnen). Dort wurde am 28. Mai diesen Jahres der erste Grasschnitt einsiliert (22 – 24kg TM). Die entsprechenden Paddocks wurden vorher einmal beweidet.

Mit dem Aufstallen haben sich nicht nur unsere Arbeitsabläufe komplett verändert. Ausgehend vom Graslandsystem, welches ich hier die ersten drei Monate kennen gelernt habe, betrachte ich die Stallhaltung nun aus einem völlig anderen Blickwinkel und habe meine bisherige Meinung gründlich überdenken müssen. Aber darüber werde ich im nächsten Bericht schreiben …