Das große Herausputzen für den Holstein-Club

Um für das Meeting des Holstein-Clubs Brantford alles wie geplant fertig zu bekommen, mussten wir am Mittwoch und am Donnerstagmorgen einen regelrechten Endspurt hinlegen. Gegen Mittag konnte Mike das Scheren der Euter beenden, mit dem letzten Körper habe ich auch etwa zeitgleich abschließen können. Danach habe ich mich wieder mit dem Säubern der Schwänze beschäftigt.

Obwohl die Arbeit an sich grundsätzlich sehr ermüdend ist und mir nach fast täglicher Wiederholung in den letzten 2 Wochen eigentlich die Motivation dazu fehlen müsste, gibt es für mich immer einen Ansporn, der sowohl diesen als auch die meisten anderen Arbeitsvorgänge in der Landwirtschaft ausmachen: Von Allem, was man im Laufe des Tages oder Jahres erledigt hat, sieht man am Ende immer irgendwo das Ergebnis, egal ob man nach dem Melken die Milch im Tank sieht, nach einer Erntesaison das Futter im Trog oder, jetzt in diesem Fall, nach tag-täglicher Arbeit einen ganzen Stall voll mit Kühen, die aufgrund des Scherens ein schimmerndes Fell haben und deren Schwänze so weiß und leicht wie schon seit langem nicht mehr sind.

Nachdem Steve seine Stallarbeit in Paris erledigt hatte, kam auch er zur „Home-Farm“, um bei den letzten Vorbereitungen für den nächsten Tag mitzuhelfen. Damit nicht nur die Kühe, sondern auch die Stallwände glänzen, wurden dann sowohl diese als auch die Milchleitungen mit dem Hochdruckreiniger von Staub und Spinnenweben der letzten Monate befreit. Das ging sehr viel schneller, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich pendelte währenddessen zwischen wieder dreckig gewordenen Schwänzen, ins Gatter zu kratzendem Kot und dem Milchhaus hin und her.

Im Milchhaus, bestehend aus Tankraum, Büro und Technikraum, half ich Louie beim Aufräumen. Hier sollten die Besucher am nächsten Tag mit Kaffee und Donuts begrüßt werden. Auch bei Louie´s Bruder Gord kam so langsam der Zeitdruck, in der vollgepackten Maschinenhalle bzw. Werkstatt sollte in nicht einmal 24 Stunden eine Versammlung gehalten werden. Er arbeitete also, zusammen mit seiner Tochter, in dem Nebengebäude und fuhr eine Ladung nach der anderen, größtenteils voll mit Schrott oder in die Jahre gekommener Dinge, aus der Halle um dort Platz zu schaffen.

Der Nachmittag verging wie im Fluge und die Kühe auf allen 3 Farmen, also in St. George, Paris und zuhause, waren schon bereit für die Abendmelkung. 
Nach der Stallarbeit setzte ich mich dann mit Mike zusammen vor dem Computer, um anhand der Daten von Holstein Canada die Abstammung der Kühe auf den Pedigree- Karten zu vervollständigen. Hierbei haben wir uns fast nur auf die Klassifizierung der Mutter sowie der nächsten Generationen konzentriert. Hinter dem Namen der Mutter platzierte ich ihre Einstufung falls diese VG oder EX war. Bei mehreren Generationen in Folge notierte ich dann auch „5th Generation VG or EX“ oder „Next 3 Dams VG“. Bei Bling Bling habe ich zum Beispiel „3rd Dam Rainyridge Tony Beauty“ unter dem Namen ihrer Mutter hinzugefügt. Diese Kuh ist in Züchterkreisen weit bekannt, da sie 1999 Supreme Champion der World Dairy Expo wurde.

Am Donnerstagmorgen begann ich schon während des Melkens damit, einige Kühe zu Putzen. Direkt nach der Stallarbeit half mir Mike beim Aufhängen der Karten, ich fegte noch einmal den Laufgang und der Boden des Eingangs zum Stall wurde mit Sägemehl bedeckt. Nick streute in dieser Zeit die Ställe und Kälberhütten ein. Seine Brüder bürsteten alle Tiere mit einem Besen ab und ich kümmerte mich wieder um die Schwänze der Kühe (vor allem die der Switch-Gruppe, diese stehen nur halbtägig in Anbindung und sind ansonsten im Strohstall untergebracht). Wir hätten wohl alle noch einige Stunden mehr gebrauchen können, pünktlich um 10:30 Uhr kamen jedoch die ersten Autos auf den Hof gefahren.

Nachdem wir uns in Windeseile umgezogen hatten, genossen wir erst einmal in Ruhe unser Frühstück. Bis zum Mittag konnten Louie und Gord dann etwa 50 Landwirte auf dem Hof begrüßen. Im Anschluss an das Essen wurde eine Versammlung abgehalten, mit Wahlen, der Finanzsituation, Jahresrückblicken und Vorschauen.

Und jetzt? Erst einmal wird es ruhiger, alle längst fällig gewordenen Aufgaben sind für das Meeting erledigt worden und Arbeit im Freien ist kaum vorhanden und bei dem ganzen Regen auch eher zu vermeiden. Die Temperaturen liegen im Moment deutlich höher als im alljährlichen Durchschnitt, bei 5-8 Grad Anfang Dezember und Schneeregen, Regen- und Sonnentagen im Wechsel ist das Wetter eher untypisch. Für die nächsten Tage ist zum Glück wieder sonniges Wetter um die 2 Grad vorhergesagt. Die Tendenz ist also eher fallend und mit viel Daumendrücken bekomme ich ja vielleicht doch noch ein paar cm Schnee in meinen letzten 2 Wochen in Kanada.