Unverständliches Ergebnis bei The Royal Agricultural Winter Fair

In meinem Auslandspraktikum in Kanada fand vom 3. – 14. November in Toronto The Royal Agricultural Winter Fair statt. Diese Show ist nach der World Dairy Expo in Madison/USA die zweitgrößte Schau der Welt. Am Donnerstagmorgen fuhren wir nach Toronto, diese Großstadt liegt etwa 100 km nordöstlich von unserem Betrieb auf dem ich mein Auslandspraktikum gemacht habe. Bei der Royal angekommen, richteten wir uns erst einmal für die Nacht ein. Währenddessen haben Steve und Mike unsere 3-jährige rotbunte Red-Marker-Tochter Dottie für den Ring (Junior 3-year-old) vorbereitet. Neben dem Errichten einer Topline wurde mit einigen Hilfsmitteln die Durchblutung des Euters gefördert. Zeitgleich versuchten sie, mit einem Eisblock das Euter zu kühlen und die Schwellung am Zentralband zu verringern. Als wir dann schon den Aufruf für die Senior-3-year-olds hörten, wurde es höchste Zeit, zum Ring zu gehen.

Dottie´s Klasse war schon fast komplett gerichtet und ihr wurde dank ihrer Verspätung kaum noch Beachtung geschenkt. Die Begründung für den 4. und damit leider auch letzten Platz war dann dennoch nicht für alle verständlich: Die Drittplatzierte soll ein besseres Vordereuter gehabt haben. Schon beim Betrachten der Kühe fällt auf, dass die Aufhängung des Euters der dritten Kuh jedoch sehr viel loser ist als die von unserer Kuh. Wer danach dann noch die Bewertungen der vorangegangenen Klassifizierung nachliest, wird die Begründung wohl noch weniger nachvollziehen können: Platz 1-3 haben 7 Punkte, Dottie hatte 9 Punkte. Bei allem Hätte/Wäre/Wenn gilt jedoch immer nur eins; die Entscheidung des Preisrichters ist am Ende das, was zählt. Dann wird es halt im nächsten Jahr noch einmal versucht, am besten aber etwas pünktlicher 😉 Immerhin bekamen wir ein Ribbon für den 4. Platz und vor allem mein Chef ist stolz darauf, eine selbstgezüchtete und in seinem Besitz stehende Kuh auf der Royal präsentiert zu haben!

Der Grand Champion der Internationalen Red & White Show war Blondin Redman Seisme. Diese starke Rotbunte ist vielen schon durch ihren Grand Champion und Supreme Champion Titel bei der WDE 2010 bekannt. Bei der diesjährigen World Dairy Expo konnte Seisme leider nicht teilnehmen, da sie erst im September gekalbt und noch dazu Zwillinge bekommen hatte.
Am Nachmittag war dann unsere Lora an der Reihe. Auch sie blieb bei einer 32- Junior- Kälber starken Konkurrenz chancenlos und erzielte mit dem 28. Platz immerhin nicht den letzten Rang.
Dass The Royal weltweit bekannt ist und dementsprechend viele internationale Gäste bekommt, konnte ich schon nach dem ersten Tag feststellen. Und genau das macht eine Kuh-Schau neben dem Betrachten von Ausnahme- Tieren auch so interessant. Es kommt nicht darauf an, welche Sprache man spricht, wo man herkommt oder wie man aussieht. Der Bezug zur Zucht und der Landwirtschaft ist als größte Verbindung immer vorhanden. Ich habe dort sowohl einige schon vorher bekannte Gesichter gesehen als auch viele Andere, zum Teil sogar aus dem eigenen oder angrenzenden Zuchtgebieten, die man mit der Zeit ganz einfach kennenlernt.

Die internationale Holsteinshow am Freitag fand im Gegensatz zu den Shows der anderen Rassen in der großen Hockey-Arena statt. Das erinnerte mich sehr an Madison. Nicht nur das Ambiente, auch die Qualität der Kühe war wieder einmal beeindruckend. Viele Kühe, die sich in den vergangenen Jahren vor allem in Madison und bei der Royal einen Namen gemacht haben, präsentierten sich auch in diesem Jahr Toronto: Missy, Pasta, Seisme und Leah sind nur einige der mir noch bekannten Namen. Eastside Lewisdale Gold Missy konnte sich mit ihrem Aussehen schon bei der WDE als Grand Champion Holstein & Supreme Champion klar durchsetzen.

Einen ersten Schritt in dieselbe Richtung ging sie in der Klasse 5-Jährigen. Diese gewann die Beautyqueen ohne Kompromisse. Schon wenig später kam es zur Wahl des Grand Champions der Rasse Holstein Frisian. Hier ließ sie sich ebenfalls nicht von ihrem Triumph- Zug abbringen und wurde feierlich zum Grand Champion gekürt.

Etwas ungeplant bin ich dann noch einen Tag länger in den Ställen der Royal geblieben um nach der Jersey-Show am Samstagmorgen auch noch die für 14 Uhr angesetzte Wahl zum Supreme Champion mitzuerleben. Die Atmosphäre war dann leider etwas enttäuschend. Da im großen Ring wieder eine Pferde-Show stattfinden sollte, wurde die Supreme Champion- Wahl in dem kleineren Showring durchgeführt, ohne Musik und ohne Lichteffekte. Obwohl Missys Euter nicht gefüllt war, wurde sie dann zum 2. Mal in 5 Wochen Supreme Champion. Dieser Doppel- Sieg ist die größte Auszeichnung für eine Kuh, die sie innerhalb einer Schausaison erreichen kann. Reserve Supreme Champion ist Blondin Redman Seisme. Durch die diesjährigen großen Erfolge von Missy ist sie seit ihrem Sieg in der vergangenen Woche nicht mehr „nur“ 1 Millionen Dollar wert, sondern konnte ihren Wert sogar auf 1,2 Millionen Dollar (von 722.000€ auf ca. 867.000€) steigern.

Auch diese Woche fand wieder einen wundervollen Abschluss: Am Sonntag fuhren meine Gasteltern mit mir zu den Niagara Fällen. Diese gehören zu den größten Naturwundern der Welt und sind nur etwa 1,5 Stunden von meinem Betrieb entfernt. Der Anblick dieser Wasserfälle ist einfach faszinierend, auch wenn das Wetter leider nicht sehr gut war. Am Abend ist es noch wunderschöner geworden, da die Fälle im Winter bei Dunkelheit beleuchtet werden und überall kleine Leuchtfiguren aufgebaut sind. Der Spaziergang durch den beleuchteten Park mit anschließendem Dinner hat dann auch diesen Tag abgeschlossen und wird mir wohl als einer meiner schönsten Tage hier in Kanada in Erinnerung bleiben.