Die Weidesaison neigt sich dem Ende zu

Auch wenn wir die letzten Tage recht gutes Wetter hatten mit viel Sonnenschein, häufen sich doch die typischen Herbsttage mit Regen, Wind und Sturmböen. Aber anders als in Deutschland sackt das Barometer deshalb nicht gleich in den Keller. Auf Grund des milden Klimas haben wir hier im Schnitt immer um die 12 C°. Dies ist einerseits natürlich sehr gut, da die Vegetation also noch nicht gestoppt ist und immer noch Gras nach wächst und die Landschaft hier im Gegensatz zu Deutschland immer noch sattgrün leuchtet. Andererseits können die Kühe aufgrund des zunehmenden Regens und des feuchten Bodens nicht mehr auf allen Paddocks weiden was den Betriebsleiter in Sachen Graslandmanagement ziemlich ins Schwitzen bringt.

Ziel ist es, alle Paddocks bis Mitte November „zuende zu grasen“ und die Farm „zu schließen“ wie die Iren das hier nennen, sprich: Die Grünlandsaison zu beenden und die Tiere einzustallen. Je nach Wetterlage muss eventuell auch schon früher aufgestallt werden. So mussten wir die Herde auch bereits zweimal über Nacht im Stall lassen, da der Paddockboden einfach zu nass war und die Kühe sonst beim Weiden die Grasnarbe zerstört hätten. Die kommenden Tage, wenn die Herde teils noch draußen in den Paddocks und teils im Stall ist, werden sehr arbeitsintensiv sein, da man sowohl die anfallenden Arbeiten im Paddock erledigen muss (wie bspw. Zäune ziehen, Kühe treiben – nun übrigens im Dunkeln!) gleichzeitig aber auch alle Stallarbeiten (wie Füttern, Liegeboxen reinigen etc.) unter einen Hut kriegen muss. Angestrebt wird jedoch jeden Tag, den die Kühe noch draußen auf den Paddocks verbringen können, voll auszunutzen. Erstens weil die Farm wie gesagt dieses Jahr auf Grund der guten Wetterbedingungen im Frühjahr und Sommer noch zu viel Gras in den Paddocks stehen hat und zweitens weil ab dem Zeitpunkt der Silagefütterung der Fett und Proteingehalt in der Milch sofort schlagartig abfällt, was den Milchauszahlungspreis negativ beeinflusst.

Die in diesem Bericht angehangenen Bilder von glücklichen, irischen Weidekühen (die sich sogar im Tiefschlaf fotografieren lassen 😉 könnten also die Letzten sein für dieses Jahr. Je nach Wetterlage werden wir wie gesagt bald konstant die Kühe im Stall halten müssen. Derzeit sieht es ja wettermäßig ganz gut aus – zu gut für unseren Plan die Weidesaison Mitte November beenden zu können. Ich bin gespannt, ob wir unser Ziel in zwei Wochen erreichen. Und wenn nicht, wie wir das regeln werden, wenn wir dann immer noch zu viel Gras in den Paddocks stehen haben. Der irische Wettergott kann einem nämlich von ein auf die andere Minute einen gehörigen Strich durch alle ausgefeilten Weidepläne machen. Aber das ist auch ein Teil der Herausforderung im hiesigen System mit den täglich ändernden Wetterbedingungen bestmöglich klar zu kommen. Und wenn nicht die Iren mit Regen klar kommen, wer dann? Die nächsten Tage werden entscheiden wie es weiter geht …