Schauwoche gewährt Einblicke in andere Betriebe der Region

In dieser Woche findet das Finale der Schausaison, „The Royal Agricultural Winter Fair“, in Toronto statt. Im Rahmen dieser Schauwoche kommen Touristen-Gruppen aus der ganzen Welt, um sowohl einige Betriebe in Ontario zu besichtigen als auch die Show mitzuverfolgen.
 Erst in der letzten Woche habe ich einen anderen deutschen Praktikanten kennengelernt, der etwa 30 km von meinem Betrieb entfernt in Woodstock im County Oxford auf einer Farm arbeitet.

Zufällig sind auch einige Landwirte aus seinem Zuchtgebiet für die „royale Woche“ nach Kanada geflogen. Da ihre Route durch die Countys Brantford und Oxford führt, haben wir uns kurzfristig für einen Tag ihrer Gruppe angeschlossen. Nach all den Wochen ohne richtigen Kontakt zu Leuten aus der Heimat war es erst einmal eine große Umstellung, wieder fließend deutsch zu sprechen. Heraus kam am Anfang meist ein Denglisch, da es einfach leichter war, einige Fragen zu dem Land und der hiesigen Landwirtschaft in der mittlerweile zur Selbstverständlichkeit gewordenen englischen Sprache zu beantworten 😉

Am Dienstagmorgen haben wir uns also auf der ersten Farm, Smithden Holsteins, mit der deutschen Reisegruppe getroffen. In dem Stall werden 95 Kühe sowohl in Anbindung als auch im Boxenlaufstall gehalten. In Anbindung und mit Kuh-Tafeln versehen sind die besseren Kühe mit hohen Zuchtwerten, Einstufungen und wertvoller Genetik. Unter anderen kommt aus dieser Zucht auch der Bulle Aaron. Der Züchter hat schon drei Töchter dieses Vererbers als Färsen in seiner Herde. Eine dieser wurde mit VG 86 als 2-jährige eingestuft und zeigt damit schon, wie wertvoll die Genetik ihres Vaters für die Zukunft sein könnte. Auf meinem Betrieb haben wir auch schon eine seiner Töchter in Milch, vor zwei Wochen eingestuft mit VG.

Auch der bekannte Admiral stammt von dieser Zuchtstätte, seine Mutter steht selbst noch auf diesem Betrieb. 
Der nächste Betrieb gab uns einen sehr guten Einblick in die Arbeit mit vollautomatisierter Technik. Insgesamt sechs Melkroboter, zwei Spaltenschieber und ein Futteranschieber arbeiten hier jeden Tag in einem ruhigen, gleichbleibenden Rhythmus. Diese Farm ist mit ihren 320 Kühen zurzeit die größte Roboter-Herde in der ganzen Provinz Ontario.

Auch die darauf folgenden vier Betriebe waren alle sehr sehenswert. Die Züchter gaben uns einen Einblick in ihre Herden, ihre züchterischen Erfolge und ihr Aufstallungssystem. Der interessante und lange Tag endete sehr viel später als geplant um 19 Uhr. Bei dichtem Nebel wurde die fast 2- stündige Rückfahrt zu einem kleinen Abenteuer. Nur mit einer Karte ausgestattet war es echt keine leichte Aufgabe, in diesem fremden Land sowohl die Straßenschilder zu suchen als auch den Streifen auf dem Boden zu folgen.

Die Fahrt zur ROYAL ist für Donnerstagmorgen geplant. Einer der Söhne meines Chefs ist schon am Montag mit unserem Baby-Kalb und einer 3-Jährigen rotbunten Redmarker-Tochter zu dem Show-Gelände gefahren. Wir werden dann die Nacht bei den Tieren im Stroh verbringen und nach der Holstein-Show am Freitag wieder den Rückweg antreten. Ich bin wirklich gespannt auf die Erlebnisse in diesen Tagen und werde davon auf jeden Fall in meinem nächsten Bericht ausführlich berichten.
In der letzten Woche habe ich übrigens schon einen kleinen Vorgeschmack auf Toronto bekommen. Zusammen mit meiner Gastmutter und einigen Freunden haben wir am Samstag den CN-Tower besichtigt. Dieser war jahrelang der höchste begehbare Turm der Welt. In 447 Metern Höhe war der Ausblick einfach überwältigend, nicht zuletzt da das Wetter mit strahlendem Sonnenschein den Tag perfekt machte.