World Dairy Expo Teil 2: Die großen Namen hautnah

Eines der ersten Dinge, die wir gemacht haben: Die internationale Registrierung. Das rote Fähnchen, als Anstecker am Shirt angebracht und mit dem Namen des jeweiligen Heimatlandes versehen, erlaubte uns den Zugang zur internationalen Lounge. Neben mehreren Eingängen zur Arena stellten sich hauptsächlich Zuchtverbände und -unternehmen vor, die weltweit vertreten und bekannt sind.

Das Beste an diesem Bereich war für mich, dass ich dort auch einige Gesichter aus Deutschland wiedererkannte und die Gäste aus aller Welt bestens mit kostenlosen Snacks, Kaffee und Kaltgetränken versorgt wurden! Bevor wir zum Mittagessen gingen, schauten wir der internationalen Brown-Swiss-Show zu. Die Arena war atemberaubend. Ich wusste zwar aus Erzählungen, dass sie groß sei, aber das übertraf meine Vorstellungen vollkommen! Der Ring war in diesem Jahr mit lila-gefärbten Sägespänen gebettet, was die ganze Atmosphäre in Kombination mit den Stellwänden und den schwarzen Vorhängen einfach perfekt machte und der Show ihren würdigen Rahmen gab.

Nach der Wahl des Grand Champions schauten Jennifer und ich uns in Ruhe die Ausstellungsbereiche an. Im Gegensatz zu der Farm-Show in Woodstock, die mit der Agritechnika vergleichbar war, ist die Ausstellung in Madison nach dem gleichen Schema wie die EURO-Tier aufgebaut. Einige Zeit später hatten wir nicht nur allerlei Prospekte in den Tragetaschen, sondern auch unsere Errungenschaften von einer ausgedehnten Souvenier-Shopping-Tour 🙂

Am Abend sahen wir uns, wieder zu dritt, die Kühe in den Stallgassen an. Es war ein komisches, aber wirklich gutes Gefühl, so nah an all den Show-Größen und größtenteils excellenten Tieren vorbei zu laufen. Kühe, die ich vorher in Katalogen gesehen hatte und schon auf dem Papier super aussahen, waren „live“ und in voller Größe einfach faszinierend. Meine Favoriten und wohl die bekanntesten Damen waren: Hazel, Hezbollah, Missy, Pasta und Lotto.

Vor allem Lotto, die mit EX 95 die am höchsten eingestufte Goldwyn- Tochter ist, Siegerin der Royal, All- American und All- Canadian sowie 2.- Platzierte in ihrer Klasse bei der World Dairy Expo 2010. Und, was es vor allem für mich und meine Gastfamilie interessant machte, die Voll-Schwester zu Lora. Lora hat ja, wie in den letzten Berichten schon beschrieben, 2 Klassensiege, einen 2. Platz und den Reservesieg Junior auf Kreis-Tierschauen erreicht. Allem Anschein nach tritt sie also ganz in die Fußstapfen ihrer großen Schwester.

Zurück zu den Ställen der Expo, denn dort kamen wir genau zum richtigen Zeitpunkt an: Kurz nachdem wir an Hezbollah vorbei liefen, hieß es für sie „Tail-Time“. Sie hat also doch einen kleinen Schönheitsfehler, welcher im Ring jedoch keinem mehr auffallen sollte: Der Schwanz dieser Berühmtheit endet etwa in Höhe vom Beginn des Hintereuters. Die Kuh wurde dann, begleitet von 4 Betreuern, raus aus dem Stall und in die Dunkelheit gebracht, um ihr Aussehen perfekt zu machen.

Am Freitag hatten wir es nicht sehr eilig, zum Expo-Gelände zu kommen. Die internationale Red & White Show startete zwar schon um 7 Uhr, wir wollten uns jedoch nur die älteren Klassen anschauen. „Eine Kuh“ trat gleich 5 mal in den Ring. Khw Regiment Apple-Red-ET, Apple 2, Apple 3, Apple A und Apple A2. Was sich zuerst verwirrend anhört, lässt sich ganz einfach erklären: Die berühmte und „originale“ Apple (03.05.2004) hat ihren Besitzern, Apple Partners, schon viele Titel erbracht. Um nicht nur gute Töchter oder Voll- Schwestern durch Embryo-Transfere von ihr zu bekommen, wurde sie mehrmals geklont. Apple A (25.09.2010) und Apple A2 (03.12.2010) waren schon am Vorabend als Rinder im Ring, Apple 2 (02.12.2007) und Apple 3 (04.03.2009) sind die beiden milchgebenden Klone. Apple 2 erreichte in ihrer Klasse nur Platz 18. Apple 3 wurde 1. in ihrer Klasse, Intermediate Champion und verpasste im Finalen Ring zum Grand Champion mit dem 3. Platz nur knapp den „großen“ Titel. Diesen bekam dafür Apple, das Original.

Dass sich im letzten Ring also ein wahnsinniges Bild bot, lässt sich leicht erahnen. Die Augen der Zuschauer und vor allem der Preisrichter waren auf die sechs Besten der rotbunten Holsteins gerichtet, und davon waren zwei, abgesehen von dem unterschiedlichen Alter, vollkommen identisch.

Nach der Wahl zum Grand Champion und dem souveränen Sieg von Apple schlenderten wir durch die Ausstellungsbereiche, schauten am Nachmittag immer mal wieder in der Arena der Holsteinshow zu und gingen gegen 19 Uhr ins Ausstellungs- und Seminar- Gebäude zum internationalen Dinner. Das Essen war kostenlos und, mit zugegebenermaßen etwas zu lauter und derber Musik und vielen Reden, ließen wir es uns gut schmecken.