Wie entwickelt sich die Agrararbeitswelt in der Corona Pandemie?

Virtuelle Podiumsdiskussion mit Vertretern der Agrarbranche

„Hinter uns allen liegt ein besonderes Jahr, denn Corona hat viel verändert – auch die Agrararbeitswelt“

Mit diesen Worten leitet Patrick Otte, Redakteur des Wochenblattes für Landwirtschaft und Landleben die erstmalig digitale Podiumsdiskussion des „Agrarkarrieretag digital“ vom Wochenblatt und Karrero am 04. Februar 2021 ein. Zwar kam die Agrarbranche im Vergleich zu anderen Branchen glimpflich durch die Krise. Jedoch hinterlasse die Pandemie deutliche Spuren, so Otte.

Erfahrt in diesem Video von vier Experten aus der Agrarbranche, wie sich der Agrararbeitsmarkt verändert hat und zukünftig noch verändern wird. Welchen Einfluss hat die Pandemie hinsichtlich eurer beruflichen Einstiegsmöglichkeiten, aber auch auf bestimmte Berufsbilder? Welche neuen Herausforderungen gibt es und wird es für Studierende geben? Und wie wird sich das Arbeitsleben entwickeln?

Diese Referenten erwarten euch im Video:

  • Prof. Dr. Karin Schnitker, Professorin an der Fachhochschule Osnabrück für Unternehmensführung an der Fakultät für Agrarwirtschaft
  • Melanie Komossa, Leiterin für Recruiting bei der Agravis Raiffeisen AG
  • Christian Hüsing, Junior Berater der Dr. Schwerdtfeger Personalberatung in Emstek
  • Peter Spelthann, Berufseinsteiger bei Syngenta Seeds in Bad Salzuflen, tätig als Anbauberater für Deutschland, Belgien und die Niederlande

Findet jetzt Antworten auf eure Fragen in diesem Video!

Das Gespräch dauert etwa 60 Minuten.

Keine Zeit für das Video? Hier findet ihr alles auf einen Blick. Jedes Interview kurz zusammengefasst:

Peter SpelthannPeter Spelthann

Peter Spelthann

„Der Umgang mit digitalen Medien ist für mich intuitiv“

Für den 25-jährigen Berufseinsteiger Peter Spelthann, der im Oktober 2020 bei Syngenta Seeds angefangen hat, verlief der Berufseinstieg, während der Coronakrise völlig anders, als man es erwarten konnte. Das Bewerbungsverfahren habe zunächst normal mit einem Vorstellungsgespräch vor Ort begonnen, da dies die Lockerungen im Sommer 2020 zunächst erlaubten. Dann aber hätten sich die Herausforderungen für den Außendienstler, der seit Beginn seiner Anstellung im Home Office arbeitet, gezeigt. Denn der Einstieg erfolgte auf Distanz. So bestünde der Arbeitsalltag hauptsächlich aus Video-Konferenzen und nur wenigen Terminen vor Ort. Vor Ort hätten die besonderen Hygiene-Bedingungen wie Abstand und Maske jedoch nur bedingt Kontakt mit den neuen Kollegen zugelassen. Nicht verwunderlich sei es somit, dass auch die Einarbeitung außergewöhnlich ablief. „Vor allem der Anschluss an die Kollegen war schwieriger zu finden als unter normalen Bedingungen“, beschreibt es Peter Spelthann. Auf die Frage, wie sein Arbeitgeber seine Mitarbeiter im Home-Office anleite und das Arbeitspensum strukturiere, antwortete der Berater: „Auch hier gibt es klare Vorgaben, wie z.B. das digitale Ein- und Ausstempeln und gewisse Deadlines für Projektarbeiten. „Es ist also auch im Home-Office nachvollziehbar, wann, wieviel und woran der Mitarbeiter arbeitet“, so der Berufseinsteiger.

Die Umstellung auf eine ausschließlich digitale Arbeitsweise sei ihm allerdings nicht sonderlich schwergefallen. Bereits im Studium sei er darauf vorbereitet worden. Sei es das Lernen für Klausuren am Laptop oder das Anfertigen von Abschlussarbeiten gewesen. Für sich selbst und seine Generation sei der Umgang mit digitalen Medien mittlerweile intuitiv, stellt der 25-jährige Peter Spelthann fest.

Melanie KomossaMelanie Komossa

Melanie Komossa

„Digitale Skills sind heute stärker gefordert als vor der Krise“

„Stellentechnisch hat sich kaum etwas bei uns verändert“, stellt Melanie Komossa, Leiterin des Recruiting bei der Agravis Raiffeisen AG fest. Weiterhin würden Festanstellungen im Bereich Agrar gesucht, da dies das Kerngeschäft sei. Allerdings sei der Anspruch an Agrar-Kandidaten hinsichtlich ihrer digitalen Skills stärker geworden. Zudem ergäben sich neue Berufsbilder. So würde zum Beispiel aktuell eine Spezialistin für digitalen Vertrieb gesucht. Auch gäbe es neue Ansprüche an beispielsweise zukünftige Außendienstmitarbeiter hinsichtlich ihrer digitalen Affinität. „Man brauche heute Personal, das Lust hat, sich auf diese neue Welt einzustellen“, so die Personalerin.

Generell erfolge der Einstieg für neue Mitarbeiter unter besonderen Herausforderungen. Es gäbe gewisse Hemmungen seitens der neuen Mitarbeiter auf neue Kollegen zuzugehen, da die Kommunikation oft aus dem Home-Office erfolgt und der persönliche Kontakt vor Ort fehle. Das sogenannte „Socializing“ würde stark erschwert. Allerdings habe sich die Kommunikation zu Partnern außerhaus deutlich verbessert. Die Anreise mit dem Auto sei durch Video-Konferenzen ersetzt worden, was folglich den Aufwand enorm reduziert habe. „Früher bin ich z.B. für ein halbstündiges Gespräch, eineinhalb Stunden mit dem Auto angereist. Das geht heute viel effizienter“, so die Personalerin. Das sogar große Projekte digital abgewickelt werden können, beweise ein aktuelles Projekt mit ca. 300 Mitarbeitern, welches ausschließlich über Telefonkonferenzen organisiert würde. „Nichtsdestotrotz können Telefonkonferenzen natürlich nicht den persönlichen Kollegen ersetzen“, schildert Frau Komossa, sodass seitens der Mitarbeiter weiterhin der Wunsch nach persönlichem Kontakt im Büro bestehe.

Christian HuesingChristian Huesing

Christian Hüsing

„Es fehlt der obligatorische Händedruck“

Auf die Frage, wie sich der berufliche Einstieg im Agrarbereich verändert habe, gab Christian Hüsing, Personalberater der Dr. Schwerdtfeger Personalberatung eine präzise Antwort: „Von heute auf morgen wurden bei uns alle Vorstellungsgespräche digital abgehalten. Es fehlt aber das Zwischenmenschliche und der obligatorische Händedruck“. Daher empfehlt er, gerade den zweiten Bewerbungstermin auch persönlich vor Ort stattfinden zu lassen, um den Kandidaten besser kennenzulernen. „Natürlich unter Beachtung der gesetzlichen Hygiene-Bedingungen“, pflichtet er bei.

Generell stelle er fest, dass die Umstellung ins Home-Office bei vielen mittelständischen Unternehmen gut funktioniert habe. Überraschenderweise seien in der Agrarbranche trotz der Unsicherheit nicht weniger Nachwuchskräfte eingestellt worden als in den Jahren zuvor. Manche Agrarbereiche, wie die Landtechnik hätten zwar in ihrem Einstellungsverhalten vorsichtiger agiert. Andere Agrarbereiche, wie die Nutztierbranche hingegen zeigten kaum Veränderungen. Der Landschaftsgartenbau hingegen habe sogar wirtschaftlich von der Krise profitiert, da viele zuhause unter Lockdown Bedingungen ihre Gärten gestaltet hätten, pflichtet der junge Personalberater bei.

Auf die Frage, ob Kandidaten heute andere Unternehmen als vor der Pandemie präferieren würden, reagierte Christian Hüsing wie folgt: „Wir stellen fest, dass die Agrarbranche an Beliebtheit gewinnt. Es handelt sich um einen innovativen Arbeitsplatz bzw. Arbeitgeber und eine sich weiterentwickelnde Branche.“ Ob die Größe einen Einfluss auf die Bewerbungspräferenzen habe, konnte er nicht direkt beantworten. Allerdings stimmte er dem bei, dass der Mittelstand von Haus aus eine sichere Anlaufstelle sei und daher gerade in diesen Zeiten als Arbeitgeber beliebter geworden sei. Auf die Frage, wie sich die Arbeitsweisen in der Agrarbranche zukünftig verändern würde, hatte Christian Hüsing eine klare Antwort: „Das Rad der Digitalisierung ist deutlich vorangesprungen und der Trend zum Home-Office wird bleiben.

Prof Dr Karin SchnitkerProf Dr Karin Schnitker

Prof. Dr. Karin Schnitker

„Corona ist ein sehr großes Lernfeld und eine Chance für die Landwirtschaft“

„Zu Anfang gab es eine große Disruption“, mit diesen Worten formulierte Karin Schnittker, Professorin für Unternehmensführung an der Fakultät für Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Osnabrück, die Zeit zu Beginn der Corona Pandemie. Alle Professoren seien zunächst technisch für die digitale Arbeitsweise ausgestattet worden. Die Umstellung sei sehr aufwendig gewesen und die Arbeitsabläufe hätten sich deutlich verändert, schilderte die Professorin. Natürlich sei dies auch für die Studenten eine große Umstellung gewesen, da die digitale Interaktion erstmalig geübt werden musste. Auch habe es Schwierigkeiten mit der Internetverbindung im ländlichen Raum gegeben. Andere Herausforderungen seien die Hygienebestimmungen für die Prüfungsabläufe gewesen. Insgesamt seien die Studierenden bei den Entscheidungsprozessen miteinbezogen worden. Auf die Frage, ob im aktuellen Wintersemester schon Neuerungen umgesetzt werden konnten, reagierte die Professorin wie folgt: „Die Kommunikation unter Professoren und mit Studenten, aber auch der Umgang mit neuen Tools und Techniken ist deutlich besser geworden.

Frau Dr. Schnittker, die sich zudem stark für Start-Ups im grünen Bereich engagiert machte auch deutlich, dass es gerade bei diesen Unternehmensformen klare Gewinner und Verlierer der Corona Situation gäbe. Insbesondere Start-ups im Bereich der Gastronomie seien stark negativ betroffen. Während andere, die sich auf Digitalisierung spezialisierten, deutlich profitiert hätten.

Auf die Frage, ob sich die Agrarbranche nach der Corona Pandemie stark verändern wird, fand Frau Schnittker deutliche Worte: „Die Digitalisierung wird stark zunehmen.“ Der Bedarf an Kandidaten mit IT-Skills, aber auch mit Soft-Skills werde wachsen. Grund sei, dass die Digitalisierung mehr kommunikative Skills benötige. Man müsse zukünftig selbstorganisierter arbeiten und kollaborativer auf andere Disziplinen eingehen können. Soft Skills, wie Konfliktlösungsvermögen und das sich schnelle Eindenken in neue Sachverhalte sind mehr denn je gefragt, so die Professorin. Auch heute schon würden diese Skills an der Fachhochschule gefördert werden. So gäbe es bereits Führungsseminare oder Lehrgänge zu innerbetrieblicher Kommunikation, Konfliktmanagement und agilen Arbeitsweisen.

Professorin Schnittker kam insgesamt zu dem Fazit, dass Corona ein sehr großes Lernfeld sei und gleichwohl auch eine Chance berge. Insbesondere sei sie eine Chance für die Landwirte, sich zukünftig noch besser zu vernetzen – ohne großen Aufwand wie die Anreise auf sich nehmen zu müssen. Ihr Aufruf sei es, den Corona Einfluss auch positiv zu sehen und das Gute daraus mitzunehmen.

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