Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch – Lügen erlaubt?

„Wann haben Sie vor mit der Familienplanung zu starten?“ – Entschuldigung, bitte was?! Wie reagiert man als Bewerber auf solch eine Frage im Vorstellungsgespräch? Und wie gehe ich mit weiteren Fragen um, die über das berufliche hinausgehen? Lügen? Antwort verweigern? Oder einfach ehrlich sein und damit den möglichen Job riskieren? Erfahre hier, wie du seriös mit schwierigen und unzulässigen Fragen umgehst.

Vertuschen oder ehrlich antworten?

Sich um eine Stelle zu bewerben, ist fast immer mit großer Anspannung verbunden. Wenn man dann mit seinen Unterlagen auch noch überzeugen konnte, geht es meist rasch in die nächste Runde: das Vorstellungsgespräch. Bei der Vorbereitung auf das Gespräch denken viele nur daran, mit welchen Aussagen sie am meisten punkten können. Absolut legitim also, sich mögliche Fragen im Netz zusammenzusuchen. Aber ist es auch sinnvoll sich Floskeln zurecht zu legen und dabei ggf. ein Stück von der Wahrheit abzurücken? Und wie gehe ich mit den biographischen Lücken in meinem Lebenslauf um? Lieber vertuschen, was ich wirklich in dem halben Jahr gemacht habe oder ehrlich antworten?

Und dann gibt es da ja noch die Fragen, auf die es vermutlich keine richtigen Antworten gibt. Die Fragen nach: Familienplanung, Schwangerschaft, politischer Einstellung, gewerkschaftlichem Engagement, Krankheit oder privaten Schulden. Ja selbst die Frage nach dem Beruf des Lebenspartners hat keine „arbeitsbezogene“ Relevanz und ist damit unzulässig in einem Bewerbungsgespräch. Und dennoch finden sich immer wieder Personaler oder Geschäftsführer, die auch diese Fragen beantwortet haben wollen.

Zu jedem Topf gibt’s einen Deckel

Das Problem mit dem Lügen ist doch, dass die Antworten meist schön klingen und vielleicht zunächst auch einen positiven Effekt hervorrufen. Aber auf lange Sicht endet dies meist böse für die betroffene Person. Wie lange kann man schon eine Lüge aufrecht halten? Von diesem Grundsatz sind auch Bewerbungsgespräche nicht ausgenommen. Was nützt es also, sich mit falschen Qualitäten zu schmücken, über die man in Wahrheit gar nicht verfügt. Spätestens wenn der Arbeitgeber diese abrufen will, fliegt der Schwindel wohl oder übel auf und kann sehr peinlich für den Betroffenen werden. Ein zurückhaltender Charakter, der sich geschickt verstellt, kann vielleicht für eine kurze Zeit selbstbewusst, offen und führungsstark wirken, aber würde er in diesem Job langfristig glücklich? Bleibe also ehrlich in Bezug auf deine eigenen Stärken und Schwächen, wenn auch du einen passenden Einstieg finden möchtest. Auch wenn die Suche dann vielleicht etwas länger dauert.

Zurückhaltung empfohlen

Zwar ist es empfehlenswert, stets aufrichtig und ehrlich zu bleiben, doch wollen wir hier nicht ausschließen, dass es durchaus auch Situationen gibt, in denen man die Wahrheit besser zurückhalten sollte. Ein Beispiel: Bei Fragen zur Kündigung eines vorangegangen Arbeitgebers, sollte man von Schuldzuweisungen an dessen Adresse absehen. Selbst wenn einen tatsächlich keine Schuld trifft und der ehemalige Chef für die Entscheidung verantwortlich ist. Bleiben Sie besser professionell und antworten sachlich und diskret.

Auch biographische Lücken werden von Unternehmen lange nicht mehr so streng beurteilt. Ein leichtes frisieren der Wahrheit, wenn man ein halbes Jahr keine Bewerbung geschrieben, sondern nur bei Mutti auf dem Sofa gezockt hat, sei dem Bewerber an dieser Stelle mal gestattet. Sobald aber nicht durchgeführte Praktika, Jobs oder Lehrgänge die Durststrecke füllen, überspannt dies den Bogen des „Frisierens“.

Gelassen bleiben bei unzulässigen Fragen

Spannend wird es bei „unzulässigen“ Fragen, weil diese keine Relevanz im Einstellungsverfahren haben sollten. Wenn man unsicher ist, ob die Frage zulässig ist, sollte man kurz überlegen, ob dies für die angestrebte Position notwendig sein kann. Vielleicht will der Personaler Sie auch nur aus der Reserve locken und sehen wie sie unter Stress reagieren?! Eine solche Situation lässt sich häufig auch mit Spontanität, Schlagfertigkeit oder einer Gegenfrage lösen. Aber nicht jedem liegt es, in solchen Situationen cool und gelassen zu reagieren. Dem bleiben dann nur folgende drei Optionen:

1. Die Wahrheit: Je nachdem wie unangenehm die Frage oder die Antwort für den Beteiligten ist, kann man darüber hinwegsehen, dass die Frage unzulässig ist.
2. Eine (Not-) Lüge: Man kann aufgrund einer Lüge, bei einer unzulässig gestellten Frage nicht gekündigt werden.
3. Antwort verweigern: Den Gegenüber nett darauf hinweisen, dass diese Frage rechtlich unzulässig ist. Hat allerdings vermutlich zur Folge, dass man den Job nicht kriegen wird.

Egal welche Variante man wählt; es bleibt die Grundsatzfrage: Will ich für so ein Unternehmen tätig werden??

Fazit

Bewerber, die im Vorstellungsgespräch die Wahrheit sagen, bleiben im Gespräch viel entspannter und authentischer als die, die Lügen auftischen. Auch wenn der Bewerber letzten Endes nicht zur ausgeschriebenen Stelle passt, ist dies doch immer noch besser für beide Seiten, als eine Fehlbesetzung. Im besten Falle überzeugt man das Unternehmen mit seinem authentischen, aufrichtigen Charakter, sodass bei kommenden Vakanzen neue Optionen ausgelotet werden können.