Unglaubliches Melktempo in Neuseeland

Nach einer langen und anstrengenden 2-tägigen Reise mit Aufenthalten in Dubai, Bangkok und Sydney landete ich am Mittwoch mit etwas Verspätung in Christchurch. Dort wurde ich von der Partnerin eines Mitarbeiters der Farm abgeholt. Durch Georgie habe ich dann auch sofort schon einen kleinen Vorgeschmack auf den schon vorher angekündigten Akzent der Neuseeländer bekommen. Mit der Bitte, etwas langsamer zu sprechen, klappte es nach einigen Startproblemen doch noch ganz gut mit der Verständigung.

Bevor es endlich zum Betrieb ging, fuhren wir zum Supermarkt. Im Gegensatz zu meinen letzten Monaten in Kanada habe ich hier keinen Familienanschluss und muss selbst für die Verpflegung sorgen. Laut Georgie´s Aussage befanden wir uns in einem sehr günstigen Markt. Mit dem Wissen, meinen 140 Dollar- Einkauf dann in 5 kleine Taschen verstaut zu haben, wollte ich erst gar nicht daran denken, in einem „normalen“ Geschäft einkaufen zu gehen…

Beim Betrieb angekommen stellte ich dann als erstes fest, dass ein „Betrieb“ oder eine Hofstelle gar nicht vorhanden ist. Aber das beschreibe ich bald noch einmal ausführlich. Erst einmal war es an der Zeit, meine Mitbewohner kennen zu lernen, das Haus zu erkunden und in mein Zimmer einzuziehen. In Gesprächen mit JD (aus der Schweiz) und Marcello (aus Brasilien) habe ich schon erfahren können, dass neben den beiden noch zwei andere Brasilianer, ein Ehepaar von den Philippinen, ein Holländer und eine Studentin aus Neuseeland auf dem Betrieb angestellt sind.

Danach wurde es kompliziert: Marcello erklärte mir den Arbeitsplan (Raster). Zuerst muss man wissen, ob man für das alte (DAIRY 1) oder das neue Karussell (DAIRY 2) eingetragen ist. Im alten Außenmelker-Karussell (14 Jahre) mit 45 Plätzen werden eine 500er Herde, die lahmen Kühe sowie die Penicillin Kühe gemolken. Dafür stehen immer zwei Personen auf dem Plan. Für das neuere Karussell mit 60 Plätzen, ebenfalls ein Außenmelker, sind vier Personen eingeteilt. Zwei zum Herantreiben und Melken der ersten 600er Herde, die anderen zwei übernehmen dann nächste Schicht mit dem Beginn der zweiten Herde (ca. 650 Kühe). Außerdem ist dann auf dem Plan noch die Rede von CUPS ON und CUPS OFF. Der Mitarbeiter, der für CUPS ON (Melkzeuge anhängen) eingetragen ist, sorgt dafür, dass zum Melkbeginn (Dairy 1 startet morgens um 6 Uhr und nachmittags 15 Uhr, Dairy 2 beginnt um 5 bzw. 14 Uhr) die Maschine bereit steht. Der für CUPS OFF (Abnahme der Melkbecher und Einsprühen der Zitzen) eingeteilte Mitarbeiter fährt vor dem Melken mit dem Motorrad zur Weide und bringt die Herde in den Wartehof.

Das Raster gilt immer für 4 Wochen, die Namen der Mitarbeiter sind mit dem jeweiligen Kürzel (je 1. Buchstabe des Vor- und Nachnamen) eingetragen. Ich werde mich also in Zukunft immer unter BH auf dem Plan finden. Da mir die Orte, Zeiten und Tätigkeiten noch fremd waren, war ich nach allen Erklärungen leider mehr verwirrt als aufgeklärt. Fürs erste reichte es mir, zu wissen, wo ich am Donnerstagmorgen sein sollte. Einfachheitshalber holte mich einer der älteren Mitarbeiter um 6:30 Uhr von der Straße vor unserem Haus ab.
An meinem ersten Arbeitstag hat Roel mir gezeigt, auf welche Weise die Melkbecher am schnellsten angehängt werden. Am Anfang habe ich mir gedacht, dass das Melken ja eigentlich kein Problem sein sollte, schließlich bin ich damit schon aufgewachsen und habe dies jahrelang tagtäglich gemacht … Nach meiner ersten Melkschicht musste ich dann aber doch feststellen, dass sich das Karussell noch gewöhnungsbedürftig schnell dreht. Beim Gedanken daran, dass innerhalb von 90 Minuten eine komplette Herde, also 600 Kühe, gemolken werden, realisierte ich dann auch recht schnell, dass die Technik des Zitzenbecher- Ansetzens von großer Bedeutung ist!

Nach dem Melken war dann waschen und putzen angesagt. Nicht nur die Maschinen, sondern vor allem die Wände des Melkhauses und die Außenstangen des Karussells werden nach jedem Melken gesäubert. Für die Wände und Stangen werden alte Milchfilter als Putztücher wiederverwendet. Was sich im ersten Moment nach viel Arbeit anhört, lässt sich schon innerhalb von einigen Minuten erledigen. Nach dem Melken hat jeder Mitarbeiter eine Stunde Frühstückspause. Bis zum Mittag werden dann hauptsächlich Beregnungen versetzt, Unkraut gespritzt oder Disteln gehackt. Eine Stunde vor dem jeweiligen nächsten Melkbeginn kann die Mittagspause begonnen werden. Wenn dann auch die zweite Melkung der Kühe beendet wurde, ist im Normalfall um 17:30 Uhr der Arbeitstag beendet.

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