Die Abkalbesaison hat uns voll im Griff

Da meine Arbeitstage derzeit bis in den späten Abend gehen und wir uns in der arbeitsintensivsten Phase der Abkalbesaison befinden, war es mir leider nicht möglich früher von meinen Erlebnissen zu berichten. Auch wenn die Arbeitstage durch feste Melkzeiten nun stark strukturiert werden ist doch jeder Tag anders und bietet neue Herausforderungen.

Der Tag beginnt morgens um 7 Uhr mit einem Rundgang durch den Stall und dem Kälberhaus, in dem sich neben den Kälberboxen auch der Abkalbebereich befindet. Dieser wird täglich eingestreut und ist mit Videokameras ausgestattet. Dies ermöglicht eine Orts- und zeitunabhängige Geburtenüberwachung. Der Abkalbebereich kann durch Schwenktore in mehrere Einzelboxen unterteilt werden und ist mittig mit zwei Fixierungsständen ausgestattet. Auf der anderen Seite des Abkalbebereichs befinden sich die Kälberboxen, sowie die Kälber-Großgruppenbuchten und zwei separate Boxen für kranke oder schwer abkalbende Kühe. Das Kälberhaus befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Melkstand, so dass die abgekalbten Kühe zum Melken schnell verfügbar sind. Allerdings können die Kühe im Abkalbebereich nicht gefüttert werden und werden daher zweimal täglich zum Fressen runter in den Stall gelassen, was natürlich nicht optimal ist, aber auf Grund der derzeitigen baulichen Situation nicht anders zu lösen ist.

Nach dem Rundgang werden die Kalbinnen runter in den Stall zum Fressen gelassen, während parallel die melkenden Kühe in den Wartebereich vor den Melkstand getrieben werden. Während Tom und ich melken, reinigt der Farmarbeiter die Liegeboxen im Stall und füttert die verschiedenen Gruppen mit der entsprechenden Menge Kraftfutter und Mineralfutter. Derzeit haben wir 4 Gruppen, die nach folgenden Kategorien gebildet werden: Melkende, bald-Abkalbende, spät-Abkalbende und Kraftfutter-Gruppe. Bis auf die melkenden Kühe erhalten die trockenen Kühe täglich eine abgestimmte Menge Mineralfutter (150g pro Kuh) und Kraftfutter über die Silage.

Während die Tiere fressen kontrollieren wir Euter und Wirbelknochen auf Geburtsanzeichen. In Kombination mit den Besamungsdaten vom letzten Jahr und den Informationen vom Trächtigkeitsscan werden Kühe mit bald anstehendem Abkalbetermin in die Kalbinnengruppe umgestallt bzw. falls notwendig direkt in den Abkalbebereich gebracht. Nach dem Melken folgt wie immer die Reinigung des Melkanlage und des Melkstandes. Über das Melken, die Behandlung von Mastitis-Kühen und das Management der Milchkühe werde ich separat berichten.

Je nach Wetterlage gehen die melkenden Kühe dann tagsüber schon wieder raus auf die Weide. Ziel ist es die Kühe ab dem 1. Februar wieder draußen auf den Weiden zu haben, was natürlich auf Grund der Wetterabhängigkeit nur als grober Richtwert angesehen werden kann. Mit dem Start der Weidesaison beginnt dann auch wieder das Graslandmanagement, d.h. der Grasaufwuchs muss wöchentlich gemessen werden, die Paddocks entsprechend eingeteilt werden und gegebenenfalls gedüngt werden, was uns momentan etwas Kopfschmerzen bereitet, da wir eigentlich schon seit 2 Wochen Gülle ausfahren wollen. Sobald die absolute Arbeitsspitze der Abkalbesaison überwunden ist, werde ich wohl diesen Job übernehmen. Hierüber werde ich ebenfalls separat berichten.

Wenn alle Arbeiten rund um die Milchkühe erledigt sind folgt dann die Kälberfütterung. Im Kälberhaus stehen 10 Einzelboxen zur Verfügung, sowie vier Großgruppenboxen. In der Regel werden die Kälber wenige Stunden nach der Geburt von der Mutter getrennt und kommen in eine Einzelbox. Wenn ausreichend Kapazitäten vorhanden sind, werden die Kälber erst nach einer Woche in die Großgruppenbox umgestallt.

Da wir derzeit jedoch bis zu 6 Geburten pro Tag haben und dementsprechend Platzmangel herrscht, müssen Kälber auch teilweise schon nach vier Tagen die Einzelboxen verlassen. Welches Kalb in die Großgruppenbox umgestallt wird, machen wir davon abhängig wie gut es am Nuckeleimer trinkt, da die Kälber in den Gruppenboxen per Kälbertränkeautomat gefüttert werden. Wir starten mit 2 l Milch pro Kalb im Nuckeleimer und achten darauf, dass die jungen Kälber immer die Biestmilch ihrer Mutter bekommen. Kälber die nicht am Nuckeleimer trinken, werden gedrencht. Über die Kälberaufzucht werde ich nochmals ausführlicher berichten.

Anschließend werden die abkalbenden Kühe wieder vom Stall in den Abkalbebereich getrieben und auf Geburtsanzeichen kontrolliert. Während Tom mit dem Baggerlader die restlichen Tiere im Stall mit Silage versorgt, muss ich am anderen Ende der Stall die Färsen im Strohstall checken. Oberstes Ziel, sobald es die Wetterlage zulässt, ist es die Jungtiere so schnell wie möglich wieder auf die Weide zu lassen um Arbeitsaufwand und Futterkosten zu sparen. Wenn alle Routinearbeiten am morgen erledigt sind folgen dann über den Nachmittag verschiedene Arbeiten, wie bspw. Behandlung von Mastitis-Kühen, Entwurmen der abgekalbten Kühe, oder wie vorgestern die IBR-Impfung.

Am frühen Abend wiederholen sich dann die Arbeiten von morgens: Kühe melken, Liegeboxen reinigen, Tiere kontrollieren, Kälber füttern etc. Wenn wir ungefähr „Halbzeit“ haben, was die Abkalbungen angeht, werden unsere Arbeitstage wohl auch wieder etwas entspannter. Wir versuchen unser Bestes und bestimmte Routinen durch feste Melkzeiten einzuhalten, allerdings ist das bei sechs Geburten pro Tag nicht immer so einfach und dann darf nichts anderes mehr dazwischen kommen. Auf der anderen Seite sind die Tage derzeit so erlebnisreich, dass ich eine Menge lerne, worüber ich in den nächsten Wochen gerne berichten werde.