Strikter Arbeitsplan bei hunderten Kühen

Bei mittlerweile etwas sommerlicherem Wetter ist bei mir schnell der Arbeitsalltag eingekehrt. Nach anfänglich vielen Fragezeichen in meinem Gesicht sind nach und nach die meisten Arbeiten routinemäßig zu erledigen. Nun ist es auch etwas einfacher, meinen typischen Arbeitstag zu erklären und vor allem etwas genauer auf die einzelnen Tätigkeiten einzugehen.

In meinem letzten Bericht habe ich schon einiges von unserem Arbeitsplan erklärt und von variierenden Arbeitszeiten gesprochen. Obwohl auf dem Raster nur die Rede von den Aufgaben beim Melken ist, haben die einzelnen Personen noch weitere Dinge zu erledigen. Der Mitarbeiter zum Anhängen der Melkbecher muss rechtzeitig, etwa eine halbe Stunde vor Melkbeginn, am Melkhaus erscheinen und die nötigen Vorbereitungen treffen. Neben den typischen Aufgaben wie Milchfilter einsetzen, Milch- und Wasserpumpen einschalten und eventuell den Tank waschen muss 3 mal täglich ein Behälter mit Mineralien aufgefüllt werden. Dieses etwa 100 Liter große Fass dosiert automatisch eine kleine Menge dieser Mischung in das Trinkwasser der Kühe.

Vor der ersten Melkung sowie vor und nach der zweiten Melkzeit werden Magnesium, Zink, Kupfer, Selen, Jod und Bloat Oil (ein chemisches Öl, welches den Pansen pH- Wert neutralisiert) in unterschiedlichen Mengen und Kombinationen in das Fass geschüttet, mit Wasser aufgefüllt und vermischt. Wichtig ist vor allem, im Anschluss daran die Funktion der Pumpe bzw. die Zuleitung zur Wasserleitung zu überprüfen. Außerdem sollte man darauf achten, ob die Mineralien ungewöhnlich schnell verbraucht werden. Ursache hierfür kann entweder eine undichte Stelle in den Zuleitungen sein oder ein Tränkebecken in den Weiden, in dem der Schwimmer nicht mehr funktioniert und das Wasser somit überläuft.

Sind diese Punkte erledigt, hat „Cups On“ nur noch eine Aufgabe: je nach Herde müssen 600 oder 680 Kühe gemolken und dementsprechend die Maschinen angesetzt werden. Wobei morgens noch zwischenzeitlich Zeit zum Verschnaufen bleibt, ist dies nachmittags fast unmöglich. Aufgrund des geringen Abstands zwischen der ersten und zweiten Melkzeit produzieren die Kühe nachmittags nur etwa 1/3 der gesamten Milchmenge und die Plattform dreht sich demnach mit einer höheren Geschwindigkeit. Wöchentlich steigert sich zusätzlich noch das Melktempo, da die Kühe langsam dem Ende ihrer Laktation näher kommen. Dieser Leistungsnachlass beruht zurzeit zwar noch auf geringe Mengen, ist jedoch schon leicht spürbar. Die Zeit von 90 Minuten hat sich im großen Karussell sogar schon auf 75-80 Minuten reduziert. Nach dem Melken muss darüber hinaus noch für die Reinigung der Wände, Stangen und Laufwege gesorgt werden.

Der für „Cups off“ eingeplante Mitarbeiter hat wohl die größten Schwankungen in den Arbeitszeiten: Er muss vor dem planmäßigen Melkbeginn die Kühe von den Weiden holen und in den Wartehof treiben. Die Entfernungen und die dafür benötigte Zeit variieren aufgrund der Gesamtweidefläche von 570 ha sehr stark. Bevor die Kühe geholt werden können, muss abgeklärt werden, wo genau sie sich befinden und in welchen Paddock sie zurückgehen. Normalerweise wechselt die Herde ein Mal täglich das Feld, jedoch können vor allem das Wetter, der damit zusammenhängende Aufwuchs sowie das Fressverhalten der Kühe für Änderungen in dem System sorgen.

Wie die meisten Arbeiten auf dieser Farm wird auch das Holen der Kühe mit dem Motorrad erledigt. Auf dem Weg zum Feldeingang müssen alle Gatter, Zäune bzw. Seile am Rand des zu nutzenden Treibweges angebracht und geschlossen werden, um ein zeitraubendes Verlaufen der Kühe zu verhindern. Wieder beim Melkhaus angekommen, wird der Part „Cups off“ übernommen. Nach dem Melken ist diese Person dann für das Spülen der Anlage verantwortlich. Alle Vorgänge müssen manuell durchgeführt werden, da es hierfür leider keinen Knopf oder Schalter gibt, der dies automatisch erledigt.