Kälberhaus: Abkalbungen und Kälberaufzucht

Im folgenden Bericht möchte ich über die Kälberaufzucht und das Geburtsmanagement berichten. Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, nimmt das so genannte „Kälberhaus“ eine zentrale Rolle ein: Abkalbungen, Geburtsmanagement, Kälberaufzucht- und fütterung werden hier zentralisiert. Aus baulicher Sicht ist es recht einfach konstruiert (typischer Leichtbau) und da es nur zwei Monate im Jahr genutzt wird, soll es nicht mehr als seinen Zweck erfüllen.

Im Gegensatz zu Deutschland wird den Stallgebäuden generell wenig Aufmerksamkeit geschenkt, da sie im hiesigen Vollweidesystem nur wenige Monate im Jahr genutzt werden. Um Kosten zu sparen verfügen daher die meisten Gebäude nur über die notwendige Basis-Ausstattung ohne großen „Schnick-Schnack“.

Auch wenn die Stallgebäude einfach gehalten und oft schon sehr alt sind, sind sie doch logisch durchdacht und erfüllen in den Wintermonaten effizient ihre Aufgabe. So auch das Kälberhaus, welches in den 70er Jahren gebaut wurde und derzeit mein Hauptarbeitsplatz ist. Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, befinden sich hier der Abkalbebereich, der in separate Einzelboxen unterteilt werden kann, die 10 Kälber-Einzelboxen, sowie die Kälber-Großgruppenboxen und die zwei Krankenboxen. Da wir in den letzten zwei Wochen den Höhepunkt der saisonalen Abkalbung erreicht haben, befinden sich derzeit über 70 Kälber im Kälberhaus. Da wir langsam Platzmangel bekommen, wird Tom nächste oder übernächste Woche die ersten Bullenkälber verkaufen. Da jedoch in Irland auf Grund der saisonalen Abkalbung alle Bullenkälber fast zeitgleich auf den Markt kommen, wird sich das wohl im Auszahlungspreis wieder spiegeln. Um eventuell einen etwas besseren Preis am Markt erzielen zu können und um einer Milchüberlieferung entgegen zu wirken, geben wir derzeit auch den älteren Kälbern Milch über den Kälbertränkeautomat.

Die Arbeitsschritte rund um die Abkalbung unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in Deutschland. Täglich werden alle Kühe mit anstehendem Geburtstermin visuell auf Geburtsanzeichen kontrolliert und gegebenenfalls in den Abkalbebereich umgestallt. Dort werden sie bis zur Abkalbung mehrmals täglich überwacht und während der Nacht per Videokamera beobachtet. Die letzten Abkalbungen verliefen größtenteils problemlos und wir hatten nur wenige Zwischenfälle. Sobald eine Kuh beginnt zu kalben und wir gerade in der Nähe sind, kontrollieren wir, ob sich das Kalb in richtiger Position befindet, der Mutterleib weit genug ist und ob Kalb und Muttertier fit genug sind um die anstehende Geburt alleine zu bewältigen. Ist dies der Fall separieren wir die Kuh in eine Einzelbox am Ende des Kälberhauses, damit sie in Ruhe abkalben kann und beobachten die Geburt in regelmäßigen Abständen. Falls Anzeichen gegen eine alleinige Abkalbung sprechen holen wir das Kalb meistens mit dem Geburtshelfer auf die Welt.

Während ältere Kühe meistens (jedoch nicht immer!) problemlos abkalben, haben wir die Färsen unter besonderer Beobachtung. Da Tom die letzten Jahre neuseeländische Holsteinbullen einkreuzt, welche im Gegensatz zu deutschen oder holländischen Bullen optimal an die Weidehaltung angepasst sind, haben wir auch mit den Färsen fast keine Probleme. Über die Unterschiede zwischen den „normalen“ Holstein-Friesian und den neuseeländischen Kühen werde ich separat berichten.

Nach der Geburt wird der Nabelbereich des Kalbes mit Iod eingesprüht und sofort die nächstfolgende Ohrmarke eingezogen. Anschließend trägt Tom alle relevanten Informationen wie Datum, Geschlecht des Kalbes, Ohrmarken Nr. des Kalbes und der Mutter, sowie Bewertung des Geburtsverlaufes in sein Management-Handbuch ein und überträgt die Daten abends in das Herdenmanagementprogramm im PC. Wir beobachten, ob das Kalb die Biestmilch in den nächsten Stunden am Euter trinken wird, andernfalls drenchen wir etwas Biestmilch, die wir immer in der Milchküche vorrätig haben. In der Regel trennen wir Mutter und Kalb zum Zeitpunkt der übernächsten Melkung. Das Kalb kommt dann in eine der 10 Einzelboxen und wird fortan mit 2 l Milch am Nuckeleimer getränkt.

Die Mutterkuh wird die ersten Tage in den Eimer gemolken und steht unter besonderer Beobachtung: Mastitis, Milchfieber, Stoffwechselprobleme, Nachgeburtsverhaltung etc. sind nur einige Probleme die nun auftreten können. Wenn die Kuh soweit gesund und fit ist, wird sie nach dem Melken in die Herde integriert.

Da die Herde derzeit wieder tagsüber auf die Weide geht und wir die frisch abgekalbten Kühe dort nicht beobachten können, verbleiben diese für die ersten Tage post partum im Stall. Auffällige oder kranke Tiere werden zurück in die Krankenbox im Kälberhaus gebracht. Die frisch abgekalbten Kühe erhalten zudem einige Tage nach der Geburt eine Wurmkur, bevor sie wieder auf die Weide gehen. Während die Kuh dann ihre normale Laufbahn als Milchkuh einschlägt, wird das Kalb nach ein paar Tagen in der Einzelbox in die Großgruppe umgestallt. Alle weiblichen Kälber bleiben auf der Farm und werden aufgezogen, die Bullenkälber gehen wie bereits erwähnt in den nächsten Wochen in den Verkauf. Darüber und die weiteren Schritte der Kälberaufzucht berichte ich demnächst.