Das Weidesystem und Herdenmanagement

In meinem letzten Bericht habe ich schon angemerkt, dass die Treibzeiten von der Weide zum Wartehof je nach aktuellem Paddock sehr variieren. Die Hoffläche von 570 ha teilt sich auf 12 Blöcke auf, insgesamt sind 74 Einzelstücke vorhanden. Die einzelnen Blöcke sind mit einem Buchstaben versehen (A-L, P). Die Flächen jedes Blockes haben in etwa identische Größen, die zwischen 5 und 12 ha variieren, und sind mit dem entsprechenden Buchstaben und einer Zahl gekennzeichnet (A1, A2, A3… ).

Jede Herde hat ihren eigenen Bereich und wechselt einmal täglich in das nächste Feld. Die große Herde von Dairy 1 grast in den Bereichen A, B, C, D, E, I, J und L. Da den lahmen und Antibiotika- Kühen weite Laufwege erspart bleiben sollen, werden diese in den Paddocks am Karussell untergebracht. Dadurch haben die angeschlagenen Kühe nur einen kurzen Weg bis zum Melkhaus und müssen ihre Klauen dabei nicht zu sehr belasten. Die gesunden Kühe müssen bis zu 50 Minuten gehen, um zum Karussell zu gelangen.

Die Herden des neuen Karussells haben etwa die gleichen Treibzeiten (zwischen 10 und 55 Minuten). Auch hier hat jede Herde ihre eigenen Bereiche: Die Herde 1 ist in den Bereichen G und H sowie in einigen der Paddocks des alten Melkhauses unterwegs. Bei der zweiten Herde stellt sich eigentlich immer nur die Frage, in welchem Block- Abteil sie sich befindet, da im Regelfall der Block P das einzige Gebiet für diese Kuhgruppe ist. P ist mit 22 Einzelstücken á 7,91 ha der größte und unkomplizierteste Weidebereich. Zum Herantreiben der Kühe gibt es nur einen Hauptweg, an dem sich links und rechts die einzelnen Stücke aufreihen.

Zu Beginn war es sehr schwierig, alle Gespräche verfolgen zu können, weil sich fast alles um Blöcke, Raceways, Driveways, Waterways etc. drehte. Sobald man alle Flächenbezeichnungen und Treibwege kennengelernt hat, führt dies nach einiger Zeit nicht mehr zu Missverständnissen und lange Erklärungen sind kaum noch nötig.

Problematisch ist, dass mein Betrieb auf viele Fremdarbeitskräfte angewiesen ist und etwa die Hälfte hiervon ständig wechseln. Die 3 Manager sind dauerhaft angestellt, hinzu kommen dann noch die Praktikanten und Backpacker. Praktikanten kommen meist für 5-9 Monate, die Backpacker arbeiten bis zu 2 Monate auf der Farm. Um Komplikationen und Missverständnisse für das Treiben der Kühe und die anfallenden Arbeiten zu vermeiden, ist in jedem Wohnhaus sowie in jedem Gebäude eine Karte mit den einzelnen Paddocks, Flächenbezeichnungen und den Wegen aufgehängt. In den Melkhäusern sind außerdem noch andere wichtige Schilder angebracht.

Da die Ozonschicht über Neuseeland sehr dünn ist, besteht sowohl bei sonnigem als auch bewölktem Wetter die Gefahr, einen starken Sonnenbrand zu bekommen. Um dies zu vermeiden, sind einige Dinge aufgelistet, die niemals vergessen werden sollten: Eine Kappe/ Hut zum Schutz der Kopfhaut, Sonnenbrille und Kleidung sowie Sonnencreme mit mindestens LSV 30+. Letzteres ist in jedem Büro zur freien Verfügung vorhanden. Dass man tatsächlich auch bei wolkenverhangenem Himmel einen starken Sonnenbrand bekommen kann, habe ich sofort in den ersten Tagen schon feststellen können. Da man aus Fehlern zum Glück (meistens) schlauer wird, hatte ich die Sonnenstrahlen nach einiger Zeit halbwegs im Griff.

Vor einer Woche wurden alle Kühe und Rinder der Farm auf deren Trächtigkeitsstatus überprüft. Bei den Kühen wurde dies beim Melken durchgeführt. Dafür kam der Tierarzt und hat an der Cups-Off Seite auf einer Erhöhung stehend die Kühe untersucht. Dies ging recht unkompliziert und hat den Melkvorgang nicht wesentlich gestört. Mit seinem Ultraschallgerät konnte er innerhalb weniger Sekunden feststellen, ob eine Trächtigkeit vorhanden war und ob sich die Kuh in einem frühen oder späten Status befand (1. Besamung oder 2. Besamung). Die Untersuchung der Rinder war etwas zeitaufwändiger, da diese zuerst zusammengetrieben werden mussten und dann einzeln in einen Stand getrieben, festgestellt und anschließend untersucht wurden. Für die 450 Rinder haben wir etwa 2,5 Stunden benötigt.
Neuer Betrieb

Nachdem ich einige Tage Urlaub an der Ostküste genießen konnte, gehen jetzt die Arbeiten an der neuen Farm los. Etwa 16 Kilometer von der derzeitigen Hofstelle entfernt wird zurzeit ein Ackerbaubetrieb in einen Milchviehbetrieb umgebaut. Die Bauarbeiten zur Errichtung von 2 neuen 54er Karussells haben schon vor 2 Monaten begonnen. Neben den Melkhäusern müssen zudem noch einige alte Wohnhäuser renoviert sowie 2 neue Häuser errichtet werden. Mittlerweile sind schon einige Treib- und Fahrwege gestaltet worden, Rohre wurden verlegt und Beregnungen aufgebaut.

Seit einer Woche machen sich täglich 3 Mitarbeiter unserer Farm auf den Weg zur neuen Betriebsstelle. Dort werden dann zum Beispiel einige Zäune gesetzt und Wege gesäubert. Von den Entwicklungen an der neuen Farm werde ich zwischendurch immer in einigen Sätzen berichten. Am 1. Juni, also einige Tage vor meiner Abreise, werden alle Kühe über die Straßen getrieben und zur neuen Farm gebracht. Für diesen Umzug, der nicht nur die Kühe sondern auch alle Mitarbeiter betrifft, sind ungefähr 2 Tage eingeplant.