Dank dem irischen Wettergott

Aufgrund des sehr guten Wetters der letzten Wochen haben wir die Weidesaison offiziell eröffnet und die Milchkühe ausgestallt. Abhängig vom Grasaufwuchs, Bodenbeschaffenheit und Witterungsbedingungen werden die Paddocks nun wieder systematisch in Reihenfolge des Futterangebotes beweidet. Dabei werden kleine Paddocks meist nur einen Tag beweidet und die Herde wird nach der nächsten Melkung auf einen neuen Paddock geleitet. Größere Paddocks teilen wir mit Hilfe eines mobilen Weidezauns in kleinere Abschnitte ein, so dass wir je nach Futterangebot und -aufnahme den Zaun flexibel weiter stecken können.

Die Farm verfügt insgesamt über 60 ha Grünland, welches auf Grund einer öffentlichen Straße in zwei Areale getrennt wird. 40 ha befinden sich im direkten Anschluss an die Hofstelle mit Stall und Melkhaus und werden ausschließlich von den Milchkühen beweidet. Die restlichen 20 ha befinden sich etwas versetzt auf der anderen Seite der Straße und werden aufgrund der weiten Entfernung zur Hofstelle nur von den Kälbern und Färsen beweidet. Insgesamt verfügt die Farm über 29 Gras-Paddocks für die Milchkühe, welche durchschnittlich 1 bis 2 ha groß sind. Da die Hofstelle mit Melkhaus und Stallgebäuden auf der Spitze eines Hügels liegt, hat man von überall einen sehr guten Überblick über das Weideland, welches sich über 2 km erstreckt.

Wegen der Hanglage und der weiten Entfernungen zwischen den Paddocks und der Hofstelle ist das Quad unser wichtigstes Fortbewegungsmittel. Alle Paddocks sind an den zentralen Treibweg angeschlossen, welcher sich vom Melkhaus bis zum anderen Ende der Farm erstreckt wo sich der Strohstall für die Färsen befindet. Breit und massiv angelegt dient er als Hauptarbeitsweg auf der Farm und ermöglicht auch die Befahrung mit schweren Maschinen, was zu Zeiten der Silagewerbung von großer Bedeutung ist.

Alle Paddocks sind mit einem einfachen, aber stabilen Elektrodraht eingezäunt und verfügen über große Wassertränken. Als typisches, irisches Landschaftsbild verfügen viele Paddocks über Steinmauern oder Heckenwälle, welche vor der Einführung des Elektrozauns als natürliche Begrenzung der Paddocks dienten. Diese alten Hecken und Gebüsche dienen vielen Insekten, Vögeln und Pflanzen als schützender Lebensraum und verleihen der Landschaft einen einzigartigen Charakter. Da die Vegetationsperiode aufgrund des milden Klimas besonders lang ist, scheinen die Wiesen und Weiden ganzjährig im saftigen Grün und ermöglichen den irischen Landwirten kostengünstige Produktionsbedingungen.

Wie bereits in einem meiner ersten Berichte erwähnt orientieren sich diese an dem neuseeländischen Low-Cost-Prinzip: Ziel ist es, mit minimalem Input den maximalen Ertrag zu erreichen, was konkret bedeutet, dass die Milch ausschließlich aus der Weide produziert wird. Die Produktionskosten werden so niedrig wie möglich gehalten und die vorhandenen Graslandressourcen voll ausgeschöpft, damit keine zusätzlichen Futterkosten entstehen. Oberstes Ziel ist es, alle Tiere so lange wie möglich draußen auf den Weiden zu halten. Die Stallhaltung wird hierzulande eher als eine Art Kompromisslösung für die Wintermonate angesehen. So ist Tom derzeit überglücklich, dass wir die Milchkühe und die Färsen wegen des guten Wetters früh ausstallen konnten und nun die Weidesaison beginnt. Ob dieses Jahr ein gutes Weidejahr wird und ob die Iren genug „Gras wachsen können“ wie man hier sagt, hängt natürlich vom Wetter ab. Und da man das nicht voraussehen kann, blicken wir gespannt in die Zukunft.

Durch die extreme Wetterabhängigkeit stellt dieses System tagtäglich neue Herausforderungen an das Management eines erfolgsorientierten Milchviehbetriebes. Besonders jetzt, wo die Kühe frisch abgekalbt haben, das Wetter seine Frühlingskapriolen schlägt und das Gras richtig zu wachsen beginnt, darf man keine Fehler machen. Ein gutes Graslandmanagement mit Messungen des Grasaufwuchses und tägliches Beobachten der Wettersituation ist unabdingbar. Parallel haben wir immer noch über 20 trockene Kühe im Stall, die in nächster Zeit abkalben werden und natürlich über 80 Kälber im Kälberhaus. Und falls das Wetter ins Negative umschlagen sollte, kann es durchaus vorkommen, dass wir die Milchkühe für ein paar Tage im Stall lassen müssen, was arbeitstechnisch sehr aufwendig ist. Man muss seinen Blick derzeit also überall haben, um alles unter Kontrolle zu behalten. Ob wir diese Herausforderung meistern und ob es der irische Wettergott weiterhin so gut mit uns meint oder uns einen Strich durch unsere Managementpläne macht…. wir werden sehen.