Kaltbrand der Färsen und Verabreichung des Mineral-Bolus

Letzte Woche stand neben der BVD Impfung und Farbmarkierung der Milchkühe (worüber ich separat berichten werde) auch der Kaltbrand der Färsen auf der To-Do-Liste. Nach dem Melken bereiteten wir den Wartehof und den Behandlungsstand vor und trieben die Färsen vom anderen Ende der Farm über die öffentliche Straße, durch den Bach und den Hohlweg zur Hauptfarm. Dort angekommen ging es auch schon direkt los, da der für den Kaltbrand benötigte Stickstoff sich nicht verflüchtigen sollte.

Die Methode des Kaltbrandes ist in Irland weit verbreitet und wird auf nahezu jeder Rinderfarm angewendet. Dabei wird den Tieren meist auf der rechten Seite neben dem Schwanz die individuelle Ohrmarken-Nummer durch ein mit Stickstoff abgekühltes Eisen auf die zuvor geschorene Haut gebrannt. Durch diesen Vorgang werden die Pigmente in den Haarwurzeln zerstört, so dass an dieser Stelle zukünftig nur noch weiße Haare nachwachsen und das Brandzeichen sichtbar bleibt. Rinder mit weißem Fell können also mit dieser Methode nicht gekennzeichnet werden. Im Gegensatz zum Heißbrand soll der Kaltbrand völlig schmerzfrei für die Tiere sein. Allerdings kommt es auch hier auf die richtige Anwendung an. Wenn man die Eisenstäbe zu lange auf die Haut drückt kann das ähnlich einem heftigen Sonnenbrand starke Verbrennungen hervorrufen und dem Tier Schmerzen zufügen. Die betroffene Stelle soll zunächst mit Brandblasen reagieren und später pink erscheinen. Wichtig also, dass wir korrekt arbeiten und keine Fehler machen.

Da wir den Färsen in einem Arbeitsschritt auch die BVD-Impfung und einen Mineral-Bolus verabreichten, bekam jeder eine Aufgabe zugewiesen. Während der Farmarbeiter die Tiere in den Behandlungsstand trieb und der bestellte Spezialist den Kaltbrand durchführte, verabreichte ich den Mineral-Bolus und Tom anschließend die BVD-Impfung. Die Organisation der Arbeitsschritte erwies sich als sehr effizient und ich hatte die Gelegenheit zwischen meinen Arbeiten viele Fotos zu machen. Die Box mit den Brandstäben platzierten wir direkt neben dem Behandlungsstand. Nach zweimaliger Kontrolle der Ohrmarken-Nummer und dem Scheren der entsprechenden Fellstelle, wurden dann die Eisenstäbe mit der richtigen Ziffer aus der Stickstoff-Box gezogen und der jeweiligen Färse für einige Sekunden auf die Haut gepresst. Wichtig ist, dass das Tier dabei ruhig steht und die Stäbe nicht verrutschen.

Dauer und Pressdruck liegen dann im Gefühl des Anwenders, welcher diese Methode schon viele Jahre durchführt und dementsprechend geschult ist. Problematisch sind wie bereits erwähnt komplett weiße Tiere oder Tiere die am Gesäß nicht über großflächiges, schwarzes Fell verfügen. Nach der Anwendung konnte man die Einkerbung des Brandzeichens dann schon gut erkennen. Richtig sichtbar wird das Brandzeichen dann aber erst in 4 bis 6 Wochen sein, wenn an dieser Stelle das weiße Haar nachwächst.

Die Verabreichung des Mineral-Bolus war dagegen weniger spektakulär und dauerte nur wenige Sekunden. Jedes Tier bekam zwei verschiedene Boli, welche ich zuvor in den aufgezogenen Applikator gab. Während ich mit einer Hand mittels Nasengriff den Kopf der Färse fixierte, führte ich mit der anderen Hand den Applikator tief in den Mund ein und drückte ab, so dass die zwei Boli von der Färse direkt verschluckt wurden. Wichtig hierbei ist, den Applikator so weit wie möglich in den Schlund einzuführen und das richtige Gespür zum Abdrücken zu entwickeln. Andernfalls können die Tiere den Bolus nämlich wieder ausspucken was natürlich nicht erwünscht ist.

Der Langzeit-Bolus soll dann für 6-Monate im Pansen verbleiben und gleichmäßig die Mineralstoffe Kupfer, Kobalt, Seelen und Jod abgeben. Dieser Mineralstoffkomplex soll gut für die Fruchtbarkeit der Färsen sein und den Gesundheitsstatus nachhaltig verbessern. Da eine Bodenprobe ergab, dass das Weideland der Farm besonders kupferarm ist, sollen demnächst neben den Färsen auch die Milchkühe den Mineral-Bolus verabreicht bekommen. Bei einigen Kühen hier in der Herde lässt sich die Kupfer-Unterversorgung an der so genannten „Kupfer-Brille“ gut erkennen: eine ringförmige Entfärbung der Haare um die Augen, die wie eine Brille erscheint. Kupfermangel kann Leistungs- und Wachstumsdepressionen verursachen und so hoffen wir, dass der Langzeit-Bolus diesem Mangel gezielt entgegenwirkt.