Grassilage, Zäune umstecken und Trächtigkeitsprüfung

Die Tage hier in Neuseeland vergehen wie im Fluge und der Herbst mit windigeren Tagen und kalten Nächten ist gekommen. Das Gras auf den Weiden wächst mittlerweile nicht mehr so schnell nach wie zu Beginn der Vegetationsperiode und der Aufwuchs reicht nicht mehr für eine ganze Herde aus. Deshalb haben wir vor etwa einer Woche damit begonnen, zusätzlich zu dem Frischgras etwas Grassilage zu füttern. Die Paddocks werden auch nicht mehr wie üblich im 21- Tage Rhythmus beweidet.

Mithilfe von Elektrozäunen werden die Weiden geteilt, so dass die Kühe nur noch jeden 2. Tag das Feld wechseln. Morgens und abends fährt einer der Manager mit dem Traktor und einem mit Silage beladenen Verteilerwagen zum Feld und verteilt diese auf dem Boden. Dadurch entsteht für uns Praktikanten zum ersten Mal eine Aufgabe, die mich an die Arbeit in Deutschland erinnert und sofort ein „Heimatgefühl“ weckt: das Silo abdecken. Das Erntegut ist mit einer Folie abgedeckt und diese ist mit alten Reifen beschwert. Jeden Tag müssen etwa 5 Meter abgedeckt werden. Das vergleichsweise kleine Flachsilo hat bei zurzeit 1700 zu fütternden Kühen einen vorstellbar großen Vorschub.

Dadurch, dass die Tiere immer nur eine Hälfte des Feldes beweiden, ist die Zufütterungszeit mit einer Menge Zäunungsarbeit verbunden. Die 6 Elektrozäune, pro Herde 2, werden täglich versetzt. Sobald eine Herde ihre 2 Tage auf dem einen Feld verbracht hat und zum nächsten Paddock geht, wird der alte Zaun abgebaut und in dem übernächsten Feld wieder aufgebaut. Das erledigt immer die Person, die an dem Tag des Feldwechsels die Kühe zum Wartehof treibt. Dadurch werden ständige Unklarheiten und Fragen über das Vorbereiten der Flächen vermieden.

Wie im letzten Bericht beschrieben, wurden alle Tiere auf ihren Trächtigkeitsstatus überprüft. Die leeren Kühe wurden dabei alle markiert. Vor einigen Tagen haben wir diese Kühe aus den Herden des großen Melkhauses („Dairy 2“) aussortiert um diese am nächsten Tag an den Schlachthof zu liefern. In Neuseeland sind für diesen Transfer bestimmte Voraussetzungen nötig: Das Schlachttier muss mit mindestens 2 Registrierungsnummern versehen sein. Für die Aufnahme am Schlachtbetrieb ist zwar grundsätzlich nur eine Ohrmarke notwendig. Zusätzlich wird jedoch eine zweite Marke eingezogen, um im Falle eines Verlustes (z.B. beim Transport) sicherzustellen, dass die Herkunft und der Registrierungscode der Kuh festgestellt werden kann. Wir haben beim letzten Mal eine Barcode- Marke und einen elektronischen Stecker verwendet. In Zukunft (ab 1. Juni) wird jedoch die Barcode- Identifikation abgeschafft und durch die elektronische Marke ersetzt. Dann wird zusätzlich zu der elektronischen Marke nur noch eine kleine Marke mit der Lebensidentifikationsnummer benötigt.

Um diese Marken auf Vollständigkeit zu kontrollieren, haben wir die Kühe in einen kleinen Wartebereich getrieben. Am Ende dieses Geländes führt ein Treibgang zu einem Fanggitter. Hier wurden die Kühe einzeln hereingetrieben und festgesetzt. Da dadurch der Kopf fixiert wird, ist es sehr einfach, die Ohrmarken zu kontrollieren und gegebenenfalls neue Marken einzuziehen. Für die betriebliche Buchführung werden die Kuhnummer, der Code, das Geburtsjahr und der Abgangsgrund aufgeschrieben. Nachdem diese 60 Kühe mittlerweile den Betrieb verlassen haben, werden demnächst noch etwa 40 Kühe aus der Herde des alten Karussells („Dairy 1“) selektiert und ebenfalls verkauft. Unter diesen Kühen befindet sich leider auch meine Lieblingskuh. Diese kleine Jersey- Dame ist immer das Schlusslicht beim Treiben der Herde und läuft grundsätzlich neben dem Motorrad um sich ihre Streicheleinheiten abzuholen.

Ansonsten passiert neben der Routinearbeit nicht sehr viel auf der Farm. Einige Kälberställe mussten noch vom Mist der letzten Kalbesaison befreit werden. Hierbei habe ich einem unserer Manager geholfen. An allen anderen Tagen haben meine schwedische Arbeitskollegin und ich einige Stallbüros gesäubert oder Unkraut gehackt. Diese langweiligen und anspruchslosen Arbeiten machen zu zweit echt super viel Spaß und lassen sich dadurch sehr einfach und mit Freude erledigen.