Derzeitige Arbeitsabläufe auf der Farm

Ein typischer Arbeitstag beginnt derzeit für mich um 7 Uhr morgens auf dem Quad mit dem Treiben der Kühe zum Melkhaus und dem Weidemanagement. Das heißt konkret, dass ich vor Ort abschätzen muss ob das Futterangebot bis zur nächsten Melkung noch ausreichend ist, oder der Paddock geschlossen wird und die Herde nach dem Melken auf einen neuen Paddock getrieben wird. Derzeit stellt dies auf Grund der sehr guten Wetterbedingungen keine große Herausforderung dar was sich natürlich mit Einsetzen des Regens schlagartig ändern kann.

Als Orientierung welcher Paddock als nächstes beweidet wird, dienen uns die letzten Ergebnisse der Grasaufwuchs-Messung. Die Entscheidung wann und wie lange welcher Paddock beweidet wird hängt von vielen Faktoren ab und kann daher nur aktuell vor Ort getroffen werden. Ich habe bereits ein gutes Gefühl entwickelt, wieviel Gras die Herde benötigt und wann es Zeit ist den Weidezaun weiter zu stecken oder die Herde umzutreiben.

Besonders wichtig, wenn die Wetterbedingungen ins negative umschlagen und es wieder täglich regnet, ist es, den Weideboden im Blick zu behalten um Trittschäden zu vermeiden. So empfiehlt es sich manchmal, den Tieren eine größere Fläche im Paddock zur Verfügung zu stellen, damit sich die Herde besser verteilt und einzelne Bereiche des Paddocks nicht zu stark frequentiert werden. Mehr Futterfläche bedeutet aber auch, dass das selektive Fressen einzelner Gräser und Pflanzen zunimmt, was wir auf jeden Fall verhindern wollen. Ziel ist es, den Paddock ohne Tritt- und Verbissschäden gleichmäßig und harmonisch „zu Ende zu grasen“ wie man hier sagt. Nach der Beweidung wird der jeweilige Paddock dann mit Gülle oder Nitrat gedüngt worüber ich separat berichten werde. Alles weitere zur Grasaufwuchs-Messung und dem Grasland-Management werde ich in den nächsten Wochen erfahren und hierüber einen separaten Bericht verfassen.

Wenn ich die Herde dann mit dem Quad zum Melkhaus getrieben habe, hat Tom meistens schon parallel angefangen, die ersten Runden zu Melken und die Kalbinnen zum Silage fressen in den Stall gelassen. Derzeit melken wir 92 Kühe, was in dem Doppel-9-er Swing-Over-Melkstand schon mal gute zwei Stunden dauern kann. Besonders die frisch abgekalbten Kühe, welche wir in den Eimer melken oder die jungen Färsen, welche sich an den Melkablauf erst gewöhnen müssen, kosteten anfangs viel Zeit. Rückblickend kann ich jedoch sagen, dass wir einen sehr guten Start ins Melken hatten und soweit alles glatt gelaufen ist.

Nach dem Melken stehen dann neben Reinigen der Melkanlage, sowie des Melkstandes natürlich die Kälberfütterung an erster Stelle. Zuerst erhalten die jüngsten Kälber in den Einzelboxen die wenige Minuten zuvor frisch gemolkene Eimermilch. Nach Reihenfolge der letzten Abkalbungen starte ich mit dem jüngsten Kalb und gebe jedem Kalb 2 l Milch in den Nuckeleimer. Während die älteren Kälber den Eimer innerhalb weniger Minuten leer putzen, versuche ich die jüngeren Kälber an den Nuckeleimer zu gewöhnen. Um nicht unnötig Zeit zu verlieren, werden Kälber, die nicht am Eimer trinken, gedrencht, welches ich meistens direkt im Anschluss erledige.

Wenn die jüngeren Kälber dann alle gefüttert sind, muss ich für die älteren Kälber in den Großgruppenboxen den Kälbertränkeautomat waschen und mit neuer Milch auffüllen. Anschließend checke ich ob alle Kälber gesund und gut genährt sind und werfe einen Blick auf Einstreu, Wasser und den Milchnuckel. Wenn im Kälberhaus soweit alles erledigt ist, bringe ich die Kalbinnen vom Stall zurück ins Kälberhaus und kontrolliere jede Kuh einzeln auf Geburtsanzeichen.

Bei meinem Weg zum Wohnhaus, wo wir gemeinsam frühstücken, werfe ich einen Blick auf die trockenen Kühe im Stall, welche als letzte Tiergruppe im Stall zurück geblieben ist und bereite das Mineral- und Kraftfutter vor. Nach dem Frühstück gebe ich die vorbereitete Menge über die Silage und reinige die Liegeboxen. Da nun alle Tiere am Fressgitter stehen, beurteile ich jede Kuh einzeln auf Geburtsanzeichen und notiere die Tiernummer, so dass wir abends entscheiden können, ob die Kuh mit den Kalbinnen hoch zum Abkalbereich geht. Da ich diese Kontrolle täglich durchführe und alle Tiere mittlerweile gut kenne, lassen sich spontane Geburten im Stall vermeiden. Manchmal schalten wir auch über Nacht die Spaltenschieber aus um extra sichergehen zu können, dass kein Spontan-Kalb diesen zum Opfer fallen wird.

Wenn alle Routine-Arbeiten erledigt sind, folgen dann über den Tag verschiedene Arbeiten wie Kälberboxen und Abkalbebereich einstreuen, Entwurmen, Impfungen, Enthornen der Kälber, Grasaufwuchs messen, Zäune instand halten, Gülle fahren, Dünger streuen, etc. etc. etc. Über diese Aktionen werde ich separat berichten und Fotos machen.
Mit dem Melken der Kühe am Abend wiederholen sich dann die Arbeiten von Morgens und zwischendurch kalben natürlich immer noch Kühe ab. Es geht also weiterhin rund hier auf der Farm …