Übernahme eines vernachlässigten Betriebes ist Glück für die Kühe

In meinem ersten Bericht hatte ich schon erwähnt, dass dieser Betrieb drei Hofstellen hat. Zum einen die „Home-Farm“, dann die „Paris-Farm“ und eine Farm in St. George. Vor etwa 3 Jahren wurde die Farm in Paris zugekauft. Dort werden zur Zeit das Jungvieh und die trockenen Kühe gehalten. Die Kälber kommen, nachdem sie von der Milch abgesetzt wurden, im Alter von etwa 4 Monaten von der „Home-Farm“. Sie werden dann bis zum besamungsfähigen Alter aufgezogen. Da Mike und Steve auf diesem Betrieb wohnen, kümmern sie sich um die Fütterung (Maissilage und Heu) und um das Einstreuen der Ställe mit Sägemehl.

Ab Donnerstag werden dort auch 30 Kühe gemolken. Dies ist allerdings nur eine Zwischenlösung für einen anderen Landwirt, da dieser seinen Stall umbauen möchte.

Meine Gastgeber haben den Betrieb in St. George erst vor zwei Monaten übernommen. Der vorherige Besitzer hatte seinen Hof und die Kühe in den letzten Jahren sehr vernachlässigt. Sowohl außerhalb als auch im Boxenlaufstall sah es sehr heruntergekommen aus, wie mir die Söhne hier erzählten. Damit sie überhaupt anfangen konnten, brauchten sie fast eine Woche um den Müll zu entsorgen und überall aufzuräumen. Von den zu dieser Zeit 75 Kühen wurden 10 Stück aufgrund von massiver Lahmheit und ähnlichen Problemen direkt zum Schlachthof gebracht. Dann kam ein Tierarzt, und jede Kuh wurde auf ihren Zyklus- oder Trächtigkeitsstand untersucht. Einige von ihnen befanden sich schon im 8. Monat bzw. kurz vor der Kalbung!

Ich selbst konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es wirklich so schlimm war, wie mir mein Chef und seine Söhne erzählten. Die abgelieferte Milchmenge im Vormonat spiegelte dann allerdings genau das wieder: Bei 75 Kühen, davon wurden geschätzte 60 Kühe gemolken, wurden jeden zweiten Tag etwa 600 Liter vom Tankwagen abgeholt. Kurz nachgerechnet macht das 5 Liter je Kuh und Tag! Dass sich die Landwirtschaft auf diesem Betrieb nicht mehr rentierte, kann man allein an dieser Zahl schon erkennen. 
Als ich vor einem Monat hier ankam wurden 40 Kühe gemolken und etwa 1300 Liter Milch abgeliefert. Ich fahre seitdem jeden Abend mit Mike zum Hof um die Kühe zu melken und die Kälber zu füttern. Die geregelten Melkzeiten, der nicht mehr überbelegte Stall und eine bessere Fütterung hat die Milchleistung nach etwa 2 Monaten auf 22-24 Liter (Stalldurchschnitt) erhöht.

Der Ansporn, die Milchmenge zu halten oder mal wieder einen neuen „Rekord“ zu erzielen, macht die Arbeit dort umso schöner. Allerdings nicht aus dem Grund, möglichst viel Milch zu ermelken. Viel wichtiger ist uns, dass man jetzt sieht, dass es den Kühen wirklich gut geht und zu welcher Leistung sie tatsächlich fähig sind. In den nächsten Wochen werden regelmäßig die Zahlen der Einnahmen und Ausgaben verglichen und somit die Wirtschaftlichkeit überprüft. Etwas Geld soll ja bei der ganzen Arbeit auch noch übrig bleiben …

Am vergangenen Freitag habe ich bei einem Fototag mit Patty Jones zugeschaut. Zu erleben, wie diese Fotografin arbeitet und wie die Shootings in anderen Ländern ablaufen, war für mich echt interessant. Patty kennen zulernen war echt klasse, da ihr Name unter vielen Fotografien steht, die auch in Deutschland abgedruckt werden. Da nutzte ich dann meine Chance, den Spieß einmal umzudrehen und sie dieses Mal nicht hinter, sondern vor der Kamera stehen zu lassen :-).
Fotografiert wurde neben 3 Rindern eines anderen Züchters auch Goldwyn LORA, die ja auf der Holstein- Show ihre Klasse gewonnen hat. Ihr Foto hat mich echt beeindruckt. Kaum zu glauben, dass dieses milchtypische Jungrind gerade ein halbes Jahr alt ist!
In dieser Woche werde ich zur „Farm-Show“ gehen. Laut den Erklärungen meines Gastvaters ist diese Ausstellung mit der „EURO-Tier“ bzw. der „Agritechnica“ zu vergleichen. Was ich bei dieser Veranstaltung gesehen habe, werde ich dann in einem der folgenden Berichte beschreiben.