Eine einmalige Chance: Ich werde Reservesiegerin

Bevor ich nach Kanada geflogen bin, hatte ich gehofft, ab und zu mal eine Holstein-Show zu sehen und vielleicht auch „The Royal“ mitzuerleben. Dass ich allerdings nach einigen Wochen sagen kann, einen regelrechten Show-Marathon hinter mir zu haben, hätte ich niemals gedacht! Nach den beiden Shows in meinen ersten Wochen in Kanada ging es letzte Woche Sonntag weiter.

Am Morgen wurde ich zu dem Betrieb gebracht, auf dem ich helfen sollte. Hier werden etwa 40 Jerseys gehalten, viele davon sind zugekauft und stammen aus guten Kuhfamilien. Dementsprechend hoch war die Anzahl der gemeldeten Tiere: Insgesamt sollten dem Preisrichter 5 Kühe und 8 Rinder/Kälber vorgeführt werden. Nach meiner Ankunft sind wir direkt zum Schaugelände gefahren, um die Betten für die Tiere vorzubereiten. Am Nachmittag mussten dann noch einige Tiere sowohl an den ruhigen Gang am Halfter gewöhnt als auch geschoren werden. Das schien bei einigen von ihnen aussichtslos und für mich bestätigte sich einmal mehr, dass Jerseys ihren ganz eigenen Kopf haben.

Unsere Trainingseinheit wurde am Abend mit zunehmender Dunkelheit und einem kräftigen Regenschauer vorzeitig beendet. Am nächsten Morgen machten wir uns sehr früh auf den Weg nach Paris. Nachdem alle Tiere gewaschen waren, begann Steve mit dem Fitten der Kälber. Um 11 Uhr wurde dann die erste Klasse in den Ring gelassen. Ich habe dort im Wechsel mit der Besitzerin die Rinder und Kühe vorgeführt. Als dann die letzte Kuh gerichtet sowie der Grand Champion gekürt war, ging es sofort wieder in den normalen Arbeitsalltag zurück: Die Kühe in St. George warteten schon auf uns.

Nach ein paar Tagen „Ruhe“ stand am Freitag auf dem Plan: Holstein-Show (Perth/ Waterloo County Clubs Show) in Stratford/ Ontario. Nach der Jersey- Show war es echt schön, mal wieder meine Lieblinge, die Holsteins, zu sehen. Auch hier nahm LORA teil, dieses Mal wurde sie 2. in der März-Klasse.
Diese Show hat mich um zwei Dinge bereichert. Zum Einen habe ich eine Menge guter Kühe gesehen, die zum Teil auch bei „The Royal“ teilnehmen. Zum Anderen bin jetzt eine „echte Kanadierin“, da sich meine Erkältung zum Erstaunen aller genauso anhört wie bei „richtigen“ Kanadiern!!

Kaum war das Wochenende vorbei, ging es wieder zurück nach Stratford. Und auch zu meinem persönlichen Highlight in diesen Tagen…

Aufgrund einiger Probleme bei der einstündigen Anfahrt erreichten wir das Gelände erst wenige Minuten vor dem Start des Jersey-Championship´s, welcher für 9:30 Uhr angesetzt war. Schon in der März-Klasse war jeweils ein Kalb der beiden Züchter (Jenny und Neil) vertreten, für die ich an diesem Tag die Tiere vorführen sollte. In Windeseile habe ich mir also meine weiße Kleidung angezogen und war gerade noch rechtzeitig am Ring. Nach und nach wurden die Kälber- und Rinderklassen gerichtet. Da wir keine Tiere für die letzten beiden Rinder-Ringe hatten, wartete ich in der Stallgasse auf meinen nächsten Einsatz. Dann kam Jenny auf mich zugerannt, und fragte, ob ich Lust habe, beim Vorführwettbewerb mitzumachen. Na klar!! Es musste alles ganz schnell gehen, denn schon 10 Minuten später sollte es losgehen! Während sie mich noch kurzfristig anmeldete, stellte sich für mich die Frage: Welches Rind soll ich vorführen? Ich überlegte kurz, welches zuvor in der Show am besten lief und legte schnell ein Lederhalfter an.

Ein paar Minuten später, nachdem die Junioren rangiert waren, startete der Showmanship für die Senioren (16 bis 21 Jahre). Ich war echt froh, in Deutschland schon einige Wettbewerbe mitgemacht zu haben und nicht völlig ahnungslos in den Ring gehen zu müssen. Nach einer endlos lang erschienenen Zeit völliger Konzentration auf den Preisrichter und mein zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftiges und viel zu klein erscheinendes Jersey-Rind fiel die Entscheidung für meine Platzierung: 2nd Senior Showperson.

Diese Platzierung ist, verglichen mit Deutschland, der Reservesieg in der jeweiligen Altersklasse. In dem nachfolgenden Championship, in dem Sieger und Reservesieger der beiden Altersklassen um den Titel „Grand Champion“ gegeneinander antraten, siegten souverän die beiden Teilnehmer aus der jüngeren Klasse. Die Erfahrung, an einen Jungzüchterwettbewerb in einem anderen Kontinent teilgenommen zu haben, wird mir mit Sicherheit sehr lange in guter Erinnerung bleiben. Nicht zuletzt durch die blaue Rosette, die nach meiner Rückkehr nach Deutschland bestimmt einen Extra- Platz in meinem Zimmer bekommt 🙂