Trockenstellen, entwurmen und der endgültige Auszug aus der Farm

Mit dem Trockenstellen der Kühe endet im Juni für die meisten neuseeländischen Milchviehbetriebe die Saison. Auch bei uns wurden nach und nach alle Herden trockengestellt. Los ging es am Freitag mit der Herde des alten Melkhauses und den Kühen aus der Problem- Gruppe. In dieser zweiten Gruppe sind vor allem die grün markierten Mastitis-Kühe und chronisch lahme Tiere. Hinzu kamen dann noch neue Kühe mit Euterentzündungen, die erst am Morgen in den Herden des neuen Karussells entdeckt wurden. Dort haben wir, wie einige Tage zuvor auch bei der Herde des alten Melkkarussells, die Milch jeder einzelnen Kuh auf Veränderungen überprüft.

Dazu hatte eine zusätzliche Person an der „Cups-on“- Seite vor dem Ansetzen der Melkbecher jedes Viertel vorgemolken. Hierbei wurden acht Kühe der ersten Herde und sieben Kühe in der zweiten Herde entdeckt und selektiert. Unterschieden wurde zwischen starken und schwachen Entzündungen. Die Tiere mit einer leichten Mastitis wurden in die Problemgruppe getrieben und noch am selbigen Tag mit diesen trockengestellt. Die anderen selektierten Tiere (etwa die Hälfte) wurden mit Penicillin behandelt und werden erst eine Woche später, nach hoffentlich auskurierter Erkrankung, mit der 2. Herde in die Wintersaison verabschiedet.

Bevor es am Freitag (01.06.) mit dem Trockenstellen losging, hatten wir am Mittwoch und Donnerstag noch jede Menge zu tun. Die Möbel aus unserem Haus wurden größtenteils am Mittwochnachmittag sowie am Donnerstagmorgen abgeholt. Dies erledigten mein Chef Jeremy und die beiden Praktikanten aus England und Wales gemeinsam. Meine Mitbewohnerin Ida und ich mussten uns derweil um das endgültige Säubern des Hauses kümmern; sowohl die Decke, Wände und der Boden im Flur als auch die Küche mussten noch gereinigt werden. Die Situation, das Haus nicht mehr Aufwärmen zu können (da der Kamin schon entleert und gesäubert wurde), außer Cornflakes und Nudeln kein Essen mehr im Haus zu haben und den Tee in der Kälte und auf dem Boden sitzend zu trinken, machte mir irgendwie bewusst, dass meine Zeit in Neuseeland allmählich dem Ende entgegenkam. Am Donnerstagabend zogen wir dann endlich in unsere vorläufig neue Bleibe; ein Zimmerchen im Haus des holländischen Managers, welches ich mir mit Ida teilte, da sich das Praktikantenhaus noch im Aufbau befindet.

Am Freitagmorgen um 5:30 Uhr machten sich alle Mitarbeiter auf den Weg zur alten Betriebsstelle. Wie oben schon erwähnt, haben wir an diesem Morgen die Euter überprüft und erkrankte Tiere ausselektiert. Nicht nur die ungewohnte Situation, zwei Arbeiter an der „Cups-on“- Seite zu sehen, als auch die Tatsache, dass kein Mineralfutter mehr vorhanden war, ließ die Kühe sehr schlecht aufs Karussell gehen. Nur mit Hilfe einer vierten Person zum Hereintreiben der Kühe konnte das Melken etwas ungestörter fortgesetzt werden. Dennoch benötigten wir anstatt der gewohnten 2 Stunden etwa 3,5 Stunden.

Nach der kurzen Frühstückspause im Stallbüro ging es rüber zum alten Melkhaus. Dort stellten wir die Kühe in drei verschiedenen Gruppen trocken: Die normale Herde wurde am Morgen in dicke und dünne Kühe aufgeteilt, hinzu kam dann die schon erwähnte Problem-Gruppe mit den euterkranken und lahmen Kühen. Bei den Tieren mit einer Mastitis wurde das betroffene Viertel mit stärkerem Trockensteller behandelt. Mit viel Unterstützung aller Manager, Praktikanten, der Teilzeitkraft und Aushilfen konnte der erste Tag beginnen. Mit Desinfektionstüchern aus Großboxen werden zuerst die Zitzenkuppen gereinigt. Wichtig ist hierbei, mit den vorderen beiden Zitzen zu beginnen (erst rechts, dann links). Dadurch wird eine erneute Verschmutzung der Strichöffnung durch Keime an der Handfläche und den Ärmeln vermieden. Nachdem dann auch die beiden hinteren Striche gesäubert sind, wird das Tuch unter der Kuh liegen gelassen, um zu symbolisieren, dass dieses Euter bereit für die Penicillin-Eingabe ist. Damit wird dann auch sofort im Anschluss begonnen.

Für meinen Chef war es besonders wichtig, vor der Verwendung der Eutertuben etwas Milch auszumelken und die Strichkuppe zu sich zu drehen. Hierdurch würde der Strichkanal etwas geschmeidiger und die Öffnung geweitet werden. Außerdem sollten die Manager und wir Praktikanten immer mal ein Auge auf die Aushilfskräfte (meist ohne landwirtschaftlichen Hintergrund) werfen, um bei Problemen gegebenenfalls helfen zu können.

Ist dann eine Plattform komplett behandelt und ein Stein zwischen dem letzten Tier dieser Runde und der ersten Kuh der nächsten Plattform gelegt worden, können die Kühe herausgelassen werden. Dafür werden vier Personen benötigt. Mein Chef hat die Nummern der Kühe aufgeschrieben und sich bei Dreistrichigkeit das entsprechende Viertel notiert.

Ida hatte die Aufgabe, jeder Kuh ein Entwurmungsmittel auf den Rücken zu spritzen. Ich musste die spätkalbenden Tiere erneut mit blauem Farbkleber auf dem Rücken sowie Schwanzansatz markieren. Während ein weiterer Arbeiter die Striche der Kühe kurz vor dem Verlassen der Plattform mit einem Dippspray eingesprüht hat, wurde an der anderen Seite schon mit dem Hereintreiben der nächsten Kühe und dem Säubern der Zitzen begonnen. Nach einigen Runden spielte sich ein guter Rhythmus ein, da jeder seine Aufgaben kannte und mit der Zeit immer vertrauter mit diesen wurde.

Der erste von den drei Tagen endete um 17 Uhr mit dem Treiben der Gruppe mit den fetteren Kühen und den „carry-overs“. Letztere sind etwa 80 ausgewählte Kühe, die im vergangenen Jahr nicht tragend wurden und seither zum Pflegen der Randstreifen, von Fahrwegen sowie Bachläufen zuständig sind. Diese Gruppe ist eine willkommene und übliche Lösung für viele Landwirte in Neuseeland, da ihnen somit die Pflege der Wege und Bäche erspart bleibt. Den Kühen wird in der nächsten Saison übrigens eine neue Chance gegeben. Während der Besamungsphase werden sie in die Herde der melkenden Kühe gemischt um dort erneut zu versuchen, diese Kühe tragend zu bekommen.

Nach meinem letzten freien Tag am Samstag stand am Sonntag das Trockenstellen der ersten Herde auf dem Plan. Größtenteils verlief alles wie oben schon beschrieben, die Kühe wurden erneut in zwei Gruppen aufgeteilt. Hier selektierten wir jedoch die Spätkalbenden von den Frühen. Aufgrund von mehr Arbeitskräften und des größeren Karussells dauerte das Trockenstellen der 450 Kühe nur 4 Stunden. Um 17 Uhr beendete ich meinen allerletzten Arbeitstag in Neuseeland mit etwas gemischten Gefühlen… Und mit selbigen Gefühlen ging ich am Abend zu meiner Abschiedsfeier, zu der mein Chef alle Mitarbeiter eingeladen hatte.

In meinem nächsten Bericht werde ich Ihnen meine Eindrücke von Neuseeland als Touristen- und Reiseland schildern und dabei vor allem von den Erlebnissen meines 2-wöchigen Urlaubs berichten. Zu guter Letzt werde ich dann, 10 Monate nach dem Beginn meines ersten Tagebuchs, ein Resümee ziehen; von Neuseeland, dem Vergleich zu Kanada und meinem persönlichen Fazit.