Ein Besuch auf dem Viehmarkt

Da wir uns nun komplett in der Zuchtsaison befinden und alle Kühe schon lange abgekalbt haben, haben wir letzte Woche das Kälberhaus geschlossen. Dies bedeutet, dass wir die Nachzucht ausgestallt und die übrigen Kälber verkauft haben. Die meisten Tiere haben wir direkt an andere Milchviehbetriebe verkauft. Die restlichen Kälber wurden letzte Woche auf dem Viehmarkt verkauft.

Aufgrund der engen Abkalbe- und Besamungsfristen im hiesigen System wurden alle Kühe mit später Brunst im letzten Jahr mit Black-Angus-Bullen besamt. Zum einen können diese Kälber auf Grund ihres späten Geburtstermins nicht mit den Kälbern aus Januar/Februar mithalten und zum anderen werden nur ca. 40 Tiere als Nachzucht behalten, so dass alle spät geborenen Kälber sowieso verkauft werden müssen. Und da in der Regel Fleischkälber einen besseren Preis am Markt erzielen, entschied sich Tom für die Kreuzung mit Black-Angus-Bullen. Er suchte dabei letztes Jahr sehr leichte und einfach abkalbende Bullen aus um seine Milchkühe nicht mit einer schweren Geburt zu belasten.

Bei der Kälberaufzucht bemerkte ich eine großen Unterschied zwischen den Black-Angus und den Holstein-Kälbern: die Black-Angus Kälber sind sehr vital, robust und stark. Sie waren einfacher zu tränken und erlernten das Trinken am Nuckeleimer quasi von alleine, während man bei so manchen Holstein-Kälber vergebens mehrere Tage sein Glück versuchte. Da die Preise am Markt derzeit sehr gut ausschauen blickten wir gespannt auf Mittwoch. Neben den Kälbern verkauften wir auch zwei Färsen auf Grund von Unfruchtbarkeit.

Während wir melkten, wurden die Tiere morgens von einem Viehtransporter abgeholt und zum Markt gebracht. Die Versteigerung sollte um 11 Uhr beginnen, so dass wir nach dem Melken ausreichend Zeit hatten das Gelände zu erkundschaften und unsere Kälber zwischen all den Verkaufstieren ausfindig zu machen. Die eigentliche Versteigerung dauerte dann nur wenige Sekunden: die Tiere wurden in den Ring getrieben, oben auf der Anzeigetafel erschienen die wichtigsten Daten und schneller als wir gucken konnten verließen sie auch wieder den Ring und waren versteigert. Leider sind die Tiere von einem Viehhändler ersteigert worden, der sie wahrscheinlich weiter verkaufen wird. Tom ist kein großer Fan von Viehmärkten und versucht seine Tiere immer direkt an einen anderen Betrieb zu verkaufen. Bestenfalls kennt er den Farmer und verkaufte bereits in den Vorjahren an diesen ein paar Tiere. Aber zu dieser Zeit im Jahr, wenn die Nachfrage nach Kälbern auf Grund der saisonalen Abkalbung im ganzen Land bereits zurückgegangen ist und er die Tiere über Anzeigenschaltung in der lokalen Agrarpresse nicht mehr verkauft bekommt, bleibt ihm nur noch der Markt übrig. Von oberster Priorität hierbei ist es die Tiere dann dort tatsächlich zu einem (hoffentlich) guten Preis verkauft zu bekommen und sie nicht wieder mit nachhause zu bringen um das Einschleppen von Krankheiten und Infektionen zu vermeiden.

So verließen wir zufrieden den Markt und widmeten uns auf der Farm angekommen unserer weiblichen Nachzucht. Wir haben nun alle Kälber am anderen Ende der Farm untergebracht. Sie wurden im alten Kälberhaus von der Milch stufenweise abgewöhnt und auf Stroh und Kraftfutter umgestellt. Zusätzlich geben wir Ihnen gegen Kälberkokzidiose täglich Deccox über das Kraftfutter. Nach der Eingewöhnung im neuen Stall, welcher direkt an paddock 28 angrenzt, öffneten wir dann nach ein paar Tagen das Tor und ließen die Kälber raus auf die Wiese. Es geht einem wirklich das Herz auf, wenn man diese dann freudig quietschend auf der Weide toben sieht. Nach ein paar Tagen haben wir dann auch die Futtertröge aus dem Stall auf die Weide gezogen und füttern diese nun unter freiem Himmel. Voller Vorfreude kommen sie dann alle angerannt wenn sie das Quad kommen hören und putzen die Tröge in wenigen Minuten leer… meine kleine Rasselbande, wie ich sie nun nenne.