Brunsterkennung auf der Weide

Da wir uns gerade mitten in der Zuchtsaison befinden, möchte ich diesmal über die Brunsterkennung auf der Weide berichten. Im Gegensatz zu Deutschland wo die Kühe ganzjährig aufgestallt sind und somit leicht auf Brunstanzeichen beobachtet werden können, befinden sich unsere Kühe Tag und Nacht draußen auf dem Weideland. Da wir die Tiere also nur zweimal täglich zu den festen Melkzeiten sehen nutzen wir zur Unterstützung der visuellen Kontrolle die Farbmarkierung der Schwanzansätze.

Dabei wird den Tieren auf dem Rücken im Bereich des Schwanzansatzes eine wetterfeste Signalfarbe aufgetragen, welches sich beim Aufspringen durch andere Kühe abträgt. Somit kann eine Kuh die steht und sich in Duldungsbereitschaft befindet, leichter identifiziert werden. In Kombination mit der visuellen Kontrolle und den Daten aus dem Herdenmanagementprogramm (letzte Abkalbung, voraussichtlicher Brunstzeitraum, stillbrünstige oder aktive Kuh, Alter etc.), sowie dem Gespür fürs Einzeltier konnten bisher mit Hilfe der Farbmarkierung in unserer Herde alle brünstigen Tiere rechtzeitig erkannt werden.

Da diese Methode kostengünstig, sicher und einfach durchzuführen ist, hat sie sich im irischen Vollweidesystem seit vielen Jahren bewährt. Auf Grund der saisonalen Abkalbung im Frühjahr wird der Besamungszeitraum auf 8 Wochen (von April bis Juni) beschränkt. Ziel ist es alle Tiere in diesem Zeitraum wieder tragend zu bekommen um im nächsten Jahr alle Tiere zeitgleich kalbend zu haben. Daher stellt eine gute Brunstkontrolle die Voraussetzung für ein erfolgreiches Fruchtbarkeitsmanagement dar, welches wesentlich den jährlichen Produktionsrhythmus bestimmt.

Alle Tiere die nach der Besamungssaison nicht tragend sind werden Ende des Jahres verkauft. Im Gegensatz zu Deutschland wo der Fokus mehr auf das Einzeltier und die Milchleistung gerichtet wird, steht in Irland auf Grund der engen Zeitfenster der Faktor Fruchtbarkeit an erster Stelle. An zweiter Stelle werden Anpassungseigenschaften an die Weidehaltung genannt und erst dann wird der Fokus auf die Milchleistung gelegt. Daher nutzen viele irische Milchbauern nun überwiegend neuseeländische Holsteinbullen, da diese optimal an die Weide angepasst sind. Aber auch Jersey oder Norwegian-Red Einkreuzungen werden zunehmend beliebter. Über das Zuchtmanagement hier im Betrieb und die künstliche Besamung werde ich separat berichten.

Neben der Methode der Farbmarkierung werden bei den Färsen noch zusätzlich so genannte „Heat-Detection-Sticker“ verwendet. Diese ebenfalls wetterfesten Sticker werden auf den Rücken aufgeklebt und verbleiben dort bis zur Abnahme. Beim Aufspringen durch ein anderes Tier verändern sie ihre Farbe (von grau zu pink), so dass eine Brunst recht eindeutig erkannt werden kann. Die Kombination von Farbmarkierung und Sticker hat sich auf unserer Farm bewährt und so haben wir bislang alle Färsen rechtzeitig besamen können. Das wichtigste ist jedoch alle Tiere mehrmals täglich visuell auf Brunstanzeichen und auf Veränderung der Farbmarkierungen zu kontrollieren, was derzeit meine Aufgabe ist.

Wir hoffen alle Tiere erfolgreich besamt zu haben und beobachten nun ob Tiere wieder in Brunst kommen. Tiere die keine Brunst zeigen, oder ohne Erfolg mehrmals besamt worden sind werden dann einem Trächtigkeitsscan unterzogen um eventuelle Veränderungen an den Geschlechtsorganen (wie bspw. Zysten, Zyklusstörungen, oder Fehlbildungen) festzustellen.