Der erste Grasschnitt nach wochenlanger Anspannung

Wie bereits in meinen Berichten zuvor geschildert stellt das Wetter in den letzten Wochen eine große Herausforderung im hiesigen Vollweidesystem dar. Aufgrund des anhaltenden Regens konnten wir den ersten Schnitt nicht wie sonst üblich im Mai einfahren und mussten auf bessere Wetterbedingungen warten. Daher war die Atmosphäre hier auf der Farm in letzter Zeit etwas angespannt.

Die Entscheidung den Lohnunternehmer anzurufen und den ersten Schnitt einzufahren fiel Tom wegen der Wetterverhältnisse nicht einfach. Wir hatten zwar zwischendurch immer wieder ein paar schöne Sommertage, allerdings ließ der Wetterbericht für die darauf folgenden nichts Gutes verheißen. Wir befanden uns in einer Zwickmühle die sicherlich jedem Farmer bekannt ist: man möchte das Winterfutter natürlich so schnell wie möglich drin haben, allerdings nicht zu jedem Preis. Ebenso wie in Deutschland wird hier eine hohe Qualität im Winterfutter angestrebt, da die Tiere bei Aufstallung im Dezember hochträchtig sind und daher optimal versorgt werden müssen.

Am letzten Wochenende war es dann soweit: der Wetterbericht sagte für Samstagabend und Sonntagmorgen Trockenheit voraus. Allerdings war ungewiss, ob es Sonntagnachmittag wieder regnen würde. Wir wagten es und riefen den Lohnunternehmer an, welcher schon eine halbe Stunde später auf der Farm die ersten Weiden mit dem Big M von Krone mähte. Wir beschließen zunächst die Weiden auf der Nachbarfarm zu mähen, wo die Färsen derzeit gehalten werden. Anschließend wurden die Paddocks auf der Hauptfarm gemäht. Das Gras war teils sehr hoch gewachsen, da die Paddocks zuletzt vor sechs Wochen beweidet worden sind. Nach dem Schnitt wird es ca. vier Wochen dauern, bis die Paddocks wieder beweidet werden können.

Nach dem Schnitt wird das Erntegut normalerweise vor dem Schwaden für einen Tag breit ausgelegt und gewendet. Auf Grund der Wetterbedingungen und des Zeitdrucks haben wir diesen Arbeitsschritt übersprungen und das Erntegut direkt auf Schwad gelegt. Insgesamt konnte das Gras dann über Nacht ca. 14-18 Stunden anwelken bevor es am nächsten Tag mit der Futterwerbung weiterging. Ein Häcksler, 5 Traktoren mit Anhänger und ein Frontlader sorgten dafür, dass das Erntegut innerhalb weniger Stunden einsiliert wurde. Nachdem ich meine Routinearbeiten erledigt hatte, konnte ich auf dem Häcksler und den Traktorzügen ein paar Runden mitfahren und mir selbst ein Bild von der rasanten Erntekette verschaffen.