Trockenstellen der letzten Kühe

Wir konnten unser Ziel einhalten und alle Kühe vor Weihnachten trockenstellen, so dass der Betriebsleiter über den Jahreswechsel nicht mehr melken muss und sich bis zum Start der neuen Abkalbesaison etwas erholen kann. Über das Trockenstellen der letzten Tiergruppen möchte ich im Folgenden berichten. Milchkühe werden in der Regel 45 bis 60 Tage vor der Abkalbung trockengestellt. Diese Zeit dient der Regeneration des Organismus und der Vorbereitung auf die neue Laktation. Das Eutergewebe soll sich erholen und die hochtragende Kuh soll genug Energie für das heranwachsende Kalb und die baldige Geburt zur Verfügung haben.

Diese Tiere benötigen neben einer angepassten Fütterung und optimalen Haltungsbedingungen (saubere Liegeboxen & Kuhkomfort) besonders intensive Betreuung, da zu dieser Zeit vermehrt Eutererkrankungen auftreten können. In der Praxis hat sich daher der Einsatz von antibiotischen Präparaten (Trockenstellern) bewährt, welche auch auf meinem Betrieb angewendet werden. Diese sollen die Kuh beim Ausheilen von bestehenden Mastitiden unterstützen und gegen Neuinfektion (z.B. durch Keime im Eutergewebe oder Umwelterreger) schützen.

Da diese Behandlung etwas Zeit in Anspruch nimmt, haben wir dies meist direkt nach dem Melken erledigt, um vor dem Frühstück damit fertig zu sein. Der normale Arbeitsablauf beim Trockenstellen sieht wie folgt aus: Beim Melken werden alle Tiere, die an diesem Tag trockengestellt werden sollen, ausfindig gemacht, markiert und nicht gemolken. Diese Kühe isolieren wir nach dem Melkdurchgang von der Gruppe, sortieren sie erneut und separieren sie in den Wartebereich vor dem Melkstand. Da der Melkstand auf jeder Seite über 9 Tierplätze verfügt, haben wir in der Regel auch immer eine 9er Gruppe zusammen trockengestellt.

Nachdem alle anderen Tiere normal gemolken worden sind und bereits zurück in den Stall gegangen sind, haben wir den Melkstand grob gereinigt und alle notwendigen Utensilien für das Trockenstellen vorbereitet, hierzu zählen: Spray um die Tiere zu markieren, Desinfektionstücher, Handschuhe, Schalmtest, einen Abfalleimer und natürlich die antibiotischen Tuben.

Meine Aufgabe war es, die Präparate für die Behandlung der 9 Kühe auf der jeweils gegenüberliegenden Seite im Melkstand in Reihenfolge der Anwendung zusammenzustellen. Anschließend habe ich die 9 ausselektierten Kühe in den Melkstand gelassen und gemolken. Wichtig dabei ist, dass man beim Vormelken besonders gründlich auf Flocken achtet und die Euter komplett ausgemolken werden. Die Melkmaschine haben wir während der Behandlung weiter laufen lassen um die Tiere nicht unnötig zu beunruhigen. Tom hatte eine Kuh mit einer anderen Farbe markiert, als Erinnerung, dass wir bei dieser Kuh vor dem Trockenstellen auf Grund erhöhter Zellwerte den Schalmtest nicht vergessen.

Handschuhe an und los ging’s: Tom säuberte zunächst äußerst gründlich mit einem normalen Papiertuch die Zitzen der jeweiligen Kuh. Anschließend wurde mit den Desinfektionstüchern. besonders die Zitzenspitze gereinigt, weil man sonst mit dem Einführen der Tube Bakterien in den Strichkanal einbringen kann welche vom Antibiotikum evtl. nicht mehr erreicht werden und so eine Infektion verursachen können. Alle vier Zitzen werden gesäubert und der Reihe nach behandelt. Die Spitze der Tube wird vorsichtig in den Strichkanal eingeführt und das Antibiotikum durch Abdrücken und Aufwärtsmassage Richtung Euter eingebracht. Anschließend wird in dieselbe Zitze auf gleiche Weise ein Zitzenversiegler eingebracht. Danach werden die Zitzen ausreichend gedippt und die Kuh mit einem Farbspray am Euter entsprechend markiert. So arbeiteten wir uns von Kuh zu Kuh der Reihe nach durch. Bei der Kuh mit den erhöhten Zellwerten führten wir vor der Behandlung einen Schalmtest durch. Da dieser aber keine Verfärbung zeigte verfuhren wir auch bei dieser Kuh normal weiter.

Nachdem wir mit der Behandlung aller Tiere fertig waren, bekam dann noch jede Kuh im Behandlungsstand eine Wurmkur verpasst (1x gedrencht = orale Applikation; 1x pour on = Rückenapplikation) bevor es für sie wieder zurück in den Stall ging. Die trockengestellten Kühe wurden fortan von den noch melkenden Kühen getrennt, so dass nach und nach alle Tiere von der noch melkenden Gruppe in die Trockenstehergruppe wechselten. Die entsprechenden Separationsgatter konnten wir im Stall nach Platzbedarf jede Woche beliebig erweitern.

Da die Trockenstehenden Kühe wie bereits erwähnt besonders empfindlich auf Keime aus der Haltungsumwelt reagieren, mussten täglich alle Liegeboxen gründlich gepflegt und gekalkt werden. Neben dem morgendlichen Kontrollrundgang bot diese Arbeit auch immer die Gelegenheit die Tiere aus nächster Nähe zu betrachten und speziell Veränderungen am Euter festzustellen. Ab dieser Zeit kann es auch passieren, dass eine Kuh ein Kalb früher verliert oder Gesundheitsstörungen wie bspw. Stoffwechselprobleme durch Futterumstellung auftreten. Ein wachsames Auge ist daher stets notwendig. Als Unterstützung geben wir den trockengestellten Kühen täglich eine abgestimmte Menge Mineralfutter über die Silage, welches von den Tieren sehr gut angenommen wird.