Erneute Klauenpflege und Entwurmen der Färsen vor der großen Winterpause

Da die Tiere nun ausschließlich im Stall gehalten werden und sich der harte Betonboden im Vergleich zum Weideboden äußerst negativ auf die Klauengesundheit und Mobilität der Tiere auswirkt, hatten wir in letzter Zeit wieder mal ein paar lahme Kühe in der Herde. Da die Kühe aber jetzt nicht mehr die langen Treibwege zurücklegen müssen und die Lahmheiten manchmal auch einfach durch versteifte Gelenke, Ausrutscher auf dem Betonboden, oder Vertreten beim Aufstehen aus den Liegeboxen hervorgerufen werden, warteten wir diesmal eine Woche ab, bevor wir den Klauenpfleger anriefen. Manchmal verschwinden die Symptome dann von alleine wieder, was auch bei zwei Kühen der Fall war. Die anderen Damen hatten einen Tag später wieder einen Pediküre-Termin, um Schmerzen und Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu vermeiden.

Da ich zu der Zeit, wo der Klauenpfleger auf den Hof kam, am anderen Ende der Farm die Kälber im Strohstall füttern musste, konnte ich leider nur bei den letzten Kühen ein paar Fotos vom Klauenschneiden machen. Die ausgewählten Kühe hatte ich bereits vorher in den Wartebereich vor den Melkstand separiert. Tom und der Klauenpfleger haben dann den mobilen Klauenpflegestand im Laufhof vor dem Stall montiert und eine Kuh nach der anderen reingetrieben. Anders als beim letzten Termin hatten diesmal auch zwei Kühe eine Entzündung an den Vorderklauen. Bei der ersten Kuh zog sich an der rechten Vorderklaue ein eitriger Abszess von der Klauensohle bis zum Kronrand hoch. Nach Abdrücken an einer weichen Stelle konnte das infizierte Sekret abfließen, was nicht nur schlimm aussah, sondern auch fies gerochen hat. Bei dieser Kuh wurde ein Korrekturschnitt durchgeführt und zur Entlastung an der gesunden Nachbarklaue ein Klotz angebracht.

Auch bei der zweiten Kuh war die rechte Vorderklaue betroffen. Allerdings war die Ursache nicht so schnell erkennbar wie bei der ersten Kuh. Der Klauenpfleger tastete zunächst die Klaue ab und entfernte vorsichtig, Schicht um Schicht, das Klauenhorn. Langsam wurden rötliche Verfärbungen und Quetschungen im Bereich der weißen Linie sichtbar. Nach Abtragen der nächsten Schicht war dann das Blut sichtbar und konnte abfließen. Die anderen Kühe hatten wohl alle wie beim letzten Mal Entzündungen in den Hinterklauen und erhielten jeweils einen Korrekturschnitt. Durch die Stallhaltung ist das Klauenhorn nicht mehr so geschmeidig wie auf der Weide und nutzt sich auf dem harten Betonboden schneller ab.

Vor- und Nachteile ergeben sich aus den jeweiligen Umweltbedingungen beider Haltungssysteme. Generell ist die Weidehaltung bei guter Wetterlage natürlich besser für die Klauengesundheit. Wenn gegen Ende der Weidesaison im Winter auf Grund des zunehmenden Regens die Paddocks und Treibwege sehr nass sind und die Klauen aufweichen, können wiederum Klauenerkrankungen wie Mortellaro oder Klauenfäule zunehmen. Andererseits bewegen sich die Tiere in der Weidehaltung viel mehr und das Klauenhorn wird besser durchblutet. Generell zeigen die Tiere im Stall ein ganz anderes Bewegungsverhalten. Sie gehen vorsichtiger, langsamer und alle Körperbewegungen sind steifer als auf der Weide. Teilweise wirkt die Muskulatur verspannt und die Tiere scheinen etwas „eingerostet“ im Vergleich zum Bewegungsverhalten auf der Weide.

Obwohl wir im Stall auf saubere Haltungsbedingungen achten und jeden Tag alle Liegeboxen reinigen und die Laufwege per Schieber gereinigt werden, trocknen die Laufflächen jedoch nie richtig ab, so dass eine gewisse „Grundkontamination“ herrscht. In Kombination mit einer Futterumstellung von der zur Zeit die trockengestellten Kühe betroffen sind, kann es zu Defiziten in der Nährstoffversorgung des Klauenhorns kommen, wodurch wiederum Fütterungsbedingte Klauenerkrankungen leicht auftreten können. Dieser Tiergruppe werden daher zur Unterstützung Mineralien zugefüttert.

Aber auch die Färsen, welche nächsten Februar zum ersten Mal abkalben, erhalten Mineralstoffe als Ergänzungsfutter über die Silage. Ansonsten zeigen die Färsen ein sehr vitales und aufgewecktes Verhalten. Nichts desto trotz müssen auch sie gesundheitlich optimal gemanagt werden und so stand mal wieder die Routine-Entwurmung auf dem Arbeitsplan. Wir ließen zunächst 20 der vierzig Färsen in den Wartebereich vor den Melkstand und trieben jeweils 3 Tiere in den Behandlungsstand. Bei der Behandlung der ersten Gruppe war es meine Aufgabe, die Tiere nach und nach in den Behandlungsstand zu treiben, so dass Tom und der Farmarbeiter die Wurmkuren verabreichen konnten.

Jedes Tier erhielt eine orale Applikation (Drenchen) und eine Rückenapplikation (pour-on) um Infektionen verursacht durch Lungenwürmer, Magenwürmer, Dasseln, Milben etc. wirksam zu bekämpfen. Diese Anwendung stellt im Entwurmungsplan des Betriebes die letzte Verabreichung dar, bevor die Tiere im Februar/März abkalben und anschließend wieder auf die Weide gehen, wodurch ein neuer Entwurmungsplan von vorne beginnt. Nachdem die erste Gruppe fertig war, musste ich die Tiere der zweiten Gruppe entwurmen. Bei dem so genannten „Drenchen“ muss man möglichst flink sein um die Sonde in richtiger Position ins Maul einzuführen. Im Vergleich dazu war die Rückenapplikation wesentlich einfacher zu handhaben und für die Tiere natürlich auch stressfreier.

Nachdem wir alle Tiere noch rechtzeitig vor der Dunkelheit entwurmen konnten, waren wir abends froh eine der letzten Aufgaben auf unserem „to-do-plan-till-christmas“ abgeschlossen zu haben. Über den Jahreswechsel stehen nun nur noch die täglichen Routinearbeiten, wie Füttern und Liegeboxen reinigen auf dem Plan, so dass die nächsten Wochen etwas Ruhe auf dem Betrieb einkehrt bevor es dann nächsten Februar mit der saisonalen Abkalbung aller 120 Tiere wieder so richtig los geht.