Trächtigkeitsscan – Gewissheit über den Erfolg des diesjährigen Fruchtbarkeitsmanagements

Auf Grund des schlechten Wetters letzten Freitag mussten wir den Trächtigkeitsscan der Herde auf diese Woche verlegen. Montag war es also soweit: Alle 100 Kühe einschließlich der 40 Färsen mussten gescannt werden. Leider bekamen wir nicht direkt morgens einen Termin, so dass wir die Herde nach dem Melken nicht im Vorwartehof halten konnten. Die Kühe waren gerade mal zwei Stunden im Paddock und grasten friedlich, als Tom und ich wieder mit dem Quad angedüst kamen. Da sie es nicht gewohnt sind zu dieser Zeit erneut aus dem Paddock getrieben zu werden, war es schon eine echte Herausforderung 50 Kühe von der Herde zu separieren und erneut Richtung Melkstand zu treiben.

An der Rückwand des Melkhauses befindet sich der Behandlungsstand und der Vorwartehof ist so konzipiert, dass man mittels Schwenktoren vier verschiedene Areale abteilen kann. Wir trieben die 50 Kühe in den ersten Wartebereich und bereiteten alles für den Scan vor. Tom wollte außerdem ein paar Kühen eine Salmonellen-Impfung verabreichen und präparierte die Impfstoffe und Spritzen. Zwischenzeitlich war auch der Tierarzt angekommen, der den Scan durchführt. Er hat ein mobiles Ultraschall-Gerät, welches er für die Anwendung an den Kühen auf dem Rücken trägt. Die Sonde, welche mit dem Arm rektal in die Kuh eingeführt wird, überträgt die Ultraschall-Bilder in eine Sichtbrille, die der Tierarzt direkt über den Augen trägt. So kann er während der Anwendung direkt eine Aussage über den Trächtigkeitsstatus der jeweiligen Kuh treffen. Ziel ist es mit Hilfe des Trächtigkeitsscan eine genaue Aussage zu erhalten, wie viele Kühe tragend sind und wie viele eben nicht.

Da das Ergebnis dieses Scans den Erfolg des Betriebs in punkto Fruchtbarkeitsmanagement widerspiegelt und damit im hiesigen System auch als eine wirtschaftliche Prognose für nächstes Jahr angesehen werden kann, ist es völlig verständlich, dass Tom an diesem ganzen Tag ganz schön gestresst war. Auch wenn er zum Winter hin einige Kühe verkaufen muss, da er im Stall nicht genügend Liegeboxen und zudem die 40 Färsen hat, wird natürlich angestrebt, dass alle Kühe tragend sind und termingerecht im nächsten Frühjahr abkalben können. Aber da die Brunstbeobachtung auf der Weide eine ganz andere Herausforderung darstellt, als bei der ganzjährigen Stallhaltung und durch den engen Abkalbezeitraum im Frühjahr auch der Besamungszeitraum entsprechend knapp bemessen ist, wird sich nun zeigen wie viele Kühe erfolgreich besamt worden sind.

Meine Aufgabe war es die Tiere vorzubereiten, in den Behandlungsstand zu treiben und die Gruppen zu wechseln, was genauer gesagt bedeutet an drei Orten gleichzeitig zu sein. Da sowohl die Färsen als auch die Kälber an diesem Tag aufgrund des Weideplans auch noch auf den weiter entfernten Paddocks grasten, verbrachte ich den Großteil des Tages auf dem Quad mit dem Holen und Bringen der Tiergruppen. Im Wartebereich angekommen sprang ich dann direkt übers Gatter, um die Kühe nach und nach in den Behandlungsstand reinzutreiben. Da die aber leider genau wussten, dass sie dort nichts Schönes erwartet, war das gar kein so leichter Job und teilweise auch nicht gerade ungefährlich. Da ich aber genug Erfahrung mit Rindern habe und die Herde mittlerweile kenne, lief alles nach Plan. Der Scan durch den Tierarzt dauert nur wenige Sekunden und so musste ich immer auf der Hut sein, schon direkt die nächste Kuh für den Behandlungsstand zu separieren. Während ich nur die Wochenangaben der Trächtigkeit oder eben „no calf“ hörte und die Tiere nachtrieb, verabreichte Tom die Impfung und seine Frau Evelyn notierte alle Infos in der Herdenliste.

Um alle 140 Rinder zu schaffen mussten wir sehr zügig arbeiten und so hatte ich leider kaum Gelegenheit in Ruhe das Scannen zu verfolgen oder mehr Fotos zu machen. Trotz des immensen Arbeitspensums versuchten wir so stressfrei wie möglich mit den Kühen zu arbeiten. Toms Anweisung lautete immer: „Be gentle with them!“ und so scannten wir zügig, aber behutsam die 140 Rinder.

Das Resultat des diesjährigen Scans war dann eher durchwachsen: 14 von 100 Kühen sind nicht tragend. 7 davon sind alte Kühe, die sowieso zum Winter hin verkauft werden. Über die anderen 7 ärgerte sich Tom allerdings etwas. Anders als in Deutschland können diese Tiere nicht einfach nachträglich besamt werden. Um den Rhythmus des hiesigen Systems einzuhalten, können diese Kühe erst nächstes Jahr zusammen mit den anderen Kühen wieder besamt werden. Tom wird diese 14 Kühe und darüber hinaus noch ein paar tragende Kühe in den nächsten Wochen verkaufen. Für die Trächtigen wird er wohl einen guten Preis aushandeln können. Die Nicht-Tragenden wird er anderen Milchviehbetrieben verkaufen, die dann im nächsten Jahr versuchen die Kühe trächtig zu bekommen. Es geht also keine Kuh direkt zum Schlachter. Nur leider muss auch meine Lieblingskuh den Betrieb verlassen, da sie ebenfalls nicht tragend ist. Aber dafür sind ja die 40 Färsen in topform und „startklar“ fürs nächste Jahr. So ist das nun mal in der Landwirtschaft.