Embryonen aus der Gebärmutter ausgespült

Nach unzähligen Spritzen für die sehr „schlagfertige“ Stella Roy hatte das tagelange Warten endlich ein Ende und die Spannung stieg sowohl bei meinem Chef als auch bei mir. Am Mittwochmorgen wurde ich dann richtig nervös. Der Techniker sollte im Laufe des Morgens erscheinen um die Kuh zu spülen. Während Louie und ich auf ihn warteten, gab es schon ein kleines Highlight: Ich habe meine erste Kuh besamt, ohne Hilfe und ohne Kontrolle 🙂 In den letzten Tagen hatte ich noch einige Probleme, da mein Arm immer nach einiger Zeit taub wurde. Dann ist es, zumindest für mich, unmöglich den Cervix zu halten. Ein weiteres, großes (oder eher kleines!) Problem ist, dass ich mit meinen 5,43 Fuß (1 foot= 0,3048 m –> 1,655 m) einfach zu klein für die ganz großen Damen hier in Kanada bin!

Kurz vor der Mittagspause kam der weiße Transporter auf den Hof gerollt.
Um eine möglichst hohe Embryo-Ausbeute zu haben, muss eine sehr starke Brunst eingeleitet werden. Die sogenannte Superovulation stellt eine follikelstimulierende Hormonbehandlung dar. Sie muss in der Zyklusmitte begonnen werden (Tag 8 – 14). Deshalb ist ein stabiler Brunstzyklus des Spendertieres notwendig. Außerdem muss ein funktionsfähiger Gelbkörper am Eierstock vorhanden sein. Die Superovulation kann frühestens nach der zweiten deutlich sichtbaren Brunst nach dem Abkalben eingeleitet werden. Bei Tieren mit sehr hoher Leistung oder Gesundheitsschwierigkeiten wie z.B. Stoffwechselprobleme, Lahmheiten und Störungen an den Eierstöcken muss oft noch wesentlich länger gewartet werden.

Am Tag 7 nach der Befruchtung werden dann die Embryonen aus der Gebärmutter der Spenderkuh ausgespült und auf zyklussynchrone Empfängertiere übertragen oder für Transfere zu späteren Zeitpunkten tiefgefroren. Das Spülen selbst dauerte nur etwa eine viertel Stunde. Hier kann noch keine Aussage über den Erfolg gemacht werden. Der Vorgang beschränkt sich auf das Spülen einer Flüssigkeit aus einem Behälter durch die Gebärmutter/ Eileiter in einen anderen Behälter. Im Transporter wird die erhaltene Flüssigkeit dann durch ein sehr feines Netz geschüttet. Die erhofften Embryos werden von diesem „Sieb“ gehalten, der Rest wandert in den Abfluss. Danach wird das Netz mit den Embryonen ausgespült und in einem kleineren Behälter aufgefangen.

Anschließend kommt das Mikroskop zum Einsatz. Dort wird nach den winzigen Embryonen gesucht. Wird ein Embryo gefunden, wird er mit einer Pipette in die nächste Schale transportiert. Dieser Vorgang dauert, vor allem wenn man ganz gespannt auf das Ergebnis ist, einfach viel zu lange. Sobald die Suche beendet ist, beginnt die Selektion zwischen guten und schlechten Embryonen. Die schlechten Embryonen sind tot und können nicht für einen Embryotransfer verwendet werden. Die lebensfähigen, einsetzbaren Eier unterscheiden sich weiterhin in zwei Arten: Einige der gewonnenen Embryonen sind nicht gefrierfähig und müssen daher sofort in ein Empfängertier eingesetzt werden. Der Großteil ist jedoch gefrier- und transportgeeignet und wird dann darauf vorbereitet. Die Trächtigkeitsrate liegt bei Embryotransferen bei 70 %.

Auf meine Frage, ob eine Geschlechtsbestimmung jetzt schon möglich wäre, antwortete mir der Techniker, dass die Möglichkeit zwar bestünde, dieses aber die Wahrscheinlichkeit einer Trächtigkeit auf 30 % reduzieren würde. Nach der Selektion durfte ich auch einen Blick durchs Mikroskop werfen. Er erklärte mir genau, welche Embryonen „gut“ und welche „schlecht“ sind.

Von Stella erhielten wir insgesamt 12 Embryonen. Davon waren 4 ungeeignet, ein Embryo wurde in eine Empfängerkuh eingesetzt und die anderen 7 wurden tiefgefroren. Der Durchschnitt aller Spülungen liegt bei 7 Embryos, wir liegen also genau richtig. Von den tiefgefrorenen Embryonen werden demnächst 5 nach Deutschland exportiert. Dann heißt es, wie bei jedem Embryotransfer: Hoffen und bangen, dass die Kühe tragend werden und mindestens ein weibliches Kalb ausgetragen wird!

Nach diesem spannenden Tag folgte am Donnerstag die im 3- wöchigen Rythmus stattfindende Trächtigkeitskontrolle. Dafür kommt der Tierarzt und untersucht die Kühe und Rinder auf ihren Trächtigkeits- oder Zyklusstand. Er hat ein mobiles Ultraschall-Gerät, welches er seitlich am Körper in einer Tasche trägt. Die Sonde wird dann mit dem Arm rektal in die Kuh eingeführt und überträgt die Ultraschall-Bilder in eine Sichtbrille. Es wurden 9 Rinder untersucht, zur Freude von Louie waren alle tragend. Bei den Kühen waren nur 5 von 12 untersuchten Tieren positiv, unter anderen auch mein Liebling Gogo. Leider hatte ich an diesem Tag meine Kamera nicht parat. Wie der Ultraschall-Scanner aussieht, könnt ihr euch jedoch in dem neuesten Bericht von Desiree anschauen.