Schwieriger Start in die Zuchtsaison

In den vergangenen Wochen haben sich die Arbeitsabläufe auf der Farm aufgrund neuer Arbeitsschwerpunkte komplett verändert. Bis auf zwei Kühe haben alle Tiere abgekalbt, so dass wir derzeit 106 Kühe melken was im alten Melkstand leider gute 2 Stunden dauern kann. Parallel haben wir in den letzten Tagen viele Kälber verkauft und einen Großteil der weiblichen Nachzucht ausgestallt.

Wegen des hiesigen Weidesystems mit saisonaler Abkalbung im Frühjahr liegt der Fokus nun auf dem Fruchtbarkeitsmanagement. Oberste Priorität ist es, alle Tiere zeitgleich wieder tragend zu bekommen, damit diese im nächsten Frühjahr gemeinsam und möglichst zügig abkalben. Eine gute Abkalbesaison im Frühjahr ist ausschlaggebend für den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes, denn je eher die Tiere abkalben, desto eher können diese ausgestallt werden. Ziel ist es alle Tiere ab Februar, spätestens März auszustallen um einen guten Start in die Weidesaison zu erhalten und die vorhandenen Graslandressourcen von Anfang an voll auszuschöpfen.

Wie in meinen vorherigen Berichten bereits erwähnt, sehen die Iren den Stall eher als eine Kompromisslösung für die düsteren Wintermonate an, in denen ihnen aufgrund der Witterungsverhältnisse keine andere Alternative übrig bleibt, als die Tiere aufzustallen. Das Herz eines jeden irischen Farmers lebt mit der Minute auf, in der die Tiere zum ersten Mal draußen auf dem Weideland gehalten werden. So war auch Tom im März zunächst hocherfreut über einen guten Start in die diesjährige Weidesaison. Leider schlug das Wetter im April jedoch in typische, irische Regenperioden um, so dass das Gras seit drei Wochen nicht mehr ausreichend aufwächst und wir uns derzeit in einem Fütterungsdefizit befinden.

Als Gegenmaßnahme haben wir zunächst die Paddocks, welche wir eigentlich für den Silageschnitt zurückhalten wollten, beweidet und auf besseres Wetter gehofft. Da sich das Wetter jedoch leider nicht gebessert hat, mussten wir letzte Woche Silage zufüttern um das Energiedefizit auszugleichen. Die Herde wird nun also täglich nach dem Melken für zwei Stunden zum Silage fressen in den Stall und anschließend auf die Weide gelassen. Da die Böden aufgrund der anhaltenden Regengüsse jedoch sehr aufgeweicht sind, müssen wir die Herde fast täglich auf einen Paddock schicken um Trittschäden bestmöglich zu vermeiden.

Die parallele Stall- und Weidehaltung verursacht derzeit einen immensen Arbeitsaufwand und der eigentliche Fokus sollte nun nicht im Fütterungsmanagement, sondern im Fruchtbarkeitsmanagement liegen. Durch die Gras-Problematik auf der Farm befinden sich die Tiere derzeit in einer enormen Stress-Situation. Neben der Tatsache, dass sie draußen mit Wind und Wetter kämpfen und wegen des fütterungsbedingten Energiedefizits anfälliger für Stoffwechselerkrankungen und Mastitiden sind, sollen sie parallel fruchtbar sein und möglichst schnell wieder tragend werden. Über diese Herausforderung und der anhaltenden Gras-Problematik auf Farm werde ich demnächst berichten.