Schock vor der Holstein-Show: STELLA Roy hat Mastitis

Das war sie also, die Paris Fair. Ich habe nun ein paar sehr stressige und mal mehr, mal weniger erfolgreiche Tage hinter mir.

Am Montag wusch ich alle Kühe und Kälber, die zur Fair gehen sollten. Dieses Mal reichte das schnelle Abspülen des groben Schmutzes nicht aus, bewaffnet mit Seife (Orvus) und Bürste ging ich also ans Werk . Das dauerte, im Gegensatz zu den wenigen Minuten in den letzten Wochen, sehr lange. Am Abend begannen Steve und Mike dann mit dem Scheren. Die meisten Kälber wurden zum Glück schon bei einem Übungstag der Jungzüchter geschoren, die Kühe hingegen mussten sich in Geduld üben. Nach und nach verließ dann bis Dienstagabend jede Kuh den Scherstand mit verkürztem Haarkleid.

Am Mittwochmorgen, nach der Stallarbeit, fuhr ich mit Steve zum Schau-Gelände. Dort wartete mal wieder jede Menge Arbeit auf uns. Zuerst mussten die Betten für die Kühe hergerichtet werden. Wir benötigten dafür 3 Rundballen Stroh, die zuerst auseinander geschüttelt werden mussten. Die Strohschicht war teilweise über einen Meter hoch. Mein mühsam angefertigtes Werk wurde danach mit der Strohgabel wieder auf eine etwa 30 cm dicke Schicht heruntergeklopft. Anschließend montierten wir Tränken für die Kühe. Steve erklärte mir, dass es zwar lästig sei, die Tränken immer an- und abzubauen, damit erspare man sich aber während der Betreuunng der Tiere das Schleppen von Wassereimern und hat Zeit für andere Arbeiten.

Gegen Mittag brachte Nick die ersten Kühe. Mit dem Anhänger des Betriebes können nur 2 Kühe transportiert werden. Deshalb half ein Freund von ihnen aus, er brachte die restlichen 6 Kühe. Im Laufe des Tages kamen dann auch die Rinder und Kälber an. Insgesamt wurden dann 30 Tiere von uns betreut, da in unseren Reihen auch einige Tiere eines anderen Züchters standen.

Mike kümmerte sich in der Zwischenzeit um das Futter. Um die Kühe bei Laune zu halten und den Pansen möglichst gut zu füllen, wurden 3 verschiedene Sorten Heu benötigt. Der 1. Schnitt wurde am Mittwoch verfüttert, mit dem schmackhafteren 2. Schnitt begannen wir am Donnerstagmittag. Zusätzlich hatten wir einen Rundballen Silage (in etwa mit der selben Feuchtigkeit wie das Gras in Deutschland). Diese war zwar nicht sehr strukturreich, wurde von den Kühen aber umso lieber gegessen. Mir wurde vorher erklärt, wann welches Futter genutzt wird. Es ist wichtig, zuerst das weniger schmackhafte Heu zu füttern, damit die Kühe nicht ´verwöhnt´ werden. Zusätzlich zu dem Heu bekamen die Tiere Trockenschnitzel (in Wasser aufgelöst), sowie verschiedene Korn- und Kraftfutterarten. Unmittelbar vor der Show hieß es dann: Alles testen, Heu und Silage im Wechsel, so viel Trockenschnitzel wie möglich und die Kälber möglichst oft zum Wasserbecken führen. Nun aber zurück zur Show-Vorbereitung: Es lief alles nach Plan, der Melkplan wurde sehr gut eingehalten, die Kühe fühlten sich wohl in ihrem Wellness-Bett.

Dann kam jedoch der riesen Schock: Die mit 6 Jahren älteste Kuh in unseren Reihen, Hylltop STELLA Roy, eine excellente Roy-Tochter, hatte eine starke Mastitis, ihr rechtes Hinterviertel war komplett angeschwollen und erhitzt, beim Anmelken kamen nur Flocken. Neben dem Schock kamen auch riesige Fragezeichen in unsere Gesichter, wurde STELLA doch 6 Stunden zuvor problemlos gemolken. Mit einer guten Dosis Penicillin und viel Eutersalbe versuchten wir dann zu retten, was nicht mehr zu retten schien. Es hieß also, hoffen und bangen, dass innerhalb von 24 Stunden die Schwellung zurück geht und sie doch an der Schau teilnehmen kann.

Was ich beim Üben in den letzten Wochen schon immer gemerkt habe: Diese Kuh ist eine Kämpferin. Und das bestätigte sich nun wieder: Keiner kann sich erklären, warum und wieso, am Donnerstag ging nach und nach die Schwellung zurück, ihr Euter füllte sich gleichmäßig mit Milch und sie fühlte sich anscheinend pudelwohl.

Nach einer sehr kurzen Nacht begannen wir um 5:30 Uhr mit dem Waschen der Tiere. Mit viel Kaffee, Donuts, Muffins und Musik haben Dave (der älteste Sohn von Louie) und ich dann innerhalb von 6 Stunden 30 Tiere gewaschen. Das war am Ende echt sehr mühselig, wurde uns doch nach 20 Tieren schon gesagt, dass nun die letzten zwei kämen. Da allerdings die Jungzüchter auf sich warten ließen, fingen wir schonmal mit dem Säubern ihrer Tiere an. Als auch diese dann fertig waren und die Zahl 30 erreicht war, erschienen die Ersten, putzmunter und gut gelaunt. Wie sollte es auch anders sein? Bei hohen Temperaturen am Morgen und natürlich ohne Sonnencreme ausgestattet, kam ich leider auch der Sonne nicht gnadenlos davon und habe jetzt einen schönen, roten Teint.

Fortsetzung folgt …