Schluss mit den klassischen Bewerbungsratgebern!

Nichts ist demotivierender als ein Job, der nicht zu einem passt. Im Auswahlverfahren zählen ehrliches Interesse und keine abgegriffenen Phrasen! Hier sind die Punkte, worauf es wirklich ankommt.

Wer viele der gängigen Bewerbungsratgeber studiert, gewinnt den Eindruck, als seien Personaler Menschen, die Bewerber durch möglichst hinterlistige Fragen von der ihnen eigentlich zustehenden Karriere abhalten wollen. Ratgeber dieser Machart liefern dann Musterantworten, auf die angeblich typischen Fragen und erwecken den Eindruck, man könnte durch vorbereitete Antworten einen positiveren Eindruck von sich vermitteln, als wenn man spontan oder ehrlich antworten würde.

Also lieber nicht spontan und ehrlich antworten?!

Eine solche Philosophie für Bewerbungsgespräche ist gelinde gesagt Blödsinn. Vorformulierte Musterantworten werden bei den Interviewern nie das Gefühl aufkommen lassen, einem Bewerber wirklich nahegekommen zu sein und ihn persönlich verstanden zu haben. Dies ist aber genau das, was Personalexperten sich im Gespräch wünschen. Hierbei geht es nicht in erster Linie um das „Aufspüren von Schwächen“, sondern darum, dass Bewerber und Tätigkeit zueinander passen. Dies ist auch im Sinne der Kandidaten sinnvoll, denn nichts kann quälender und demotivierender sein, als sich in einem Job wiederzufinden, der eigentlich nicht wirklich zu einem passt oder in dem man sich konstant überfordert fühlt.

5 Punkte, auf die es wirklich im Bewerbungsgespräch ankommt

Ein Interview ist keine Theatervorstellung, in der es darum geht, ein ganz bestimmtes Image von sich zu vermitteln. Authentizität bringt typischerweise hohe Sympathiefaktoren. Wer zu seinen Misserfolgen steht, zu Dingen, die mal nicht so gut geklappt haben oder die man nicht so gut kann, ist in seinen Stärken und Erfolgsfaktoren sofort glaubwürdiger.

Viele Klischees über Bewerbungsgespräche sind schlichtweg Blödsinn
Viele Klischees über Bewerbungsgespräche sind schlichtweg Blödsinn. Um den richtigen Job zu finden, sollten
sich Bewerber selbst gut kennen und sagen, worauf es ihnen ankommt.

Wenn Sie bei einem Unternehmen anfangen, stellt man Sie typischerweise für Ihre Motivation und für Ihr Potenzial ein und nicht für das Know-how, das Sie schon mitbringen. Viele Kompetenzen werden Sie durch die Tätigkeit erst entwickeln. Ihr Potenzial liegt dabei vor allem in Ihrer Motivation. Deshalb sollten Sie vermitteln können, dass Sie Lust auf Herausforderungen haben und dass Sie bereit sind, die Extra-Meile zu gehen, wenn es nötig ist. Viele Fähigkeiten können Sie im Berufsleben noch erwerben. Ihre Motivation und Ihre Energie sind hingegen Voraussetzungen, die Sie mitbringen müssen.

Je ambitionierter Ihre Karrierevorstellungen sind, umso mehr von den genannten Aspekten sollten Sie mitbringen und im Interview auch durch gute Erfahrungen und Beispiele aus Ihrem bisherigen Lebensweg nachweisen können.

Kein Mensch hat ausschließlich Stärken. Stärken und Schwächen verhalten sich oftmals spiegelbildlich zueinander. Wer ein pragmatischer, flexibler, abenteuerlustiger und kreativer Freigeist ist, ist selten ein detailorientierter Zahlen-Freak, der mit absolutem Perfektionismus auch noch die fünfte Nachkommastelle gesichert haben will. Wer ein liebenswürdiger, harmonieorientierter, hilfsbereiter, wohlwollender und im zwischenmenschlichen Umgang großzügiger Mensch ist, besitzt vermutlich nicht das Profil zum knallharten Sanierer, der unter Umständen eine Reihe von „Grausamkeiten“ begehen muss. Das Gleiche gilt übrigens in beiden Beispielen auch umgekehrt! Viele Bewerbungsratgeber empfehlen, dass man Schwächen in einer Art und Weise formulieren müsste, dass sie eigentlich wie Stärken wirken oder aber als nicht besonders relevant erscheinen. Daraus folgen dann Aussagen wie: „Ich bin oft zu ungeduldig“, was dann angeblich gleichzeitig ein Beleg für besondere Energie und Umsetzungsorientierung sein soll. Wir kennen keine Personaler, die bei einer solchen Selbstbeschreibung nicht innerlich mit den Augen rollen und sich gelangweilt fühlen. Seien Sie ehrlich mit sich. Extreme Stärken in einer Kompetenz haben fast immer auch eine „Kehrseite“. Das muss nicht verschwiegen werden. Für die Frage, welche Aufgaben und Tätigkeiten am Ende wirklich zu Ihnen passen, müssen Sie sich in dieser Hinsicht kennen. Was Personaler in einem Auswahlgespräch wirklich schätzen, ist der Eindruck, dass Bewerber tatsächlich über das eigene Profil reflektieren können und eine realistische und durch gute Beispiele belegbare Selbsteinschätzung mitbringen.

Werden Sie sich darüber klar, was Sie sich wünschen. Natürlich werden viele Personaler Sie im Auswahlgespräch fragen, was für berufliche Ziele Sie anstreben und wie Sie sich Ihre berufliche Entwicklung vorstellen. Die meisten Personaler wissen aber bei dieser Frage genau, dass die Antwort des Berufseinsteigers noch keine fundierte Festlegung sein kann, da dafür schlichtweg Erfahrung und Weitblick fehlen. Bei dieser Frage geht es vielmehr darum festzustellen, wie ehrgeizig Sie für sich in die Zukunft schauen oder in welchen Arten von Aufgaben und Rollen Sie sich selbst sehen können. Auch hier ist ein ehrlicher Blick im eigenen Interesse. Es macht wenig Sinn, bei einer solchen Frage schon die Ambition auf eine Rolle in der Geschäftsführung anzumelden, wenn eine steile Karriere gar nicht wirklich angestrebt wird. Gleichzeitig ist es nicht schlimm, wenn man sich eher mit moderater Geschwindigkeit entwickeln will. Denn die Firmen brauchen ja nicht nur zukünftige Top-Manager, sondern auch solide Experten und Fachleute.

Nur dort bewerben, wo echtes Interesse bestehtWenn Sie sich auf Ihr Bewerbungsgespräch gut vorbereiten wollen, dann gibt es neben der Selbstreflexion, die die Voraussetzung für die vorangegangenen Tipps ist, trotzdem einen Punkt, den man sich wirklich erarbeiten kann und muss. Personaler gehen zunächst einmal davon aus, dass Sie sich in denjenigen Unternehmen bewerben, für die Sie ein echtes Interesse mitbringen. Und dieses Interesse belegen Sie am besten dadurch, dass Sie auf das Gespräch gut vorbereitet sind. Natürlich sollten Sie sich ausführlich über das Unternehmen erkundigen und verstanden haben, womit sich Ihr späterer Arbeitgeber beschäftigt, in welchen Märkten er tätig ist und welche Herausforderungen auf das Unternehmen zukommen. Gleichzeitig zeigen Sie Interesse aber auch dadurch, dass Sie kluge Fragen mitgebracht haben, aus denen man herauslesen kann, dass Sie sich mit der Firma beschäftigt haben.

Bei Bewerbern, die das überhaupt nicht tun, kann man als Personaler gar nicht anders, als zu schlussfolgern, dass das Interesse und die Motivation, wirklich in diesem Unternehmen anzufangen, nicht besonders hoch ausgeprägt ist.

Unsere Autoren:
Michael Paschen ist Geschäftsführer der Personalberatung Profil M in Wermelskirchen,
Cord Brandes ist Personalleiter des Landwirtschaftsverlages Münster-Hiltrup

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