Nach dem Praktikum in Kanada geht’s jetzt nach Neuseeland

Hallo, mein Name ist Bettina Hueske, ich bin 19 Jahre alt. Ich wohne im westlichen Münsterland, genauer gesagt in Südlohn, etwa 10 km von der holländischen Grenze entfernt. Aufgewachsen bin ich dort auf dem Milchviehbetrieb meiner Eltern, auf dem zurzeit 90 Holstein- Kühe gemolken und 40 ha bewirtschaftet werden.

Als ich vor vielen Jahren angefangen habe, über ein Auslandpraktikum nachzudenken, waren schon immer zwei Ziele in meinem Kopf. Sowohl Kanada/USA als auch Australien/Neuseeland haben meine Neugierde auf die dortige Landwirtschaft geweckt. Die Entscheidung, in welches Land ich nun reisen sollte, war aufgrund jeweiliger Vorzüge fast unmöglich zu treffen. Amerika war für mich vor allem dadurch ein großer Wunsch, da dort die besten Kühe der Welt gemolken und zur Schau gestellt werden.

Auch der Zeitpunkt eignete sich perfekt, da im Herbst immer die große Schausaison beginnt und ich dann mit Sicherheit viele Erfahrungen im Bereich Zucht und Exterieur sammeln könnte. Andererseits war für mich, wie wohl für die meisten Menschen, Australien bzw. Neuseeland ein Traumziel, da die vielfältige Landschaft schon auf Bildern faszinierend aussieht. Außerdem ist immer wieder die Rede vom neuseeländischen „Low- Cost“- System und der ganzjährigen Weidehaltung. Was genau das bedeutet, und was sich dahinter verbirgt, kann man, denke ich, nur durch eigene Erfahrungen herausfinden.

Da ich Weihnachten 2011 auf jeden Fall zuhause bei meiner Familie verbringen wollte, kam dann irgendwann die Idee, von August bis Weihnachten nach Amerika zu gehen, anschließend einen „Heimaturlaub“ über den Jahreswechsel zu machen und dann meine Auslandstour am anderen Ende der Welt fortzusetzen. Was erst nur gedankenlose Worte waren, reifte dann im Frühjahr 2011 zum handfesten Plan an: 10 Monate im Ausland sollten es werden, die erste Hälfte verbrachte ich in Kanada und jetzt geht’s einmal um den halben Globus nach Neuseeland.

Nach meiner im Jahr 2008 begonnenen 3- jährigen Ausbildung zur Landwirtin habe ich mich also im August 2011 im Rahmen des Gesellenjahres auf den Weg nach Kanada gemacht, um dort Eindrücke von der Arbeitsweise, der Mentalität der Bewohner, der Kultur und nicht zuletzt von der Holsteinzucht zu bekommen. Meine Erlebnisse und Erfahrungen habe ich damals schon in einem Tagebuch hier bei top agrar gesammelt. Auch wenn zwischendurch eigentlich die Zeit fehlte, war es wirklich gut, zeitnah Berichte über die Geschehnisse zu schreiben. Man behält zwar grundsätzlich wohl die Highlights eines Auslandspraktikums im Gedächtnis, aber bei den Einzelheiten muss man meist nach einigen Tagen bzw. Wochen schon stark überlegen.

Über die Weihnachtstage habe ich zwischendurch in meinen alten Aufzeichnungen geblättert und gestaunt, welche Details ich schon nach so kurzer Zeit wieder vergessen hatte. Vor allem aus diesem Grund möchte ich hier mit einem neuen Tagebuch beginnen und das 22.000 km entfernte Neuseeland ein Stückchen näher an meine Heimat heran bringen.

Meine Erwartungen an mein zweites Auslandspraktikum sind eigentlich kaum zu beschreiben. Nach meiner abwechslungsreichen Zeit in Kanada wird es in Neuseeland mit Sicherheit zumindest arbeitsmäßig nicht mehr so vielfältig werden. Ich freue mich jetzt schon riesig auf das Land bzw. die Landschaft. Von meinen kanadischen Gasteltern weiß ich, dass die Bewohner Neuseelands einen etwas anderen und wahrscheinlich gewöhnungsbedürftigen Akzent haben. Ich bin mal gespannt, wie ich damit zurechtkommen werde.

Über meine Arbeitsstelle selbst weiß ich bisher fast noch nichts. Die einzigen „Details“, die ich vorher schon erfahren habe, sind, dass mein Betrieb etwa 2000 Kühe hält, saisonal abkalben lässt und die Tiere auf ganzjährige Weidehaltung eingestellt sind. Außerdem arbeiten immer mehrere Praktikanten aus Ländern von der ganzen Welt auf dem Betrieb. Diese wohnen in kleinen Häusern in der Nähe von der Farm. Beim letzten E- Mail- Kontakt mit meiner Chefin wurde mir schon mitgeteilt, dass ich zusammen mit einem Brasilianer und einem Schweizer in einem Haus leben werde.

Nachdem zuhause nach der Wiedersehensfreude und den Weihnachtsfeiertagen allmählich die Arbeitsroutine eingekehrt war, hieß es 4 Wochen später schon wieder Koffer packen und Abschied nehmen. Am 23. Januar begann meine lange Reise und mein zweites Abenteuer konnte beginnen.