Junge Agrarier im Ausland

Stöber durch die Tagebücher unserer Praktikanten in Neuseeland, Australien, USA…

Unsere Praktikanten waren auf den verschiedenen Kontinenten unterwegs und haben internationale landwirtschaftliche Erfahrung sammeln können.
Schaut vorbei und erfahrt, wie der Reisanbau in Kenia funktioniert oder wie der Alltag auf einem kanadischen Ackerbaubetrieb abläuft.

Russisches Ernteroulette – mit Dominik Schmitz

Dominik Schmitz
Dominik Schmitz (29) aus Birkenhausen in Bayern.

Dominik Schmitz

Eigentlich zog es mich 2013 nach Afrika oder China. Erst durch einen spannenden Vortrag an der Fachhochschule in Triesdorf war ich auf Russland aufmerksam geworden. Einige Monate später stand ich nach vier Flug- und neun Autostunden mitten in Sevsk. Das ist eine Kleinstadt im Westen Russlands in der Nähe der ukrainischen Grenze und auch nicht weit von Weißrussland. Der Agrarbetrieb, auf dem ich arbeitete, war ein reiner Ackerbaubetrieb mit fast 30.000 ha Fläche. Angebaut wurden Weizen, Raps, Gerste, Lupinen, Soja, Sonnenblumen und Mais.

Zu Beginn half ich mit bei der Wartung der Druschtechnik. Schon bald schulte ich die Drescherfahrer und gab ihnen Tipps, wie sie ihre Maschinen optimal einstellen und fahren. Verständigt haben wir uns mit Zettel und Stift. Jeden Tag kamen ein paar russische Wörter hinzu und nach und nach konnte ich auch die 33 kyrillischen Buchstaben lesen (Anm. der Red: Russland schreibt kyrillisch). Nach einigen Wochen bekam ich die Chance, eine ganze Ernteeinheit zu organisieren. Dazu gehörten vier Mähdrescher, ein Überladewagen und zahlreiche LKWs für die Abfuhr.

Ich habe Russland und die Russen als überaus gastfreundlich und herzlich kennengelernt. Inzwischen war ich schon fünf Mal dort. Anfangs ist man als Deutscher und Westeuropäer sehr voreingenommen und hat ein völlig falsches Bild. Heute verstehe ich das Land besser und sehe vieles anders als vor meiner ersten Reise. Das Praktikum hat mich persönlich weitergebracht. Ich habe viel über Anbaustrategien, Betriebswirtschaft, Unternehmensorganisation und Mitarbeiterführung gelernt. Davon zehre ich noch heute.
Благодарю тебя, Россия – Danke Russland.

Kartoffeln down under – mit Theresa Ottmann

Theresa Ottmann
Theresa Ottmann (26) aus Saerbeck in Nordrhein-Westfalen.

Theresa Ottmann

Nach meinem ersten Auslandsaufenthalt in Kanada auf einem Betrieb mit Ackerbau, Schafen und Pferden war mir klar: Ich muss nochmal los. Im Rahmen des Studiums ist das am ehesten möglich. Von August 2016 bis kurz vor Weihnachten reiste ich durch Australien mit einem kurzen Abstecher nach Neuseeland. Zuerst mit einer Freundin, dann allein. Aber richtig allein ist man als Backpacker – also Rucksack-Reisender – eigentlich nie. Die jungen Menschen kommen aus allen Ländern. Immer wieder trifft man auch Deutsche.
Zwei Monate arbeitete ich auf einer Farm. Den Betrieb habe ich mir vor Ort gesucht. Das war schwieriger als gedacht: Die meisten Betriebe suchten Leute für mindestens drei Monate. Für die Suche nach Arbeitsplätzen gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Online-Plattformen (z. B. www.gumtree.com.au) und Agenturen, die bei der Vermittlung von „Kurzzeitmitarbeitern“ hilfreich sind. Über eine Bekannte bin ich schließlich auf einer Kartoffelfarm auf Kangaroo Island an der Südküste gelandet. Die Insel ist für tolle Landschaften und eine große Vielfalt an Pflanzen und Tieren bekannt.

Durch das milde Klima ernten sie zwei Mal im Jahr. Deshalb sind sie auf den Flächentausch mit benachbarten Betrieben angewiesen. Das ist anspruchsvoll. Der Boden ist „steinreich“. Daher benötigen die Locks am Sortierband viele helfende Hände. Neben vier festen Mitarbeitern waren insgesamt zehn Backpacker im Einsatz. Wir waren ein bunt gemischtes Team mit Leuten aus Argentinien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden. Das hat mich bereichert, weil man von jeder Kultur etwas lernen kann.
Zum Glück arbeitete neben mir nur noch eine andere Deutsche auf der Farm. So war ich „gezwungen“ mich auf die anderen Nationalitäten einzulassen. Denn wenn mehrere Mitarbeiter aus dem gleichen Land kommen, ist die Gefahr der Cliquenbildung groß. Und weil man nur Englisch sprechen muss, verbessern sich die Sprachkenntnisse fast automatisch. Jeden Abend haben wir noch mindestens eine Stunde gemütlich zusammengesessen, auch mit der Familie. Dadurch habe ich die Mentalität der Australier kennengelernt: offen, unbeschwert und gesellig. Ich mag das. Aber mit etwas Abstand lernt man auch die so genannten deutschen Tugenden wie Zielstrebigkeit, Verlässlichkeit oder Pünktlichkeit wieder zu schätzen. Ich glaube, wer für längere Zeit im Ausland unterwegs war und Alltag und Lebensgewohnheiten der Einheimischen kennengelernt hat, bekommt durch den Perspektivwechsel eine andere Sicht auf die Welt. Gleichzeitig steigt die Wertschätzung für die Heimat und das Heimatland.

Starkes Afrika – mit Rieke Lehmkuhl

Rieke Lehmkuhl
Rieke Lehmkuhl (27) aus Oldenburg in Niedersachsen.

Rieke Lehmkuhl

Von Anfang Januar bis Ende April 2015 arbeitete ich insgesamt drei Monate auf der Milchviehfarm Stratford in Pietermaritzburg in der Nähe von Durban im Osten des Landes. Auf dem Betrieb stehen 6.500 Milchkühe, verteilt auf drei Standorte.

Darüber hinaus habe ich die Kollegen beim Branding (Brandkennzeichnung der Tiere) und bei der Fruchtbarkeitskontrolle unterstützt und konnte Einblicke in die Organisation (Büro, Mitarbeiter, Finanzen) der Farm nehmen. Die Tiere stehen das ganze Jahr auf der Weide, Ställe gibt es nur für die Kälber. Diese werden hauptsächlich zwischen August und September geboren, in der sog. Calving-Season.
Ich habe in Südafrika gelernt zu improvisieren. Die ständigen Stromausfälle machten das Melken zu einer echten Herausforderung. Teilweise war der Strom für mehrere Stunden weg. Mit diesen Problemen müssen sich deutsche Landwirte zum Glück fast nie beschäftigen.
Trotz dieser und vieler anderer Schwierigkeiten verlieren die südafrikanischen Farmer nie den Mut. Diese Einstellung hat mich sehr geprägt und gibt mir Kraft, wenn es bei mir mal nicht so gut läuft. In Südafrika heißt es dann: Kopf hoch, weitermachen und sich wieder neu motivieren. Davon werde ich noch lange zehren.

Wie die Kiwis melken – mit Anja Waltenberger

Anja Waltenberger
Anja Waltenberger (24) aus Rammingen in Bayern.

Anja Waltenberger

Die ersten drei Monate arbeitete ich in Christchurch in einem Restaurant. Danach ging es auf den Milchviehbetrieb von Mark und Vanessa Shefford nach Waimate. Das liegt an der Ostküste der Südinsel. Die Familie hielt insgesamt 1.100 Milchkühe auf zwei Betrieben, die sie als „Sharemilker“ bewirtschaften. Sharemilkern gehört der Betrieb nicht. Sie erhalten deshalb nur zwischen 10 und 28 % des Milchgeldes. Dafür müssen sie auch einen Teil der Kosten übernehmen, zum Beispiel die für Maschinen und Personal. Die jeweiligen Konditionen (Laufzeit, Milchgeldanteil etc.) werden vertraglich festgelegt.

Während meines Aufenthaltes habe ich auch Betriebe kennengelernt, die es so in Deutschland nicht gibt. Einige Tage konnte ich z. B. auf einer speziellen Wildtier- und Honigfarm mitarbeiten. Die Farm hielt unter anderem 250 Bienenvölker und 150 Hirsche. Auf der Nachbarfarm waren es sogar 3.000 Bienenvölker. Von dort geht der Honig in 150 l-Fässern nach Deutschland. In den letzten Wochen bin ich dann durch Neuseeland „gewwooft“ und habe verschiedene neuseeländische Ökobetriebe kennengelernt. Die „Auszeit“ hat meinen landwirtschaftlichen Horizont erweitert, den Blick für andere Kulturen geöffnet und auch mein Englisch verbessert. Darauf bin ich ziemlich stolz.

Englisch häckseln mit irischem Akzent – Harcke Francksen

Harcke Francksen
Harcke Francksen (21) aus Butjadingen in Niedersachsen.

Harcke Francksen

Nach Abschluss meiner Lehre und dem Fachabitur wollte ich raus und was Anderes sehen. Zuhause haben wir ein Lohnunternehmen, eine Biogas-Anlage sowie einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau, Grünland und Milchproduktion. Über Bekannte habe ich den Kontakt zu den Brüdern Pete und Rich Burbage bekommen. Die beiden (www.prburbage.co.uk) führen seit 1991 ein Lohnunternehmen in der Nähe von Birmingham. Schwerpunkte sind Grasernte, Gülleausbringung und Bodenbearbeitung. Außerdem gibt es eine Biogas-Anlage und eine Fleischrinder-Herde. Das passte ideal zu meinen Interessen und war dem heimatlichen Betrieb nicht unähnlich.

Mit dem Wagen bin ich bis nach Dünkirchen gefahren, mit der Fähre über den Kanal und dann noch vier Stunden weiter Richtung Norden. England war mein erster größerer Aufenthalt im Ausland. Als ich auf der Farm ankam, war bestes Wetter. Pete, Rich und die Angestellten waren im Einsatz und Richs Frau Becky hat mich direkt zum Häcksler gebracht. Nach ein paar Runden hat mich Pete gefragt, ob ich ein Abfahrgespann übernehmen könnte. Ich fand es toll, dass der Chef direkt Vertrauen in meine Arbeit hatte.
Anfangs war es schwierig, alles auf Englisch zu verstehen – vor allem über Funk. Aber wenn keiner Deutsch spricht, hört man sich ziemlich schnell in die neue Sprache rein. Zum Schluss konnte ich selbst den Iren Ian einigermaßen verstehen, was selbst für die Engländer nicht ganz einfach war.
Vier Wochen lang war ich fast täglich im Einsatz. Mein Eindruck: Der Aktionsradius eines britischen Lohnunternehmens ist viel größer als der eines deutschen Berufskollegen. Jedenfalls galt das für meinen Betrieb. Hinzu kommen der Linksverkehr und teils sehr enge Straßen – eine echte Herausforderung. Damit klar zukommen war ein gutes Gefühl. Die Wohnung habe ich mir mit drei anderen Arbeitskräften des Betriebes geteilt. So hatte ich gleich Anschluss und wir konnten abends mal zusammen in den Pub gehen.
Auf jeden Fall habe ich mich persönlich weiterentwickelt. Wenn man allein in der „Fremde“ ist, wird man viel offener gegenüber anderen. Und einen ordentlichen Lohn haben mir Pete und Rich Burbage auch noch überwiesen. Ich möchte unbedingt noch einmal ins Ausland. Im Herbst startet mein Agrarstudium. Dann stehen weitere Auslandspraktika definitiv auf meiner Liste.

Abenteuer Afrika – Markus Schulte-Uebbing

Auslandstagebuch-Afrika-Markus-Schulte-Uebbing

Hallo, mein Name ist Markus Schulte-Uebbing, ich bin 21 Jahre alt und komme von einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb aus Dortmund. In direkter Nähe zum Ruhrgebiet bin ich aufgewachsen und mit der Landwirtschaft schon früh in Berührung gekommen. Bereits in jungen Jahren habe ich zu Hause sehr gerne geholfen und durch fortlaufende Erfahrungen immer mehr Verantwortung übernommen.

Abenteuer Australien 2014 – Maximilian Adami

Maximilian Adami

Dann will ich mich mal vorstellen:
Hallo, mein Name ist Maximilian Adami. Ich bin 21 Jahre alt, komme aus Butzbach in Hessen und absolviere momentan ein Auslandspraktikum in Westaustralien.

Saskatchewan, Kanada – Max Graff

Max Graff Kanada

Ich heiße Max Graff, bin 24 Jahre alt und studiere Nutzpflanzenwissenschaften im dritten Master Semester an der Universität Bonn. Anfang August werde ich von Frankfurt aus in den Süden der kanadische Provinz Saskatchewan starten und von meinen Erfahrungen, Aufgaben und Eindrücken auf dem Ackerbaubetrieb berichten.

Landwirtschaftliches Weltreiseabenteuer – Corinna Skulj

Corinna Becker

Hallo, mein Name ist Corinna Becker und ich bin 24 Jahre alt. Schon seit meiner frühesten Kindheit habe ich mich für Tiere interessiert. Am 9. Oktober bin ich los geflogen zu meinem kleinen landwirtschaftlichen Weltreiseabenteuer. Bis Mitte Februar bleibe ich in Australien und fliege dann noch jeweils für 3 Wochen nach Neuseeland bzw. Kanada/USA.

Von Kanada nach Neuseeland – Bettina Hueske

Bettina mit Kim und Jeremy, den Betriebsleitern auf der Craigellachie Dairy Farm

Hallo, mein Name ist Bettina Hueske, ich bin 19 Jahre alt. Als ich vor vielen Jahren angefangen habe, über ein Auslandpraktikum nachzudenken, waren schon immer zwei Ziele in meinem Kopf. Kanada/USA und Australien/Neuseeland. 10 Monate im Ausland sollten es werden, die erste Hälfte verbrachte ich in Kanada und jetzt geht’s einmal um den halben Globus nach Neuseeland.

Mit 110 Milchkühen in Irland – Desiree Koldehoff

Desiree bei den Kälbern

Mein Name ist Desiree Koldehoff. Ich bin 26 Jahre alt und komme aus Bonn. Schnell stand fest, dass ich einen „grünen Beruf“ erlernen wollte. So entschied ich mich für ein Studium der Agrarwissenschaften hier in Bonn. Von September bis Dezember wird ein Betrieb in Irland in der Nähe von Cork mein neues Zuhause werden.

Du möchtest gerne ein Praktikum machen, weißt aber noch nicht wo?

Hier findest du Praktikumsplätze im In- und Ausland in der Landwirtschaft und im Agribusiness!

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Willkommen zurück in „Good Old Germany“!

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Du hast dort ein Praktikum im ländlichen Bereich, d.h. der Landwirtschaft, dem Gartenbau oder der Hauswirtschaft absolviert?

Du hast viele neue Eindrücke gewonnen und dich persönlich weiter entwickelt?

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Du willst anderen dazu verhelfen im Ausland zu arbeiten?

Dann ist der Ehemaligenverein ländlicher internationaler Austausch e.V. vielleicht genau das richtige für dich!