Holstein-Show: Die hohe Schule der Kuh-Präsentation

Vom 1. bis 4. September findet die „Paris Fair“ in Paris/Ontario statt. Neben einer Kirmes gibt es dort ein kunterbuntes Rahmenprogramm. Dazu gehört unter anderem die „Holstein-Show“. Diese findet am Donnerstag, den 1. September statt und ist vergleichbar mit den Kreistierschauen in Deutschland. Am Freitag folgen dann der „4H- Showmanship“ und „Confirmation“.

4H ist ein Jungzüchterwettbewerb und Confirmation ein weiterer Typtier- Wettbewerb. Von uns sind insgesamt 19 Tiere gemeldet, 8 Kühe und 11 Kälber/Rinder. Die Vorbereitungen dazu laufen nun schon seit fast 2 Wochen.

GOGO, FLOWER, STELLA und Co. werden jeden Morgen für etwa 2 Stunden auf die Weide gebracht. Das ist wichtig, um die Tiere etwas in Bewegung zu bringen. Nach monatelangem Stehen im Anbindestall sieht man den Kühen an, dass diese „Sportstunde“ – so nennen sie das hier – ihnen wirklich gut tut. Außerdem lässt diese Bewegungsfreiheit die Kühe ruhiger werden. Je nach Bedarf werden sie kurz mit dem Hochdruckreiniger gewaschen, das dauert mittlerweile nur noch 1 bis 2 Minuten pro Kuh, da sie sich kaum schmutzig machen. Der Gang aus dem Stall zur Weide findet mit Halfter statt, dabei wird dann schon das langsame Gehen und das Hochhalten des Kopfes geübt. Viele der Kühe haben schon Show- Erfahrung, sodass das ziemlich gut funktioniert! Dadurch klappt auch das Aufhalftern super, sowohl im Stall als auch im Freien.

Auch die Kälber müssen geführt und an ein Halfter gewöhnt werden. Allein damit habe ich fast 2 Tage verbracht. Zwischen den Stallarbeiten und neben den ganzen anderen Arbeiten, die täglich anfallen, dauerte das länger, als ich gedacht hatte. Die Arbeit der letzten Tage hat sich bei allen Tieren bezahlt gemacht, sowohl die Kühe als auch die Kälber laufen perfekt.

Gestern kam es dann zu einer weiteren Vorbereitung, um den Kühen den Aufenthalt und die Show so angenehm wie möglich zu machen und sie bestmöglich zur Schau stellen zu können. Um die Kühe an das Laufen mit gefülltem Euter zu gewöhnen, ließen wir die Melkzeit am Samstagmorgen aus. Wir starteten dann mit dem Training um 10 Uhr, so dass die letzte Melkzeit etwa 16 Stunden her war. Neben dem Laufen hat es noch zwei weitere Gründe: Zum Einen soll die Haut des Euters etwas gedehnt werden, zum Anderen wird bei jeder Kuh einzeln nachgeschaut, wie voll jedes Viertel ist, um einen Melkplan für die Schau zu erarbeiten. Bei den meisten Euter einigten wir uns auf etwa 24 Stunden. Einige Kühe mit sehr viel Raum im Hintereuter sollen zum letzten Mal 30 Stunden vor der Show gemolken werden, andere hingegen haben nur eine Pause von 18 Stunden.

Besonders wichtig sind zwei Punkte:
1. Droht das Vordereuter bereits „auszubrechen“? Das hätte zur Folge, dass das Vordereuter in der Show sehr lose aussieht und würde sich negativ auf die Rangierung auswirken.
2. Hat die Kuh ein starkes oder ein schwaches Zentralband? Hat sie ein sehr starkes Zentralband, kann die Füllung des Hintereuters bis aufs Letzte ausgereizt werden. Hat sie jedoch ein schwaches Zentralband, darf die Melkpause nicht zu groß werden, da das Euter dann flach wird. Das passierte im letzten Jahr bei GOGO, meiner Lieblingskuh. Da ihr Euter nach den 16 Stunden schon sehr prall war, wurde sie 20 Stunden vor der Show gemolken.

Nach dem Training haben wir die Armen von ihren prallen Eutern erlöst. Man merkt, dass es ihnen nicht gefallen hat, aber da müssen die Mädels wohl noch ein zweites Mal durch!
Was mir besonders an dieser „Trainingseinheit“ gefallen hat: Steve hat mir alles genau erklärt, wann es worauf ankommt, wie sich das Euter einer Kuh füllt und was zum Beispiel passieren kann, wenn es zu voll ist.

Die nächsten Tage werden stressig: Waschen, scheren, führen, meine Kleidung kaufen (Weißes Hemd, weiße Hose), zum Schaugelände fahren, letzte Vorbereitungen für die Show treffen und am Donnerstagabend um 18:30 Uhr heißt es dann … 

… ab in den Ring! Die Show kann beginnen.