Herzlicher Empfang und direkt in die Strohernte

Am 11. August war es also soweit. Um 14:30 Uhr Ortszeit landete ich in Toronto, in der Provinz Ontario. Meine Gasteltern begrüßten mich mit einem Plakat (Welcome Bettina Hueske), was das erste Treffen erheblich vereinfachte. Sie waren mir auf Anhieb richtig sympathisch! Vom Flughafen aus fuhren wir etwa 1,5 Stunden in Richtung Süd-Westen. Unterwegs habe ich mich schon viel mit Louie und Karol unterhalten und einiges von Kanada gesehen.

Gegen 17 Uhr erreichten wir mein neues Zuhause für die nächsten 4 Monate. Die Farm liegt in Brantford, direkt an einem Highway, ist also gut zu erreichen. Hier werden 110 Milchkühe in Anbindung gehalten. Die Rinder und die trockenen Kühe sind auf einer anderen Farm untergebracht. Auf einer weiteren Farm werden seit einem Monat 40 Kühe gemolken.

Bewirtschaftet werden auf den 3 Farmen ca. 730 Acres, davon 430 Acres Eigentum- und 300 Acres Pachtfläche. Die angebauten Kulturen sind hauptsächlich Getreide, Heu, Mais und Bohnen. Auf dem Betrieb Vellenga Farms LTD, der seinen eigenen Präfix (Hylltop Holsteins) hat, sind 5 Personen beschäftigt: Louie, mein Gastvater, sein Bruder Gord und seine 3 Söhne Mike, Steve und Nick.

Da Louie um 17 Uhr melken musste, zeigte Karol mir das Haus. Sofort am Eingang lernte ich den ersten Unterschied zu den meisten deutschen Betrieben kennen: Die Schuhe bleiben stehen, Barfuß ist angesagt. Aber das ist jetzt, nach einer Woche, schon mehr als selbstverständlich. Mein Zimmer ist im Keller, klein aber fein. Nachdem ich dann alles ausgepackt hatte, bin ich mit meiner Gastmutter zur ´Mall´ gefahren, um Arbeitsschuhe zu besorgen. Das hatten wir schon im Vorfeld abgesprochen, damit ich mir das Gewicht und den Platz im Koffer schon einmal sparen konnte.

Stroh pressen

Am Freitag, meinem ersten Arbeitstag, wurde nach der Stallarbeit Stroh geholt. Der größte Teil wird mit einem Pick- Up hinter dem Trecker auf einen angehängten Wagen geblasen. Ich bin dann mit einem der Söhne zum Feld gefahren. Meine Aufgabe war ganz simpel: absteigen, vollen Wagen abhängen, leeren Wagen anhängen und wieder aufsteigen. Zeitgleich wurden auf dem Feld kleine Ballen gepresst. Die 2 anderen Söhne pendelten den ganzen Tag zwischen Feld und Farm, um das Stroh abzuladen und die leeren Wagen wieder zum Feld zu bringen. Das lose Stroh wurde auf der Farm durch ein Rohr auf den Balken befördert. Am Abend luden wir etwa 400 der kleinen Strohballen ab und packten sie auf den Balken. Direkt unter dem Dach war das bei etwa 30 Grad echt anstrengend!

Mein dritter Tag in Kanada verlief fast genau gleich. Nach einer kurzen Nacht freute ich mich am Sonntag richtig, als mein Chef mir erklärte, dass sonntags nur die Stallarbeit erledigt wird. Wie zuhause also, zum Glück!!!
Mittlerweile erledigen einer der Söhne (Nick) und ich morgens immer zusammen das Säubern der Liegeflächen im Anbindestall, das Kälberfüttern und das Einstreuen der Strohställe. Da Nick zur Zeit Urlaub hat, stehe ich morgens nicht erst um 6, sondern schon um 5 Uhr auf, um mit allem fertig zu sein, wenn das Melken beendet ist.