Freizeit in Neuseeland: Teil 3 – Wale und Underworld-Rafting

Bevor ich in meine letzten Arbeitstage in Neuseeland startete, bin ich also 2 Wochen lang durch die Südinsel gefahren. Meine Mitreisende Herdis aus Dänemark hatte ich zuvor bei einem der Praktikanten- Treffen kennengelernt. Da wir zufällig zur selben Zeit Urlaub hatten, dachten wir uns sofort, dass es zu zweit viel mehr Spaß macht, das Land zu erkunden. Um möglichst viel erleben zu können, hat meine Chefin mir angeboten, meine nächsten Löhne vorzustrecken. Was ich zuerst schon fast dankend ablehnen wollte, hat mir im Nachhinein noch so einiges mehr ermöglicht und auch genügend Spielraum für spontane Aktionen gelassen. Herdis und ich waren uns recht schnell einig, dass wir uns nicht einer Reisegruppe anschließen werden, sondern unser eigenes Auto mieten um mehr Freiheiten genießen zu können.

Los ging es dann also am Sonntag, dem 7. Mai. Unser erstes Ziel war Kaikoura. Für den nächsten Morgen hatten wir schon bei der Walbeobachtungsstation eine Tour gebucht. Mit 40 weiteren Passagieren fuhren wir mit einem Boot hinaus aufs Meer. Nach etwa 20 Minuten konnte der erste Pottwal ausfindig gemacht werden. Mit dem bloßen Auge ist dieser von weitem nur anhand der Wasserfontänen erkennbar. Um aber erst einmal herauszufinden, in welche Richtung das Boot fahren muss, wird ein Mikrofon unter Wasser gehalten und den Klängen des Wals gelauscht. Da ich zufällig neben dem Kapitän stand, als er die Wale suchte, hat er mir angeboten, auch einmal die Kopfhörer aufzusetzen und dem riesigen Wal zuzuhören. Überraschenderweise war der Laut ein sehr gleichmäßiges Klicken, mit dem der Wal seine Beute anlockt. Dieses ist auch das einzige Geräusch, mit dem das Tier geortet werden kann, und anhand der Lautstärke kann seine Position auf hunderte Meter genau festgestellt werden. In den 2 Stunden auf dem Wasser sahen wir zwei dieser Meeresräuber. Der Erste war etwas träge, beim Zweiten kam während des Abtauchens die riesige Flosse zum Vorschein.

Anschließend fuhren wir nach Motueka, dem Ort, in dem ich schon 2 Wochen zuvor meinen ersten Fallschirmsprung erleben durfte. Das regnerische Wetter konnte uns dort nicht wirklich motivieren eine Wanderung durch den Nationalpark Abel Tasman zu machen. Um trotzdem etwas von dem Park sehen zu können, buchten wir eine 4- stündige Bootstour. Diese führte uns vorbei an den Split- Apple- Rocks, vielen Buchten und unterschiedlichsten Stränden. Aufgrund des bevorstehenden Winteranfangs und damit dem Ende der Hauptsaison war keine der Touren in den 2 Wochen ausgebucht und es kam oft eine besondere und vertraute Stimmung auf.

Am nächsten Tag fuhren wir zur Westküste (etwa 5,5 Stunden Fahrt). Um Herdis einige Pausen zu ermöglichen (ich durfte den Mietwagen nicht fahren, da bei dem Unternehmen ein Mindestalter von 21 Jahren vorgeschrieben war) hielten wir zum Picknick an einem uns vorher empfohlenen See. Dieser Ort zeigte mir einmal mehr, wie unglaublich faszinierend die Natur in Neuseeland sein kann. Vor allem die Tatsache, mal wieder an einem eher unbekannten See zu sein und damit die völlige Ruhe und Einsamkeit genießen zu können, machte mir deutlich, dass es nicht immer die großen, touristischen und ausgeschilderten Orte und Aktivitäten sein müssen, die einem eine Reise so besonders machen.

Einige Kilometer weiter hielten wir an der längsten Hängebrücke Neuseelands, bevor es dann weiter nach Westport ging. Von dort aus fuhren wir am nächsten Morgen nach Charleston, wo eine Underworld-Rafting Tour startete. Ein privates Unternehmen bietet diese Führung durch eine Höhle und das anschließende „Tubing“ (eine Wildwasserfahrt auf einem Gummiring) an. In einer angenehmen Gruppe von 5 Personen fuhren wir mit einer kleinen Bimmelbahn durch den Regenwald. Am „Bahnhof“ angekommen mussten wir zuerst unsere Neoprenanzüge anziehen. Nach anschließenden 15 Minuten Fußmarsch kamen wir am Höhleneingang an, die sich an den Helmen befindenden Lampen wurden eingeschaltet und die Tour durch die Unterwelt begann. Vorbei an unzähligen Tropfsteingebilden (Stalagmiten und Stalaktiten), die viele zigtausende Jahre alt waren, kamen wir irgendwann zu einem Ort, an dem wir anhalten sollten und die Lichter ausschalten mussten. In diesem Höhlenbereich war es zu 100% dunkel, das heißt, dass man die Hand vor Augen nicht mehr erkennen konnte.

Nachdem sich die Augen an die völlige Schwärze gewöhnt hatten, sahen wir super kleine Glühwürmchen an der Decke hängen. Das absolute Highlight dieses Tages war das Treiben auf den Gummiringen. Sobald wir uns alle auf dem Wasser befanden, hakten wir uns mit unseren Füßen ineinander und ließen uns mit dem Gesicht gen Höhlendecke zum Ende des Baches treiben. Die Gruppenführerin schlug, bevor es losging, einmal kräftig mit ihrem Reifen gegen die Wand. In der Annahme, dass diese Vibrationen durch heranfliegende Nahrung ausgelöst wurden, wachten die Glühwürmchen auf und strahlten in einer unglaublichen Helligkeit, während wir uns unter ihnen treiben ließen. Auch dies ist wieder eine Erfahrung, für die mir die passenden Worte fehlen. Eine Erfahrung voller Unwirklichkeit und Faszination bei dem Anblick eines atemberaubenden Naturschauspiels…

Sofort danach fuhren wir zu den Pancake Rocks (deutsch: „Pfannkuchen Felsen“). Diese sehr berühmten Felsen haben den eher außergewöhnlichen Namen bekommen, da sie wie aufeinander geschichtete Pfannkuchen aussehen. Wie diese Formation zustande kam ist auch für die Forscher ein großes Rätsel, zumal Felsen dieser Art eine absolute Seltenheit sind.

Fortsetzung folgt …