Freizeit in Neuseeland: Teil 2 – Ein Highlight jagdt das nächste

Wenn ich nun rückblickend darüber nachdenke, was ich in diesen 4,5 Monaten erleben durfte, kommt es mir selbst schon etwas unwirklich vor. Viele dieser Tage habe ich mit anderen Praktikanten der Region verbracht. Jeden Mittwoch trafen sich, vor allem in der Hauptsaison, zwischen 30 und 50 junge Leute aus der ganzen Welt in einem Pub, um Erfahrungen auszutauschen, sich über die Arbeit auf den Betrieben zu unterhalten oder gemeinsam Neues zu erleben. Mit einem Franzosen habe ich mich Ende Februar dann zum Beispiel auf den Weg nach Akaroa und Rangitata gemacht.

Dafür buchten wir im Vorfeld gleich 2 kleine Attraktionen: Das Schwimmen mit den kleinsten Delphinen der Welt und eine Wildwasserfahrt. In einer kleinen Gruppe fuhren wir mit dem Boot etwa eine halbe Stunde in Richtung Meer zu den Delphinen, die dort das ganze Jahr über leben. An normalen Tagen werden nur 5-10 der faszinierenden, kleinen Meeresbewohner entdeckt; wir konnten schätzungsweise 50 Tiere sowohl aus der Ferne als auch nur wenige Zentimeter von uns entfernt betrachten.

Nach diesem entspannten und ruhigen Tag machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Rangitata zur Wildwasserfahrt. Mit Schlauchboot und Paddeln ausgerüstet ging es in das Wasser. Jedes Boot war neben den 5-6 Touristen mit einem Trainer und einem Fotografen besetzt. Verschiedene Techniken und Kommandos wurden bis zum „Ernstfall“ ständig wiederholt. Dann ging es durch Stromschnellen mit verschiedenen Schwierigkeits- bzw. Gefahrenstufen und vorbei an vielen Felsen. Einige Zwischenstopps boten zum Klippensprung an und da hieß es: Augen zu und durch! Das dieses Land tatsächlich die Abenteuerlust wecken kann, konnte ich nur zu gut feststellen: In Deutschland schaue ich schon das 3- Meter Sprungbrett im Schwimmbad mit gerunzelter Stirn an. Und hier wurde nach dem Sprung von einem 3 Meter hohen Felsvorsprung mein Adrenalin angekurbelt und somit durfte der Sprung aus 10 Metern Höhe natürlich auch nicht fehlen. Obwohl mir zuerst etwas mulmig zumute war, würde ich es immer wieder machen!

Mitte Mai habe ich mich mit einer Freundin aus meinem Heimatdorf getroffen und mit ihr einige Tage an der Ostküste verbracht. Am interessantesten waren in diesen 4 Tagen wohl die Moeraki Boulders, die wunderschöne Altstadt Oamarus und die steilste Straße der Welt in Dunedin, welche man bei einer Steigung von 29,3% nur mit Mühe hochlaufen konnte. In Oamaru und Dunedin haben wir uns einige Kunstmuseen angesehen. Auch dies war wieder eine Neuheit für mich. Überraschenderweise fühlte ich mich in den alten Gebäuden mit vielen Bildern, Gemälden und Schmuckstücken sehr wohl und war auf eine ungewohnte Weise fasziniert.

Schon eine Woche später habe ich mit 2 meiner Arbeitskollegen (dem Schweizer und der Schwedin) eine Wanderung zu einer Berghütte gemacht. Das Mueller Hut befindet sich auf 1800 m Höhe und liegt in den Gebirgen des größten Berges Neuseelands, dem Mt. Cook (3754m). Die 1000 Höhenmeter bzw. 5000 m Fußweg brachten wir in etwa 3,5 Stunden hinter uns. Am nächsten Morgen ging es denselben Weg in 2,5 Stunden zurück.

Nach einem Kurztrip zu einem der vielen „Herr der Ringe“ – Schauplätze fuhr ich Mitte April mit befreundeten Praktikanten aus Holland, England, Deutschland und Schweden in den Süden der Südinsel, um dort an einer Tagestour zu dem zweitbekanntesten Fjord, dem Doubtful Sound im Fiordland- Nationalpark, teilzunehmen. Zu erreichen ist dieser entweder zu Fuß oder ansonsten ausschließlich über die kombinierte Bus- und Bootstour. Was diese Reise so besonders machte, war nicht die Tatsache, den ganzen Tag auf einem Boot bzw. kurzzeitig im Bus verbringen zu können, sondern der einmalige Moment, in dem mitten auf dem Wasser alle Generatoren, Motoren und Triebwerke des Schiffes ausgeschaltet wurden. Die totale Abstellung aller unnatürlichen Geräuschpegel (Sprechen, Jackenrascheln, Motoren, etc.) wirkte magisch und alle Mitreisenden lauschten minutenlang dem vielfältigen und atemberaubenden Gesang der Vögel und betrachteten dabei die so unwirklich wirkenden Berge.

Der Höhepunkt meiner Reisen in den ersten 4 Monaten war kaum anfechtbar mein Tandem- Fallschirmsprung aus 5000 m Höhe über dem Abel Tasman Nationalpark im Norden der Südinsel. Der 70- sekündige freie Fall und das über drei Minuten lange „Schweben“ in der Luft waren unbeschreiblich.

Vom 7.- 20. Mai hatte ich meinen mir laut Arbeitsbescheinigung zustehenden Urlaub. Mit einer Dänin erkundete ich in dieser Zeit den Rest der Insel, startete im Osten, danach in den Norden und anschließend an der Westküste entlang in den Süden.

Fortsetzung folgt …