Ein typischer Arbeitstag auf der Farm – Kühe, Kälber, Färsen … und Regen

Nach den ersten Arbeitswochen kommt allmählich Routine in die Arbeitsabläufe und mir wurden immer mehr Aufgaben anvertraut. So sieht derzeit ein typischer Arbeitstag auf der Farm wie folgt aus: Morgens um 7 Uhr müssen zunächst die Kühe mit dem Quad vom jeweiligen Paddock geholt und zum Melkhaus getrieben werden. Wichtig hierbei ist jedoch nicht nur, das Einsammeln der Kühe möglichst zügig zu absolvieren, sondern vielmehr muss man ein Auge auf die Grassituation im Paddock werfen. Anhand des Bildes, was sich mir dann bietet, muss ich entscheiden ob die Herde nach der Melkung wieder auf diesen Paddock zurückgeht oder auf einen neuen Paddock geleitet werden muss. Entsprechend muss ich dann den neue Paddock kurz checken (Wasser, Zäune) und die Tore auf den Treibwegen richtungsweisend öffnen bzw. schließen.

Wenn diese Entscheidung getroffen ist, kann das Treiben der Herde abhängig von der Lage des Paddocks zum Melkhaus entweder 10 Minuten oder eine Stunde dauern, was natürlich Konsequenzen auf den anschließenden Tagesablauf nach sich zieht. Wenn dann alle Kühe im Wartebereich sind, bereiten wir die Milchküche und den Melkstand fürs Melken vor. Das eigentliche Melken der 100 Kühe dauert derzeit etwa 1,5 Stunden. Da das Wetter in letzter Zeit kräftig umgeschlagen ist und es hier nun jeden Tag regnet – dem irischen Wettergott sei Dank – bekommen die Kühe seit Ende September Kraftfutter im Melkstand zugefüttert.

Nachdem wir mit 0,5 kg Kraftfutter pro Melkung gestartet sind, haben wir die Menge nach ein paar Tagen auf 1 kg pro Tier und Melkung angehoben. Das maisreiche Kraftfutter scheint den Milchmädels wohl gut zu schmecken, da sie nun von alleine in den Melkstand drängen, was vorher nicht der Fall war. Das beschleunigt den Melkablauf natürlich enorm. Allerdings nehmen sich die Damen dann auch mehr Zeit, um den Melkstand wieder zu verlassen. Es hat eben alles so seine Vor- und Nachteile. Nach dem Melken wird dann die Melkanlage gespült und Melkstand sowie Vorwartehof werden mit dem Hochdruckreiniger gesäubert.

Die Milch wird alle zwei Tage vom Milchtruck der Vertragsmolkerei abgeholt. An diesen Tagen müssen wir anschließend natürlich noch den Milchtank reinigen. Da auf meiner Farm wie bei fast allen irischen Milchbauern die Kühe saisonal im Frühjahr abkalben, haben wir derzeit keine Arbeit mit Jungkälbern, Trockenstehern oder Kalbinnen. Der Fokus liegt derzeit auf dem Paddockmanagement, um mit den vorhandenen Grasressourcen gut durch den Herbst zu kommen. Ziel ist es, so spät wie möglich aufzustallen und vorher alle Paddocks „zuende“ abzugrasen, so dass möglichst kurzes Gras (ohne Verbiss des Vegetationskegels!) überwintert und erst im nächsten Jahr erneut aufwächst.

Nach dem Melken folgt dann das Checken der Färsen und Kälber, welche auf angrenzenden Paddocks der Farm gehalten werden. Der Weg dorthin ist mit dem Quad ein wahres Abenteuer, da es über Stock und Stein durch einen wilden Hohlweg mit anschließender Bachüberquerung geht. Als ich diesen Weg das erste mal mit dem Quad befuhr, wusste ich auch, wofür Quads eigentlich gebaut werden. Aber es ist nun mal der schnellste Weg zu den Jungvieh-Paddocks und nach kurzer Übung macht die Strecke auch richtig Spaß. Da dieser Weg an der Ecke der Bachüberquerung auf eine öffentliche Straße führt, musste ich mich erstmal daran gewöhnen, dort auf der linken Seite zu fahren, was nun nach all den Wochen nichts ungewöhnliches mehr ist. Hoffentlich passiert mir das später nicht in Deutschland.

Bei den Färsen und Kälber angekommen muss ich dann Zäune, Wasser und natürlich die Tiere selbst kurz kontrollieren. Anschließend geht’s denselben Weg wieder zurück. Über den Nachmittag verteilt erledige ich dann meist verschiedene Arbeiten auf der Farm bis gegen 16 Uhr mit dem Einsammeln der Kühe das Melken wieder beginnt.

In den letzten Tagen fuhr Tom nachmittags meistens Gülle aus, da diese nur bis zum 15.10.2011 ausgebracht werden darf. Die Wochen zuvor haben wir nachmittags noch Nitrat-Dünger auf die abgegrasten Paddocks gestreut. Nach ein paar Übungsrunden mit der Überlappung des Streuers durfte ich dann fahren. Da man im Gras die Traktorspuren nicht so gut sieht, ist das gar keine so leichte Aufgabe. Wichtig ist, dass man die exakte Streubreite und Geschwindigkeit einhält, um beste Ergebnisse zu erzielen. Da mir das Treckerfahren besonders Spaß macht, war ich etwas enttäuscht, dass wir nach ein paar Minuten damit schon fertig waren, was daran lag, dass die Paddocks nicht so groß sind. Da wir nun keinen Dünger mehr streuen und keine Gülle mehr ausfahren, bin ich gespannt wann sich mir die nächste Gelegenheit zum Treckerfahren bietet. Dafür bin ich jetzt schon Meisterin im Quad-Fahren und auf die Frage eines Jägers, den ich neulich auf dem Weideland traf, ob mir das Quad gefällt, sagte ich: „I’m a cowgirl and this is my red horse.“