Das Phrasenschwein der Stellenanzeigen

Der erste und der letzte Kontakt mit einem Arbeitgeber haben etwas gemeinsam: Denn weder in Stellenanzeigen noch im Abschlusszeugnis wird Klartext geredet. Mit Floskeln und Phrasen wird nicht gegeizt und man muss zwischen den Zeilen lesen können, um herauszufinden, worum es eigentlich geht.

Aufbau einer Stellenanzeige

Wer sich bewirbt, legt in die, teils sehr schwammig formulierten, Stellenanzeigen große Hoffnungen. Normalerweise beinhaltet eine Stellenanzeige im groben Überblick eine Beschreibung des Unternehmens, welche aufführt, seit wann die Firma existiert, wie viele Mitarbeiter sie beschäftigen und beispielsweise in welcher Branche sie hauptsächlich unterwegs sind oder auch, auf wie viel Geld sich der Jahresumsatz beläuft. Im Hauptteil der Stellenanzeige klärt man dann den Bewerber darüber auf, was er im Unternehmen für Aufgabenschwerpunkte haben wird. Dies soll erst einmal einen Eindruck darüber vermitteln, welche Fähigkeiten für solche Aufgaben die Voraussetzung sind. Darauf wird im Anschluss noch einmal – im Idealfall – konkret und detailliert eingegangen.

Phrasen und Floskeln erschweren die Unterscheidbarkeit

Das Problem: Viele Stellenanzeigen sind handwerklich schlecht umgesetzt. Sie sind austauschbar, unprofessionell und langweilig geschrieben. Times New Roman, Schriftgröße 12 und haufenweise Floskeln, die verraten sollen, was das Unternehmen will und bietet – und die dabei trotzdem keinen Durchblick geben. Der perfekte Kandidat für die meisten Arbeitgeber hat daher einen guten Abschluss, ist flexibel, kommunikativ, strukturiert und engagiert. Wer legt denn den Maßstab für diese Eigenschaften?

„Sie erwartet ein wertschätzendes Umfeld“. Blöd wenn die Wertschätzung am Ende dann dafür steht, dass der Chef lächelnd an dich denkt, während er sein Bankkonto checkt.

„Sie haben langjährige Erfahrung“. Ist den Machern der Stellenanzeige überhaupt klar, dass nur, weil Jemand viele Jahre im Berufsleben vorweisen kann, nicht zwingend auch besser ist, als ein Bewerber der gleich im ersten Jahr schon Projekte geleitet und Verantwortung übernommen hat?

Wann lohnt sich eine Bewerbung

Die Liste der Anforderungen für ausgeschriebene Position erfolgt meist nach dem Model: Wir suchen die eierlegende Wollmilchsau. Man sollte aber keinesfalls verzweifeln, wenn einem ein paar Anforderungen fehlen. Niemand wechselt von A nach A ohne neue Perspektive. In der Regel sind die Anforderungen nach deren Wichtigkeit aufgeführt. Demnach haltet euch an die Regel: Was an erster Stelle steht MUSS mitgebracht werden und was weiter unten steht, ist weniger zwingend. Deutlich wird das in der Anzeige durch Beschreibungen wie: „Voraussetzungen sind…“ oder „… sind zwingend erforderlich“. KANN- Anforderungen sind meist „wünschenswert“ oder „von Vorteil“.

Wenn man aus der Stellenanzeige oder sogar aus dem bereits erfolgten Vorstellungsgespräch nicht schlau wird, sollte man versuchen zusätzliche Informationen über das Unternehmen und/oder die Tätigkeit einzuholen. Arbeitgeberbewertungsportale können helfen, um sich ein besseres Bild zu machen, wie authentisch der potenzielle Arbeitgeber wirklich ist. Überlege dir auch, ob du vielleicht Kontakte zu aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern aufnehmen kannst. Über Netzwerke wie LinkedIn oder Xing kann man oft Mitarbeiter ausfindig machen. Und in einer kleinen Branche, wie der Landwirtschaft, kennt man meistens auch mindestens einen davon.