Krankheiten infolge von widrigen Wetterbedingungen

Aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen der letzten Wochen häufen sich für diese Jahreszeit untypische Krankheitsbilder. Angefangen hat alles mit zwei Kühen, die plötzlich Mastitis hatten. Da wir zu dieser Zeit noch täglich Silage zugefüttert haben, führten wir dies auf die stressbedingte Futterumstellung zurück. Wir versuchten zunächst mit einer speziellen Euter-Creme die Mastitits-Anzeichen zu lindern. Da die gewünschte Besserung jedoch nicht eingetreten ist, mussten wir die Tiere für einige Tage mit Antibiotikum behandeln. Doch als diese beiden Damen auf dem Weg der Besserung waren, traten bei zwei anderen Kühen Mastitis-Symptome auf: Flocken beim Vormelken, angeschwollenes Euterviertel und Rückgang in der Milchleistung waren zu verzeichnen. Wir behandelten alle Tiere mit Antibiotikum, Eutercreme und desinfizierten die Melkbecher nach jeder Melkung. Dennoch wurden wir sozusagen von einer kleinen „Mastitis-Welle“ heimgesucht, so dass schlussendlich 7 Kühe Mastitis hatten. Die Mastitis Kühe wurden mit einem Farbspray rot markiert und in die „Dump-Line“ gemolken. Da wir zu dieser Zeit immer noch ca. 40 Kälber im Kälberhaus hatten, haben wir die Milch an die Kälber verfüttert.

Zur gleichen Zeit fielen mir beim Treiben zum Melkhaus die ersten lahmen Kühe in der Herde auf. Aufgrund des ständigen Regens und der feuchten Umweltbedingungen waren innerhalb kürzester Zeit vier Kühe lahm. Wir separierten diese in Paddock 1, welcher sich in unmittelbarer Nähe zum Melkhaus befindet um diesen Kühen die langen Treibwege zu ersparen und vereinbarten einen Termin mit dem Klauenpfleger. Beim Klauenschnitt zeigte sich dann, dass sich bei drei Kühen Abszesse im Klauenhorn gebildet hatten. Ursache hierfür könnten Steine oder ähnliches sein, die sich die Tiere wegen der ständigen Nässe im aufgeweichten Klauenhorn leichter eintreten.

Die Abszesse wurden vom Klauenpfleger geöffnet und das infizierte Klauenhorn weitläufig abgetragen. An der gesunden Nachbarklaue wurde zur Entlastung ein Klauenschuh angebracht. Bei einer Kuh lag eine Infektion im Zwischenklauenspalt vor. Hier wurde die Kehlung der Klauensohle durch einen Korrekturschnitt etwas erweitert um den infizierten Bereich frei zu legen. Anschließend wurde der entsprechende Bereich mit Blauspray behandelt. Die lahmen Kühe wurden nach der Klauenpflege noch für ein paar Tage in Paddock 1 gehalten und bei Abklingen der Lahmheit wieder in die Herde integriert.

Zur gleichen Zeit hatte eine Kuh morgens plötzlich Weidefieber. Als ich die Kühe wie jeden Morgen zum Melken mit dem Quad zusammengetrieben habe, blieb eine Kuh zurück und stand etwas apathisch am Rande des Paddocks. Mir fiel gleich auf, dass mit dieser Dame etwas stimmte. Als ich mich ihr näherte sah ich schon, dass sie sehr wackelig auf den Beinen war und an den Hinterbeinen zitterte. Wir riefen sofort den Tierarzt an und gaben ihr als erste Notmaßnahme eine Magnesium-Infusion, was sich bei einem freien Tier auf der Weide als nicht ganz einfach erwies. Bei Weidetetanie (auch Weidefieber genannt) zählt jede Minute, da die Kühe innerhalb kürzester Zeit versterben können. Nach der Magnesium-Infusion ist die ständige Kontrolle des Tieres und Beobachtung der Krämpfe und der Herzfrequenz die wichtigste Aufgabe.

So verblieb ich mit dem Tierarzt bei der Kuh im Paddock, während Tom mit dem Melken startete. Durch das rechtzeitige Eingreifen und die direkte Magnesium-Gabe wurde die Kuh relativ schnell wieder fit. Sie lag nicht am Boden fest und die Muskelkrämpfe ließen mit der Zeit nach. Wir trieben sie langsam hoch zur Hofstelle und separierten sie in die eingestreute Krankenbox im Kälberhaus. Der Tierarzt ließ uns für die darauf folgenden Tage weitere Magnesium und Calcium Infusionen da und empfahl, die Kuh nur einmal täglich zu melken.

Weidefieber wird durch einen zu geringen Magnesiumgehalt im Gras hervorgerufen. Dies kann vor allem im Frühjahr auftreten, wenn das junge Gras zu schnell aufwächst oder die Witterung plötzlich umschlägt und es zu Kälteeinbrüchen in den Nächten kommt. In Kombination mit dem Alter der Kuh und der Tatsache, dass wir auf Grund des Energiedefizites Silage zufüttern mussten (und jede Futterumstellung Stress für die Tiere bedeutet) können viele Ursachen ausschlaggebend für diese Erkrankung sein.

Was uns derzeit jedoch mehr Sorge bereitet ist die Tatsache, dass die Kühe seit ca. 2 Wochen die Steinmauer vor dem Melkhaus regelrecht auseinander nehmen. Jedes mal beim Treiben zum Melkhaus stoppen dort einige Tiere und kauen die Steine aus der Mauer bzw. lecken die kleineren Steine am Boden. Dies führen wir auf einen Phosphormangel zurück und haben bereits Phosphorlösungen für die Wassertränken bestellt. Da sich Phosphormangel negativ auf die Fruchtbarkeit auswirkt (Eireifung und Eisprung) und wir uns gerade mitten in der Besamungssaison befinden hoffen wir, dass wir hierbei nicht vom nächsten Pech verfolgt werden. Wir beobachten nun ob Fehlbesamungen trotz normaler Zyklusdauer auftreten und hoffen, dass die Tiere normal aufnehmen. Über den Erfolg unserer Besamungen und die weiteren Herausforderungen hier auf der Farm werde ich demnächst berichten.