Arbeiten nach Corona: Stirbt das Büro aus?

Leere Büros, stille Flure und Home-Office – die Corona-Pandemie hat den Arbeitsalltag grundlegend verändert. Bleibt die Home-Office Regelung? Stirbt das Büro aus? Oder wird es gänzlich neue Arbeitsmodelle geben? Diese Fragen stellen sich viele Agrarunternehmen.

In vielen Agrarunternehmen ist es still geworden. Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsalltag grundlegend verändert. Millionen Arbeitnehmer*innen wurden letztes Jahr innerhalb kürzester Zeit ins Home-Office geschickt. Plötzlich sah der Berufsalltag für viele so aus: Arbeiten aus dem „Home-Office“ (falls es denn ein Büro zuhause gab) und nur an wenigen Tagen pro Woche ging es ins Büro.

Mit sinkenden Inzidenzen und dem Wegfall der Home-Office Pflicht steigt nun auch wieder die Anzahl an Bürotagen in vielen Agrarunternehmen. Doch möchten das die Mitarbeiter*innen wirklich? Einige Unternehmen beschäftigen sich daher mit neuen Arbeitszeitmodellen und stellen sich folgende Fragen:

  • Welche Erfahrungen haben Arbeitnehmer*innen aus dieser Zeit des flexiblen Arbeitens mitgenommen?
  • Was wünschen sich Arbeitnehmer*innen zukünftig?
  • Werden Bürotage zur Ausnahme und Home-Office zur Regel?
  • Welche Arbeitszeitkonzepte können zukünftig angeboten werden?

Wegfall des Arbeitsweges als Hauptvorteil für das Home-Office

Es gilt im Vorfeld abzuwägen, welche Vor- und Nachteile das Home-Office für Arbeitnehmer*innen wirklich darstellt. Laut einer aktuellen StepStone Studie aus 2021, bei der 28.000 Teilnehmer*innen weltweit befragt wurden, gab die Mehrzahl der Teilnehmer*innen an, dass der weggefallene Arbeitsweg der größte Vorteil sei. So hätten 74% der Personen viel weniger Zeitaufwand. Außerdem fielen bei 51% niedrigere Kosten an (z.B. Spritkosten, Fahrtickets). 51% gaben an, dass die Umwelt durch das Home-Office weniger belastet würde. Außerdem hätten Arbeitnehmer*innen mehr Zeit für Hobbys und Privatleben. Auch wäre der Wohnort flexibler wählbar, da man nicht an einen Bürostandort gebunden sei. Zudem ließe sich Familie und Beruf besser vereinbaren. Weitere Vorteile seien der höhere Schutz vor dem Virus (56%), weniger Stress (43%), bessere Konzentration (41%) und eine höhere Produktivität (39%) in den eigenen vier Wänden.

Soziale Einsamkeit als Hauptgrund gegen Home-Office

Genauso starke Argumente sprechen allerdings auch gegen das Home-Office. Viele Arbeitnehmer*innen verspüren zunehmend emotionale Einsamkeit, bedauern fehlende soziale Kontakte zu den Kollegen*innen. Auch lässt sich Büro und Privatleben nur schwer voneinander trennen. Schnell wird man beispielsweise durch die Familie oder den Haushalt zuhause abgelenkt. Laut einer aktuellen Studie von HubSpot (Employer Branding Studie, n = 430 Arbeitnehmende in DE) befürchten 26 Prozent, dass ihre Vorgesetzten ihnen durch Home-Office vielleicht weniger vertrauen. Zudem bezweifeln 25 Prozent, dass durch die räumliche Trennung die Lerneffekte in Teams ausblieben.

Was wünschen sich Arbeitnehmer*innen zukünftig?

Die Erfahrungen von Arbeitnehmer*innen während der Pandemie zeigen ein wechselhaftes Bild. Gleiches gilt für deren zukünftige Erwartungen an den neuen Berufsalltag. Laut der oben genannten StepStone Studie zeichnen sich seitens der Mitarbeiter*innen folgende Wünsche ab:

  • ca. 2/3 der Befragten möchte weiterhin Kontakte im Büro
  • 83% möchten ihren Arbeitsbeginn und -ende frei einteilen
  • 47% möchte Arbeitsort frei wählen können
  • 36% möchte eine feste Anzahl an Home-Office Tagen
  • 5% wollen überhaupt nicht im Home-Office arbeiten
  • 4% wollen ausschließlich im Home-Office arbeiten

Letztendlich sieht es danach aus, dass weder Home-Office zur Regel wird, noch Büroräume zukünftig leer stehen werden.

Welche Arbeitsmodelle werden sich in Zukunft etablieren?

Stellt sich die Frage, welche Arbeitsmodelle diesen Wünschen gerecht werden? Geht man nach den Wünschen der Arbeitnehmer*innen, so sollten diese so flexibel und wenig starr wie möglich sein. Laut der StepStone Studie werden sich hybride Arbeitsmodelle, also eine Mischung aus Bürotagen und Home-Office Tagen auf lange Zeit durchsetzen. Hierbei würde das Büro zu einem Platz der bewussten Zusammenarbeit und des gemeinschaftlichen Austausches. Wohingegen Routine- und intensive Schreibtischarbeiten von zuhause aus erledigt würden.

Jedes Agrar Unternehmen stünde angesichts dieser Prognose vor einer großen Herausforderung. Inwiefern eine Umsetzung hybrider Arbeitsmodelle möglich ist, wird jedes Agrar Unternehmen für sich bestimmen müssen. Denn eine solche Umstellung betrifft den gesamten Arbeitsprozess und lässt sich nicht von heute auf morgen realisieren. Zudem muss man zwischen Agribusiness und landwirtschaftlichen Unternehmen unterscheiden. Denn gerade auf landwirtschaftlichen Betrieben wollen und können Arbeitgeber nicht auf Präsenz ihrer Mitarbeiter*innen vor Ort verzichten. Ebenso wäre der vor- und nachgelagerte Bereich der Landwirtschaft stark betroffen, da einige Arbeitsprozesse in Schichtarbeit ablaufen. Gerade klein- und mittelständische Betriebe können ein hybrides Arbeitszeitmodell oft noch nicht leisten. Hier ist mehr Zeit nötig, geeignete Modelle zu konzipieren. Zudem kämpfen viele Agrarunternehmen noch mit der digitalen Infrastruktur, bei der großer Nachholbedarf besteht.

Umstellung geht nur Hand in Hand mit Mitarbeiter*innen

Wichtig für alle Unternehmensformen ist, dass eine Veränderung des Arbeitsmodelles nur Hand in Hand mit Mitarbeiter*innen gelingen kann. Dazu braucht es eine offene innerbetriebliche Kommunikation, bei der die Arbeitnehmer*innen in den Veränderungsprozess eingebunden werden. In die Entscheidung muss einbezogen werden, welche Erfahrungen das Unternehmen während der Pandemie gemacht hat, welche Wünsche im Raum stehen und welche Unternehmenskultur verfolgt werden soll. Welches Arbeitsmodell zu welchem Agrarunternehmen passt, ist also eine höchst individuelle Frage des Unternehmens selbst.

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