Versatile Knickschlepper – Fahrbericht

Nachdem sich die letzten Einträge etwas mehr auf Land und Natur konzentriert haben, gibt es heute nochmal etwas mehr Technik.

Auf unserer Farm ist neben drei John Deere Knickschleppern auch ein Traktor des Herstellers Versatile im Einsatz. Dieser wird zurzeit hauptsächlich vor der Scheibenegge eingesetzt oder zum Ziehen des Striegels benötigt. Da Versatile ein kanadischer Hersteller ist und man diesen Typ Großtraktor in Deutschland nicht allzu oft sieht, möchte ich in diesem Beitrag den Traktor etwas näher vorstellen.

Versatile wurde im Jahre 1966 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Winnipeg, Manitoba. Bevor der Hersteller Traktoren baute, sind dort hauptsächlich Ladeschnecken, Schwadmäher und Mähdrescher gebaut und vertrieben worden. Heute gehören neben Traktoren auch selbstfahrende Spritzen, Sämaschinen oder Bodenbearbeitungsgeräte zum Sortiment der Kanadier.

Wir haben einen Versatile 500 im Einsatz. Die Typenbezeichnung weist gleichzeitig auf die 500 PS unter der Haube hin. Diese werden aus einem Sechszylinder Motor mit 15 Litern Hubraum generiert. Das Getriebe ist ein CAT Full-Powershift Getriebe mit 16/4 Gängen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 25 Meilen pro Stunde bzw. 40 Kilometern pro Stunde. Das Gewicht des Knickschleppers liegt bei 19 bis 25 Tonnen, je nach Ausstattung und Ballastierung.

Versatile
Versatile

Unser Schlepper hat sechs doppelwirkende Steuergeräte,  jedoch keine Zapfwelle im Heck verbaut. Das liegt daran, dass er ausschließlich für Zugarbeiten eingesetzt wird, bei denen keine Zapfwelle benötigt wird.
Als ich das erste Mal mit dem Gespann raus gefahren bin, waren einige Dinge etwas anders, als ich es von zuhause gewohnt war. Die Größe war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, nach den ersten Metern hatte ich mich aber schnell daran gewöhnt.

Als erstes ist mir die große, geräumige Kabine aufgefallen. Sowohl Fahrer als auch Beifahrer haben jede Menge Platz. Die Sicht auf die hinten angehängten Geräte ist hervorragend. Die breite Motorhaube mindert die Sicht nach vorne etwas. Die Kabine wirkt aufgeräumt und klar strukturiert. Alle Funktionen sind in der Armlehne verbaut, zusätzlich gibt es noch zwei Displays auf der rechten Seite. Einer bildet die Steuergeräte ab, der andere ist für das GPS System.

Der Tank ist mittig unter der Kabine angebracht und fasst ganze 1500 Liter Diesel. Diese können von beiden Seiten befüllt werden. Zum Tanken brauche ich also einen kompletten Tank vom Service Truck. Die Tankdeckelsind rechts und links an Aufstiegen angebracht und sind gut zugänglich. Eine Türe in die Kabine gibt es jedoch nur auf der linken Seite. Auch das Abschmieren geht schnell und unkompliziert. Alle Schmiernippel sind leicht zu erreichen und mittig zwischen dem Schlepper angebracht. Der Einlauf für das Hydrauliköl befindet sich vorne links vor der Motorhaube. Zum Einfüllen braucht man einen extra Trichter, da der Winkel zum Befüllen zu steil ist. Dies könnte optimiert werden. Die sechs Hydraulikanschlüsse im Heck sind leicht zu erreichen und sind, wie üblich, mit verschiedenen Farben gekennzeichnet, die sich auch in der Kabine wieder finden.

Ein weiterer negativer Punkt fällt beim Aufsteigen in die Kabine auf. Die Tür ist etwas schwierig zu öffnen und man muss aufpassen, dass man sich nicht den Kopf anschlägt.

Noch etwas an das ich mich erst gewöhnen musste: Der Schlepper hat, so wie die John Deere Knickschlepper auch, kein Fußgaspedal. Alles wird über das Handgas in der Armlehne bedient. Das Gasrad könnte ergonomischer verbaut sein, aber auch hier gewöhnt man sich nach kurzer Zeit dran.

Ich fahre den Schlepper im Feld im 12. Gang bei 1800 U/min. mit einer Geschwindigkeit von 10,08 Meilen pro Stunde. Das sind knappe 16 Kilometer pro Stunde. Dank Doppelbereifung wird die Kraft gut auf den Boden gebracht und die Scheibenegge, die ohnehin nur ganz flach arbeitet, ist kein Problem für den starken Kanadier.
Die Bedienung des Schleppers ist zunächst Gewöhnungssache. Das verbaute GPS ist sehr träge und braucht etwas Übung. Das Hoch- und Runterfahren des Rechners benötigt einiges an Zeit. Für Bediener die wenig Erfahrung mit GPS Systemen haben sehr schwierig zu durchschauen.

Durch seine Kraft und die gute Übersicht eignet der Schlepper sich optimal für schwere Zugarbeiten. Hier und da könnte die Steuerung etwas feinfühliger und besser durchdacht sein. Hat man sich nach kurzer Zeit an die Maschine gewöhnt, macht die Arbeit mit dem Gefährt Spaß und es kann auf Hektarjagd gehen.