Praktika helfen Studenten, sich im Berufe-Dschungel zu orientieren

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Praktika helfen Studenten, sich im Berufe-Dschungel zu orientieren

Frühzeitig Praxiserfahrung sammeln

Wichtig ist, dass Sie am Ende des Studiums wissen, in welchem Bereich Sie später arbeiten wollen!

Agri-Associates Dr. Jochen Riebensahm
Dr. Jochen Riebensahm
AGRI ASSOCIATES

„Praktika geben Orientierung! Legen Sie Ihren Fokus nicht allein auf ein kurzes Studium. Wichtig ist, dass Sie am Ende des Studiums wissen, in welchem Bereich Sie später arbeiten wollen!“ Dr. Jochen Riebensahm von der Personalberatung AGRI-associates erklärt, wie Bewerber sich darüber klarer werden, welcher Job zu Ihnen passt und wie sie dann im Vorstellungsgespräch punkten.

Überall ist die Rede von dem Fachkräftemangel. Ist auch die Agrarbranche betroffen?

Dr. Jochen Riebensahm

Ja. Wir beobachten sowohl bei Berufseinsteigern als auch bei Erfahrenen einen Fachkräftemangel. Vor allem im Vertrieb, aber auch in Forschung & Entwicklung und im Produktmanagement fehlen insbesondere Spezialisten im Bereich Pflanzen- und Tierproduktion sowie Landtechnik. Für Generalisten ist der Markt eher entspannt.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Agrarstudenten gestiegen. Warum sind trotzdem so viele Stellen nicht besetzt?

Dr. Jochen Riebensahm

Die Zahl der Agrarstudenten steigt in den letzten Jahren kontinuierlich und zwar vor allem im Bereich Agribusiness oder Agrarmanagement.  Für diese ist aber ein Problem, eine Anstellung bei Unternehmen im Umfeld der Tier- und Pflanzenproduktion sowie Landtechnik zu finden. Die Ursache hierfür ist, dass sie für Aufgaben im Vertrieb, in der Beratung oder dem Produktmanagement nicht über die dafür erforderlichen Fachkenntnisse verfügen. Die landwirtschaftlichen Betriebe erwarten, dass ihre Berater sie nicht nur kaufmännisch sondern auch fachlich informieren. Studienabsolventen ohne Praxiserfahrung und spezifische Fachkenntnisse können das nicht leisten.

Was raten Sie Studenten, die noch nicht wissen, in welchem Beruf sie einsteigen wollen?

Dr. Jochen Riebensahm

Nehmen Sie sich nach dem Bachelor eine Auszeit. Nutzen Sie diese, um durch Praktika oder Traineeprogramme in verschiedene Segmente der Agrarbranche hineinzublicken. Wenn Sie vor dem Ende des Masterstudiums immer noch nicht wissen, wo Sie hinwollen, haben Sie bei der Wahl des Masterarbeitsthemas die Chance, das zu ändern. Wählen Sie nicht irgendein Thema aus. Überlegen Sie sich vorher anhand Ihrer Interessen und Kompetenzen, welche berufliche Richtung Sie einschlagen wollen. Suchen Sie sich dann gezielt ein passendes Thema dazu aus oder sprechen Sie Unternehmen auf mögliche Masterarbeitsthemen an.

Wie finde ich passende Praktika, Masterarbeitsthemen oder Jobangebote?

Dr. Jochen Riebensahm

Auf Onlinebörsen wie Karrero oder Veranstaltungen wie Karrieretagen oder Agrarmessen können Sie die Unternehmen ansprechen. Informieren Sie sich vorher schon, welche Firmen Sie kennenlernen wollen.

Auf den Messen kann sich ein reines Informationsgespräch auch schnell in ein Vorstellungsgespräch ausweiten. Wie bereiten sich die Studenten darauf vor?

Dr. Jochen Riebensahm

Zuerst einmal: Wer Nervosität zeigt, dem sind das Gespräch und der Job wichtig. Das wissen die erfahrenen Personaler. Also: aufgeregt zu sein ist ok. Im Gegenteil, das fördert sogar die Konzentration. Tipp: Je besser Sie sich auf das Interview vorbereitet haben, desto schneller wird sich Ihre Aufregung im Verlauf des Gespräches legen. Beschäftigen Sie sich im Vorfeld intensiv mit dem Unternehmen und deren Produkten. Eventuell kennen Sie sogar einen ehemaligen Kommilitonen im Unternehmen. Tauschen Sie sich mit ihm aus. Bereiten Sie sich auf die Frage vor: Was wissen Sie über uns und warum wollen Sie bei uns arbeiten? Das sollten Sie in ein bis zwei Minuten schlüssig beantworten können.

Zum anderen stellen Sie sich in einer kleinen Selbstpräsentation dem Unternehmen vor. Bleiben Sie authentisch, denn die Firmen wollen keine Schauspieler. Belegen Sie die Fähigkeiten, die Sie präsentieren, mit Beispielen. Behaupten Sie nicht einfach nur, dass Sie teamfähig sind. Erläutern Sie warum – beispielsweise dadurch, dass Sie jahrelang im Vorstandsteam eines Sportvereins tätig waren.

Was sollten die Bewerber das Unternehmen fragen?

Dr. Jochen Riebensahm

Fragen Sie, ob Sie ein paar Tage in dem Unternehmen Probearbeiten können. So bekommen Sie einen Einblick in das Arbeitsklima des Unternehmens. Sie können auch fragen, wie sich die Einarbeitungsphase gestaltet. Das Thema Gehalt sollten Sie allerdings nicht selber ansprechen. Überzeugen Sie Ihr Gegenüber so von sich, dass das Unternehmen Sie nach Ihren Gehaltsvorstellungen fragt.

Und am Ende noch ein Tipp für die Unternehmen. Welche drei Punkte sollten diese in der Einstiegsphase beachten, damit die Berufsanfänger sich wohl fühlen und dabeibleiben?

Dr. Jochen Riebensahm

Die Unternehmen punkten in der Anfangszeit besonders durch Ihre Willkommenskultur und das Arbeitsklima.

  1. Wichtig ist es, dass der Bewerber sich ab dem ersten Tag ernst genommen fühlt. Die für die Einarbeitung Verantwortlichen sollten sich Zeit nehmen und die Neueinsteiger nicht nur mit E-Mails abspeisen. Bewerber fühlen sich wertgeschätzt, wenn Sie in der ersten Zeit die Unternehmensleitung auch persönlich kennen lernen.
  2. Neueinsteiger sollten einen festen Ansprechpartner als Paten haben, von dem sie regelmäßig Feedback bekommen und mit dem sie über Probleme reden können. So haben beide Seiten die Chance, Dinge, die nicht optimal laufen, zu ändern. Das ist eine Investition, die sich für beide Seiten lohnt.
  3. Außerdem ist für Neueinsteiger mit Arbeitsbeginn ein vorbereiteter Einarbeitungsplan zielführend. Der Arbeitsplatz mit Schreibtisch, PC und Telefon ist zu diesem Zeitpunkt voll eingerichtet. So weiß der neue Mitarbeiter, was in der nächsten Zeit auf ihn zukommt und es hilft ihm bei der Eingewöhnung in das Unternehmen.