Das ist die Erntetechnik in Kanada

Seit Mitte August ernten wir. Es ist also Zeit die Erntemaschinen etwas näher zu beschreiben.
Wir haben hier drei John Deere 9770 STS im Einsatz. Das sind Rotordrescher mit 385 PS. Die Vorgängermodelle der heutigen S-Maschinen von John Deere. Die drei Drescher sind nun schon in der sechsten Ernte hier auf der Farm.

Wir arbeiten mit einer Arbeitsbreite von 10,60 Metern, mit sogenannten Flexschneidwerken. Das heißt, dass der Schneidwerksboden flexibel ist und sich dem Untergrund anpassen kann. Da Linsen relativ nah am Boden wachsen, muss sehr tief und knapp über der Oberfläche geschnitten werden. Oft sind auch Steine oder Unebenheiten im Weg, über die das Schneidwerk bis zu einem gewissen Grad ausweichen kann.

Gebläse am Drescher
Gebläse am Drescher

Eine Besonderheit, die ich so vorher noch nicht kannte, steckt hinter dem silbernen Gestänge vor der Haspel. Dies ist Teil eines Gebläses. Die Luft wird über einen Rotor neben der Kabine angesaugt und über ein Rohrsystem vor den Messerbalken geleitet. Der Luftstrom zielt dann direkt auf die Messer bzw. auf den Schneidwerksboden und bläst die Linsen und das Linsenstroh nach dem Schneiden in die Schnecke. So wird der Gutfluss verbessert und Verluste werden reduziert.

Eine weitere Besonderheit, die es so in Deutschland nicht gibt, sind die Korntankabdeckungen. Diese sind fest installiert und können mittig geöffnet und geschlossen werden. Praktisch bei Regen oder wenn über Nacht noch Erntegut im Korntank ist und vor Tau geschützt werden muss.

Ich habe unter anderem die Aufgabe die Drescher morgens vor dem Start im Feld vorzubereiten. Das heißt Diesel tanken, abschmieren, sauber machen oder kleinere Reparaturen und Wartungsarbeiten durchführen.
Ab circa zehn Uhr, abhängig davon ob die Linsen trocken genug sind, geht es dann meist los. Ich fahre den Drescher Nummer zwei.

Die Dimensionen hier sind ganz was anderes als ich es von zuhause gewöhnt bin. Der erste Schlag hatte ca. 420 Hektar mit einer Furchenlänge von einer Meile, spricht 1,6 Kilometern.

Die Linsen werden teilweise sofort mit dem LKW zum Händler gefahren. Den Rest lagern wir in Silos an der Hofstelle ein. Die Ware ist durch Kontrakte teilweise schon vorvermarktet. Der andere Teil wird je nach Marktsituation ausgelagert.

Unsere Feldcrew besteht zurzeit aus sechs Leuten. Aaron hat auch schon einige Videoaufnahmen gemacht, sodass wir uns auf ein neues Erntevideo aus diesem Jahr freuen können.