Auszubildende bringen Leben ins Haus

Auszubildende bringen Leben ins Haus

Bewusste Entscheidung für kleineren Ausbildungsbetrieb

Hier erledige ich alle täglichen Arbeiten selbstständig und trage viel Verantwortung. Das wäre auf einem größeren Betrieben nicht der Fall gewesen.

Karrero - Grüne Jobs Jenny Hermann, Melina Fleige und Erwin Bäßler
Azubinen Jenny Hermann und Melina Feige mit Ausbilder Erwin Bäßler
Landwirtschaftlicher Betrieb Bäßler

Studium & Ausbildung perfekt kombinierbar

Erwin Bäßler bildet seit 1985 jedes Jahr Landwirte auf seinem Milchviehbetrieb in Markgröningen aus. In diesem Jahr sind es zwei junge Frauen: Melina Feige  im dritten Lehrjahr und Jenny Hermann im zweiten Lehrjahr. Jenny macht ein Duales Studium an der Hochschule in Triesdorf. Sie wird nach dem Jahr bei Bäßlers erst die Unibank drücken und danach wieder auf einen Betrieb gehen. „Nach dreieinhalb Jahren habe ich die Ausbildung als Landwirtin und das Studium in der Tasche“, erklärt sie. Die Entscheidung für das Duale Studium hat sie auf der Agritechnica gefällt. Dort hatte die Hochschule einen Stand, auf dem sie über die doppelte Ausbildung informierte. „Da ich in Zukunft wahrscheinlich den Milchviehbetrieb meiner Eltern weiterführen möchte, wollte ich neben dem Studium unbedingt eine Ausbildung machen. Das passte dann perfekt“, freut sich Jenny. Melina kommt nicht von einem landwirtschaftlichen Betrieb. Sie hat die Ausbildung angefangen, weil Sie sich immer schon für Tiere interessierte.

Jeder darf hier alles machen - Das kommt gut an bei den jungen Frauen

Kälber versorgen, Ställe streuen, Pflügen und Grasernte, die beiden Frauen dürfen alles machen bis auf das Melken.  „Das erledigt der Roboter“, schmunzelt Bäßler. Er bewirtschaftet 85 ha Ackerland, 15 ha Grünland und hält 90 Milchkühe mit Nachzucht. Jenny hat sich bewusst für einen kleineren Betrieb zum Lernen entschieden. „Hier erledige ich alle täglichen Arbeiten selbstständig und trage viel Verantwortung. Ich denke nicht, dass das auf größeren Betrieben der Fall gewesen wäre“, nennt sie ihren Hauptbeweggrund. Bäßler bildet gerne aus. Er schätzt die Zeit mit seinen Auszubildenden. „Mit den jungen Leuten ist immer Leben im Haus“, sagt er.

Ausbildungsplätze sehr gefragt trotz städtischer Konkurrenz

Da sich Bäßlers Betrieb in der Nähe von Stuttgart befindet, ist es für ihn schwierig, Mitarbeiter zu finden. Er konkurriert mit den gewerblichen Firmen in Stadtnähe. Auch kommen immer weniger Auszubildende direkt aus der Landwirtschaft. Nur 50 % seiner Azubis der letzten Jahre kommen von einem Betrieb, früher waren es mehr. Diese haben dann in ihrem Freundeskreis den direkten Vergleich zu anderen Berufen. „Heutzutage wollen die Mitarbeiter vor allem geregelte Arbeitszeiten. Das ist noch wichtiger als das Gehalt“, sagt Bäßler. Geregelte Arbeitszeiten und jedes Wochenende frei kann er auf seinem Milchviehbetrieb nicht bieten. Dafür hat er nicht genug Aushilfskräfte. Seine Ausbildungsplätze sind allerdings immer besetzt. Die beste Werbung für ihn sind die zufriedenen ehemaligen Auszubildenden. „Ich habe über meinen Freundeskreis von Bäßlers gehört“, untermauert Jenny dies. Sie und Melina haben sich jeweils noch einen anderen Betrieb angeguckt. Beide haben sich aber schlussendlich für Bäßlers entschieden. „Hier passte es menschlich einfach am besten“, lachen die jungen Frauen. Sie können diesen ersten Eindruck bisher nur bestätigen. „Wir verstehen uns alle sehr gut. Jede Woche besprechen wir, was grob ansteht und wechseln uns mit den täglichen Aufgaben selbstständig ab. Wir funktionieren gut als Team“, berichtet Melina.

Melina will nach der Ausbildung in der Praxis arbeiten. Auf ihrem vorherigen Lehrbetrieb, ebenfalls ein Milchviehbetrieb, tritt sie eine Gesellenstelle an. Jenny könnte sich nach dem Studium vorstellen, in die Öffentlichkeitsarbeit zu gehen. „Mein Vater engagiert sich im Bauernverband. Daher habe ich schon einen Einblick in diese Arbeit, die mir gut gefällt“, sagt sie.