Wie gründe ich ein Start-up in der Agrarbranche?

Ein Marathon und kein Sprint

Henning Dicks hat ein Start-up in der agrar Branche gegründet. Zusammen mit seinem Team will der Agrarabsolvent Landwirte fit für Biomethan machen. Er hat in der Agrar Karrieresprechstunde mit uns gemeinsam über die Herausforderungen, die einen bei der Gründung eines Start-ups erwarten, welche Erfahrungen er bei der Gründung seines Start-ups gemacht hat und worauf er vielleicht hätte verzichten können gesprochen.

Die gesamte Agrar Karrieresprechstunde als Video

Wochenblatt: Mit eurem Start-up „agriportance“ wollt ihr Landwirte fit für die Produktion und denVertrieb von Biomethan machen. Selbst bist du gelernter Landwirt und hast in Soest Agrar studiert. Wie wird man mit 27 Jahren zum Gründer?

Henning Dicks: Ich stamme von einem Hof mit Kälbermast und Ackerbau im Nebenerwerb im Kreis Borken. Da ist einem das Unternehmertum nicht fremd. Nach dem Studium war ich in Brasilien und habe im Bereich nachwachsende Rohstoffe
als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet. Danach habe ich ein Volontariat beim Landwirtschaftsverlag gemacht. Der Gedanke selbst zu gründen, schwelte schon länger. Die konkrete Idee reifte am Ende des Volontariats. Währenddessen hatte ich viele unternehmerische Konzepte analysiert und mit anderen Gründern aus der Agrarbranche gesprochen.

Wochenblatt: Deine Hauptaufgabe liegt in eurem Start-up bei der Unternehmensentwicklung und der strategischen Planung.
Wo siehst du generell Potentiale zum Gründen in der Agrarbranche?

Henning Dicks: Zum einen in der Digitalisierung der Branche und zum anderen in der Ökologie. Denn überall, wo Landwirte Wirkung auf die Umwelt haben, wie bei Artenvielfalt und Klimaschutz, braucht es gute Ideen und passende Geschäftsmodelle. Wir sind mit der Vision gestartet, mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft zu verankern. Wichtig war uns aber, das mit den Landwirten zu machen und auch so, dass sie eine Möglichkeit bekommen, dadurch Geld zu verdienen.

Wochenblatt: Was empfiehlst du beim Gründen?

Henning Dicks: Du brauchst eine Vision, für die du kämpfen möchtest. Der Rest lässt sich lernen. Rückschläge gehören dazu und manchmal sogar das Scheitern. Denn Gründen ist ein Marathon und kein Sprint. Viele merken nach einem Jahr, dass sie noch fünf Jahre vor sich haben, bevor sie überhaupt Geld verdienen. Eine gewisse Affinität zum Risiko und die Offenheit, neue Dinge zu lernen, sind auch sehr wichtig. Außerdem sollte man nicht beratungsresistent sein. Doch noch wichtiger ist, dass dein Team Menschen vereint, die unterschiedliche Stärken haben und sich ergänzen.

Wochenblatt: Was lässt sich für die Karriere mitnehmen, wenn man ein Start-up gegründet oder bei einem Start-up gearbeitet hat?

Henning Dicks: Für die eigene Karriere ist es besser drei Jahre bei einem Start-up gearbeitet zu haben als drei Jahre als Angestellter. Denn die Lernkurve ist in dieser Zeit höher. Selbst wenn der Erfolg ausbleibt, sammelt man viele wertvolle Erfahrungen. Stellen, die einem danach in Unternehmen angeboten werden, sind meist besser dotiert als ohne diese Erfahrung. Denn als Gründer oder Mitarbeiter in einem Start-up muss man früh Herausforderungen annehmen, außerhalb von Routinen arbeiten und mit einem großen Gestaltungsspielraum umgehen können. Daher kann es ein wichtiger Karriereschritt sein für jemanden nach dem Studium. Selbst suchen wir Absolventen als Produktentwickler und für den Vertrieb. Zurzeit stellen wir die Stellenanzeigen nicht offline.

Patrick Otte (Wochenblatt)

Über agriportance

Bei „agriportance“ geht es um den erneuerbaren Treibstoff Biomethan. Er lässt sich im Schwerlast- und Schiffsverkehr verwenden. Die Produzenten, meist Landwirte mit Biogasanlagen müssen für die Produktion eine bürokratische Treibhausgasbilanz erstellen. Außerdem sehen sie sich nach 20 Jahren EEG-Vergütung nun dem freien Markt gegenüber. Dabei bietet das Start-up zum einen eine Software an, mit der sich einfach die Treibhausgasbilanz erstellen lässt, und zum anderen bringt „agriportance“ die Produzenten mit Mineralölunternehmen und Tankstellen zusammen. Bisher haben sie 100 zahlende Kunde.

Webseite: agriportance.com

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