Sorgen Sie selbst für Ihren guten Ruf!

Ein Kommentar von Regina Imhäuser, top agrar-Redaktion:

Öffentlichkeitsarbeit betrifft jeden Landwirt. Auch Sie! Denn es geht um Ihren guten Ruf. Bröckelt er, steht die Glaubwürdigkeit Ihrer Person auf dem Spiel und damit letztlich auch die Existenz Ihres Betriebes. Das klingt hart, ist aber keineswegs übertrieben.

Das düstere Bild, das viele Medien von der Landwirtschaft zeichnen, setzt sich immer stärker in den Köpfen der Menschen fest. Das ist fatal, denn kaum ein Verbraucher kennt heute noch einen Landwirt persönlich. Am Ende sieht er alle Landwirte als „Tierquäler“ und „Umweltverpester“ an und zweifelt an der Qualität der Lebensmittel, die er kauft. Der sinkende Konsum von Schweinefleisch ist dafür bereits ein Warnsignal. Die schwindende Akzeptanz für landwirtschaftliche Bauvorhaben ein weiteres. Diese Liste ließe sich beliebig fortführen. Engagieren Sie sich!

Betreiben Sie Öffentlichkeitsarbeit – für sich, für Ihre Familie, für Ihren Betrieb und für die nächste Generation auf Ihrem Hof! Sie werden damit zwar nicht weitere Skandalberichte verhindern, aber Sie können dafür sorgen, dass Ihre Nachbarn, der Gemeinderat und der Sportverein den vermeintlichen Skandal nicht ohne weiteres glauben.

Sie können dafür sorgen, dass Ihr Umfeld denkt: „Bei meinem Bauern nebenan ist das anders. Das habe ich selbst gesehen und gehört. Ihm vertraue ich.“ Das ist das Ziel guter Öffentlichkeitsarbeit: Sie sichert Ihnen und Ihrem Betrieb einen Vertrauensvorschuss, wenn der nächste Skandal durch die Medien zieht. Verwechseln Sie Öffentlichkeitsarbeit aber niemals mit Aufklärung oder Missionierung.

Belehren Sie niemanden. Versuchen Sie auch nicht, jemanden zum Experten, z. B. für organische Düngung, zu machen. Es geht vielmehr um Vertrauen und Transparenz. Der Bürger mag sich weiterhin vor dem Geruch von Gülle ekeln, aber er weiß jetzt, dass Sie Gülle ausbringen, weil das wichtig für die Pflanzen ist. Er hält Sie für einen Fachmann und ist sich sicher, dass er Sie fragen kann, wenn er mehr über Gülledüngung wissen will. Öffentlichkeitsarbeit ist ein Handwerk, das man lernen kann. Sie fängt schon im Kleinen an, beispielsweise mit dem konstruktiven Gespräch, das Sie mit dem Fußgänger am Feldrand führen, statt mit Vollgas grußlos an ihm vorbeizufahren.

Öffentlichkeitsarbeit ist sehr vielfältig. Der Besuch von Schulklassen, Stall-Schaufenster, Zeitungsberichte, Aktivitäten bei Facebook und Twitter – auch für Sie ist etwas dabei. Finden Sie das, was zu Ihrer Person und Ihrem Betrieb passt. Schauen Sie aktiven Öffentlichkeitsarbeitern über die Schulter (siehe Beitrag ab Seite 24 in der neuen top agrar 5/2016).

Und lassen Sie sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Nicht jede Aktion wird gelingen. Der Erfolg der Öffentlichkeitsarbeit lässt sich nicht messen, wie der einer ertragssteigernden Düngung. Wie beim Aufbau von Humus müssen Sie langfristig denken. Am besten Sie fangen noch heute damit an. Frei nach dem Bauingenieur und Dichter Erhard Bellermann: „Ein guter Ruf – ist ein halber Beruf.“